Kreativ-Kapital US-Investments für Innovationen steigen deutlich

Gute Nachricht für Amerikas Kreativ-Schmieden: Erstmals seit Beginn der Krise erhalten Start-up-Unternehmen wieder deutlich mehr Risikokapital. Vor allem der Bereich Bio- und Medizintechnik boomt. Auch Unternehmensgründer erhalten wieder mehr Geld.


Hamburg/San Francisco - Die Aussichten für amerikanische Kreative haben sich deutlich verbessert: Die Investitionen von Wagniskapitalgeber in US-Start-up-Unternehmen sind zum ersten Mal seit dem Winterquartal 2007 wieder deutlich gestiegen. Das geht aus dem aktuellen MoneyTree Report hervor, einer Erhebung, die das Marktforschungsunternehmen PricewaterhouseCoopers und der US-Verband National Venture Capital Association gemeinsam herausgeben - und an dem sich viele Risikoinvestoren orientieren.

Luftaufnahme des Silicon Valley: Wagniskapital-Investitionen steigen
Corbis

Luftaufnahme des Silicon Valley: Wagniskapital-Investitionen steigen

Laut MoneyTree Report pumpten Wagniskapitalgeber im zweiten Quartal schätzungsweise 3,7 Milliarden Dollar in innovative Projekte - 15 Prozent mehr als noch im ersten Quartal. Vor allem in die Bereiche Bio- und Medizintechnik fließe wieder deutlich mehr Kapital. Andere Zukunftsmärkte wie Cleantech und Internet stagnierten dagegen noch immer. Insgesamt befinden sich die Investitionen noch auf recht niedrigem Niveau - im zweiten Quartal 2008 lagen sie laut MoneyTree Report noch bei 7,2 Milliarden Dollar.

Das Volumen einzelner Investitionen sei leicht gestiegen - es erhöhte sich im Vergleich zum ersten Quartal von durchschnittlich 5,3 auf sechs Millionen Dollar pro Deal.

Wagniskapitalgeber steckten zudem bereits wieder mehr Geld in sogenannte Seed- und Early-Stage-Investments. Sprich: Sie investieren Kapital in Start-up-Gründungen und deren Entwicklung in der Frühphase - beides gilt als besonders riskant, da sich die Erfolgschancen innovativer Firmen in diesen Stadien bestenfalls schätzen lassen.

Experten werten den Aufschwung am Wagniskapitalmarkt positiv: Venture Capital ist für die meisten Start-up-Unternehmen unentbehrlich. Ohne Finanzspritze erreicht kaum ein Unternehmen jene kritische Größe, die es erlaubt, einen breiten Markt zu bedienen und an die Börse zu gehen. Innovative Unternehmen aber sind zur Erschließung neuer Märkte und Geschäftsfelder unentbehrlich.

Entwarnung geben Wagniskapitalgeber aber noch nicht. Seit dem Ausbruch der Krise hat sich die Anlegestrategie der Wagniskapitalgeber aber deutlich geändert. Ihr Engagement beschränkt sich zurzeit vor allem auf Start-up-Unternehmen, die möglichst wenig Geld verbrennen und möglichst schnell schwarze Zahlen schreiben. Ambitionierte, langfristig angelegte Geschäftsideen bekommen dieser Tage kaum noch Kapital - dabei haben vor allem solche Projekte das Potential, neue Märkte entstehen zu lassen.

Pioniere des Silicon Valley, Amerikas größter Ideen- und Innovationenschmiede, attestieren den Wagniskapitalgebern bereits eine bedenkliche Visionslosigkeit - und warnen vor einem globalen Bedeutungsverlust des Kreativ-Königreichs.

ssu



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