Kredite IWF schnürt Hilfspakete für Island und Pakistan

Der Internationale Währungsfonds unterstützt Staaten, die von der Finanzkrise betroffen sind. Island und Pakistan bekommen Kredite in Milliardenhöhe. Auch die Türkei erhält Hilfszahlungen vom Fonds.


Islamabad/Washington - Der Internationale Währungsfonds (IWF) bringt die Hilfen für von der Finanzkrise besonders hart getroffene Länder auf den Weg. So haben sich die Mitgliedstaaten nach Angabe von IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn auf Zahlungen für Island verständigt. Über den Kredit solle am kommenden Mittwoch endgültig abgestimmt werden, sagte Strauss-Kahn am Samstag in Washington am Rande des Weltfinanzgipfels. Zur Höhe der Hilfe machte er keine Angaben. Presseberichten zufolge hatte Island um zwei Milliarden Dollar gebeten.

Devisenhändler in Pakistan: Bedrohung für die Stabilität
REUTERS

Devisenhändler in Pakistan: Bedrohung für die Stabilität

Der Inselstaat ist von der Finanzkrise besonders betroffen. Die Regierung musste die größten Banken des Landes verstaatlichen. Island steht unterdessen wegen der internationalen Bankenkrise am Rande eines Staatsbankrotts. Zudem droht eine politische Krise. Am Samstag forderten rund 6000 Demonstranten in der isländischen Hauptstadt Reykjavik Regierungsmitglieder zum Rücktritt auf.

Gleichzeitig hat der IWF ein Rettungspaket in Milliardenhöhe für das ebenfalls massiv unter Finanzkrise leidende Pakistan geschnürt. Man habe sich grundsätzlich auf eine Finanzspritze in Höhe von 7,6 Milliarden Dollar geeinigt, sagte Strauss-Kahn. Dieses Hilfsprogramm müsse ebenfalls noch vom Exekutivrat gebilligt werden, der in Kürze im Rahmen seines Nothilfeprogramms darüber berate.

Shaukat Tarin, Wirtschaftsberater der pakistanischen Regierung, hatte das Rettungspaket bereits am Samstag vor Journalisten in Karatschi angekündigt. Es solle dazu dienen, eine drohende Staatspleite abzuwenden. Der IWF-Kredit mit einer Laufzeit von 23 Monaten werde eigens gewährt, um das Devisenloch zu stopfen und die drohende Zahlungsunfähigkeit zu verhindern, sagte Tarin.

Die Hilfe für Pakistan hat auch politische Hintergründe. Nach Ansicht von US-Geheimdiensten ist die Stabilität in der Region bedroht. Die Finanzkrise "könnte das Überleben befreundeter Regime von Pakistan bis in den Nahen Osten gefährden und zugleich westliche Länder dazu zwingen, ihre Ausgaben für Verteidigung, Geheimdienste und Entwicklungshilfe zu kürzen", berichtet die "Washington Post" unter Berufung auf Geheimdienste und unabhängige Experten.

Auch die Türkei bekommt Hilfszahlungen vom IWF. Die Einigung über ein Darlehen stehe kurz bevor, sagte IWF-Chef Strauss-Kahn. Zu klären sei aber vor allem noch der genaue Umfang des Darlehens.

Eine frühere IWF-Hilfe für das Land in Höhe von zehn Milliarden Dollar war im Mai ausgelaufen. Der türkische Ministerpräsident Tayyip Erdogan hatte anschließend erklärt, den Währungsfonds angesichts der hohen Auflagen eigentlich nicht noch einmal anzapfen zu wollen. Davon ist jetzt offenbar nicht mehr die Rede. Nach IWF-Angaben ist der Kapitalfluss in die Türkei wegen der Finanzkrise zum Erliegen gekommen.

suc/AFP/dpa/Reuters



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