Kreditkrise Agentur stuft Papiere im Wert von 500 Milliarden Dollar herab

Der große Schrecken ist noch immer nicht vorbei: Die Rating-Agentur Standard & Poor's will im Zuge der US-Hypothekenkrise Wertpapiere von mehr als 500 Milliarden Dollar herabstufen. Davon wären praktisch alle Großbanken betroffen - auch in Europa.


New York - Es ist das nächste Kapitel der nicht enden wollenden Krise: Mehr als 8000 Papiere will die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) entweder sofort senken oder die Herabstufung ihres Wertes überprüfen. Dabei handelt es sich um Wertpapiere mit einem Nominalwert von 534 Milliarden Dollar, die mit US-Immobilienkrediten besichert sind. Das geht aus einer Ankündigung von S&P hervor, die gestern nach Handelsschluss an der Wall Street veröffentlicht wurde.

Zum Verkauf stehende US-Immobilie: Verluste werden sich verdoppeln
AFP

Zum Verkauf stehende US-Immobilie: Verluste werden sich verdoppeln

Ein Teil sei bereits herabgestuft worden, hieß es. Wie viel noch zu erwarten war, teilte das Unternehmen nicht mit. Banken haben bislang bereits rund 90 Milliarden Dollar Verluste an Papieren mit schlechten Hypotheken gemacht. Die Krise sei noch lange nicht überwunden, weil die Banken gerade erst das nächste Kapitel in dieser Geschichte aufschlagen würden, erklärte die Firma weiter.

Die Entscheidung wird Banken und Finanzdienstleister weltweit treffen. Sie müssen weitere oder neue Wertberichtigungen vornehmen. Fonds, die auf bestimmte Mindestbonitäten bei ihren Investments festgelegt sind, dürften zudem gezwungen sein, Wertpapiere zu verkaufen. Nach Einschätzung von S&P führt die Herabstufung bei Finanzinstitutionen weltweit zu Verlusten von insgesamt 265 Milliarden Dollar.

Die größeren Banken an der Wall Street könnten allerdings glimpflich davon kommen, weil sie ihre Bilanzen bereits bereinigt haben. Dafür könnte sich die Krise auf Regionalbanken und die zwölf genossenschaftlichen Hypothekenbanken in den USA ausweiten, die sich zum System der Federal Home Loan Banks zusammengeschlossen haben. Auch einige Banken in Asien und Europa, die bislang noch keine Abschreibungen vorgenommen hätten, könnten jetzt betroffen sein.

Verluste werden sich verdoppeln

Subprime

Als Subprime werden Schuldner mit niedriger Bonität bezeichnet, arme Menschen, die sich den Kredit, den sie aufnehmen, eigentlich nicht leisten können. Dieser Sektor des Kreditmarktes entwickelte sich seit Anfang Juni 2003 in den USA, nachdem der damalige US-Notenbank-Chef Alan Greenspan den Leitzins auf ein Prozent abgesenkt hatte. Dadurch nahmen plötzlich viele Menschen Kredite für Hypotheken auf - ohne zu bedenken, dass sie diese später, bei höheren Zinsen, wieder zurückzahlen müssten. Derzeit sind weltweit noch Ramschhypotheken im Wert von 1,8 Billionen Dollar im Umlauf.

Die Agentur schätzt, dass sich die bislang ausgewiesenen Verluste verdoppeln werden und viele Gesellschaften betroffen sein werden, die bislang noch keine Probleme ausgewiesen hätten. Bislang haben nach Darstellung von S&P Banken für rund 90 Milliarden Dollar Verluste mit Wertpapieren gemacht, die mit Hypothekenkrediten geringer Bonität hinterlegt sind.

Ratings bezeichnen die standardisierte Beurteilung des Ausfallrisikos beziehungsweise die Wahrscheinlichkeit einer pünktlichen und vollständigen Begleichung von Schulden. Bewerter sind Rating-Agenturen wie Standard & Poors's, Fitch oder Moody's. Die "Noten" reichen von "AAA" bis "D" und sind für das Funktionieren des Finanzsystems entscheidend. Die Macht der kaum kontrollierten Rating-Agenturen wurde zuletzt auch häufig kritisiert.

Nach Bekanntwerden der Nachricht gaben die US-Börsenfutures deutlich nach. Der S&P 500 Chart zeigen Futures rutschte 16 Punkte ins Minus, auch der Nasdaq Futures signalisierte einen negativen Börsenstart für heute.

sam/Reuters/AP/Dow Jones



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