Kreditkrise Börsen nervös - Deutschland bangt um Bundeshaushalt

Kurze Verschnaufpause an den Finanzmärkten: Asiens Börsen haben im Plus geschlossen, der Dax startete positiv, fiel dann aber wieder zurück. In Deutschland wird immer offener über mögliche Auswirkungen der Katastrophe gesprochen - und nach Schuldigen gesucht.

Wellington - Die Leitzinssenkung der Fed wird wenig ändern, glaubt Nobelpreisträger Joseph Stiglitz - dafür seien die Probleme einfach zu groß. "Die Zinssenkung wird die Blutung ein bisschen aufhalten, aber sie geht nicht auf die grundlegenden Probleme ein, die zum Zusammenbruch des Finanzsektors führen", sagte Stiglitz dem neuseeländischen Rundfunk. Die Krise sei dramatisch und so eigentlich nur noch mit der großen Depression der dreißiger Jahre vergleichbar.

Investor in China: Die Lage bleibt angespannt

Investor in China: Die Lage bleibt angespannt

Foto: AFP

Immerhin: Vorübergehend hat die Zinssenkung der Fed um 75 Basispunkte für Entspannung gesorgt. Die Deutsche Börse startete mit Gewinnen: Der Dax  legte zum Handelsstart um knapp ein Prozent auf 6454 zu, verlor dann aber wieder etwas auf 6399 Punkte. Zuvor war der Dow Jones   mit über 3,5 Prozent Plus bei 12.392,7 Punkten aus dem Handel gegangen - und die asiatischen Börsen waren dem guten Beispiel gefolgt. In Tokio schloss der 225 Werte umfassende Nikkei   2,48 Prozent fester bei 12.260 Zählern. Der breiter gefasste Topix-Index gewann bis Handelsschluss 2,81 Prozent auf 1196 Zähler. Auch die Aktienmärkte in Südkorea, Hongkong, Taiwan, Singapur und Shanghai legten kräftig zu. "Die Fed zeigt starke Führungskraft in den sie betreffenden Angelegenheiten, und die Märkte bekommen Auftrieb durch die Tatsache, dass sie bereit ist, schnell zu Handeln", sagte Tony Russell von ABN AMRO Morgans. Die Krise sei deshalb aber noch lange nicht überwunden.

Dessen ist man sich auch in Deutschland bewusst - immer offener wird über mögliche Folgen für die deutsche Wirtschaft gesprochen. Der CDU-Finanzexperte Michael Meister erklärte im ARD-Morgenmagazin: "Ich mache mir Sorgen um den Bundeshaushalt." Einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" zufolge drohen wegen der Finanzkrise Mindereinnahmen in Milliardenhöhe: Nach ersten Berechnungen für die Steuerschätzung im Mai würden die Einnahmen des Staates im laufenden Jahr etwa vier Milliarden Euro unter den bisherigen Erwartungen bleiben. Für 2009 sehe es ähnlich aus, sogar eher noch schlechter.

Ein Eingreifen der Politik in die Finanzkrise lehnt Meister ab: "Was Politik tun kann, haben wir getan." Jetzt gehe es darum, dass wieder Vertrauen zwischen den Banken herrsche. Dazu müsse mehr Transparenz geschaffen werden. "Es ist notwendig, dass Bankmanager zur rechten Zeit die Verantwortung wahrnehmen und nur die Geschäfte tätigen, die sie auch überblicken können, die sie verstehen. Das ist an mancher Stelle nicht geschehen."

"Zunächst einmal die Banken selbst gefordert"

Ähnlich äußerte sich Bundesbank-Präsident Axel Weber. "Alle Finanzmarktteilnehmer sind aufgefordert, zeitnah über ihre Risiken zu informieren", sagte er in einem Gespräch mit dem "Handelsblatt". Auch Weber wies ein Eingreifen der Politik zurück - und damit die Forderung von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann. Der hatte erklärt, die Finanzkrise müsse mit einer konzertierten Aktion von Banken, Regierungen und Notenbanken bekämpft werden. Weber sagte: "Bei der Überwachung und Lösung der eigenen Schwierigkeiten sind zunächst einmal die Banken selbst gefordert."

Zum G7-Treffen in Washington am 11. April und zum anschließenden Frühjahrstreffen des Internationalen Währungsfonds (IWF) erwartet Weber erste Berichte vom Forum für Finanzmarktstabilität, dem Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht und dem IWF zu möglichen Lehren aus der Krise. Er wolle den Sitzungen nicht vorgreifen, aber "wir müssen auf jeden Fall vor dem Sommer erste Schlussfolgerungen aus den Turbulenzen ziehen". Nach der Diskussion in Washington werde man sehr zügig an die Umsetzung der Vorschläge gehen. Die Vorschläge der privaten Banken zu einer Selbstregulierung werde man berücksichtigen, aber die Politik und die Aufsicht müssten aktiv werden.

SPD-Fraktionsvize Ludwig Stiegler plädierte dafür, Notfallpläne für die Auswirkungen der Finanzkrise auszuarbeiten. "Wir müssen in den nächsten Wochen überlegen, was wir im Fall eines Falles unternehmen können, um ein Übergreifen der Krise auf die reale Wirtschaft zu verhindern." Es herrsche höchste Alarmstufe.

ase/AP/dpa/Reuters

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