Kreditkrise Bund will Mehrheit der Hypo Real Estate übernehmen

Die Pläne der Bundesregierung zum Einstieg bei der angeschlagenen Hypo Real Estate werden offenbar konkreter. Union und SPD sind sich einem Zeitungsbericht zufolge einig, dass der Bund 50 Prozent plus einer Aktie an dem Münchener Immobilienfinanzierer übernehmen soll.

Berlin/München - Die Situation ist offensichtlich ernster, als bislang in der Öffentlichkeit bekannt. Die Bundesregierung ist nach Informationen des "Handelsblatts" jedenfalls entschlossen, über eine direkte Beteiligung einzugreifen, um den Zusammenbruch der HRE zu verhindern.

HRE-Zentrale: Bund will 50 Prozent plus eine Aktie

HRE-Zentrale: Bund will 50 Prozent plus eine Aktie

Foto: DPA

Nur für den Notfall, dass die Gespräche mit HRE-Großaktionär J.C. Flowers über eine direkte Staatsbeteiligung erfolglos blieben, behalte sich die Bundesregierung vor, die bisherigen Aktionäre zwangsweise zu enteignen.

Die Hypo Real Estate Holding wollte den Bericht am Montagabend nicht kommentieren. Im Bundesfinanzministerium war am Abend kurzfristig niemand für eine Stellungnahme zu erreichen.

Das Bundesfinanzministerium arbeite derzeit an entsprechenden Änderungen des Finanzmarkt-Stabilisierungsgesetzes, das bisher einen Staatseinstieg auf 33 Prozent beschränkt, schreibt die Zeitung. Darin soll auch geregelt werden, dass der Bund trotz einer möglichen Beherrschungsmehrheit von mehr als 50 Prozent der Aktien kein Übernahmeangebot machen muss, wie es das Aktienrecht vorsieht. "Niemand in der Regierung hat ein Interesse an einer Vollverstaatlichung einer Bank", sagte eine mit den Plänen vertraute Person dem Blatt. Die Gesetzesänderungen könnten bereits in der nächsten Bundestags-Sitzungswoche Anfang Februar beschlossen werden, hieß es.

Finanzkreise erwarten, dass sich die Probleme der HRE im vierten Quartal verschärft haben. Es sei gut möglich, dass der Verlust die Prognose einiger Analysten von bis zu einer Milliarde Euro übertreffen könne, schreibt die Zeitung. Bei einem hohen Minus müsse schnell das Eigenkapital der Bank gestärkt werden, hieß es weiter.

mik/Dow Jones
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