Kreditkrise LBBW verlangt Milliardenbürgschaft für SachsenLB

Die Landesbank Baden-Württemberg droht damit, die Übernahme der angeschlagenen SachsenLB platzen zu lassen - wenn das Land Sachsen keine Bürgschaft übernimmt. Das aber zögert, denn die LBBW fordert rund ein Viertel des Sächsischen Staatshaushaltes.


Dresden/Frankfurt am Main - Die Stuttgarter befürchteten, dass sich die SachsenLB stärker als bislang bekannt am US-Hypothekenmarkt verspekuliert hat, und fordern vom Land Sachsen eine mehrere Milliarden Euro schwere Risikobürgschaft, hieß es heute in Finanzkreisen. Die Finanzrisiken bei der SachsenLB sollen sich nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" mittlerweile auf 43 Milliarden Euro belaufen. Die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) verlange für die vereinbarte Übernahme der SachsenLB eine Landesbürgschaft von 4,3 Milliarden Euro. Anderenfalls werde die Bank nicht übernommen, schreibt die "SZ" weiter.

Die Zentrale der SachsenLB: Finanzrisiken sollen sich auf 43 Milliarden Euro belaufen
DDP

Die Zentrale der SachsenLB: Finanzrisiken sollen sich auf 43 Milliarden Euro belaufen

Eine mit den Vorgängen vertraute Person sagte, Bankenvertreter aus Stuttgart hätten am Wochenende bei Übernahmeverhandlungen in Dresden indirekt damit gedroht, den im August eingefädelten Notverkauf der SachsenLB an die LBBW zu stoppen, falls das Land Sachsen nicht zu der Risikoübernahme bereit sei. In der vergangenen Woche war noch von einer Bürgschaft im Umfang von einer Milliarde Euro die Rede. Die Risiken resultieren den Angaben zufolge vor allem aus Verpflichtungen auf dem ins Trudeln geratenen amerikanischen Hypothekenmarkt, die in Zweckgesellschaften der Dubliner Landesbank-Tochter stecken.

Die sächsische Landesbank war Ende August im Eilverfahren an die LBBW verkauft worden, nachdem sie durch riskante Geschäfte ihrer irischen Tochter auf dem US-Hypothekenmarkt in Bedrängnis geraten war und vor der Schließung stand. Definitiv ist die Übernahme noch nicht. Der Kaufpreis soll erst nach endgültiger Bewertung aller Risiken, die sich in Zweckgesellschaften verbergen, Ende des Jahres festgelegt werden. Die LBBW hat zudem die Option, den Kauf rückgängig zu machen.

Stuttgart hatte unmittelbar nach der Übernahme im August 250 Millionen Euro zur Sicherung des Eigenkapitals an die Sachsen LB überwiesen. Der Freistaat erhoffte sich im August einen Verkaufspreis von 300 Millionen Euro als "Untergrenze". Milbradt, einst Finanzminister Sachsens, hatte im August sein politisches Schicksal vom Erfolg des endgültigen Landesbank-Verkaufes abhängig gemacht. Er lehnte damals wie Finanzminister Horst Metz (CDU) einen Rücktritt ab. Metz hatte jedoch nur wenige Tage später das Handtuch geworfen. Die SachsenLB war die einzige eigenständige ostdeutsche Landesbank.

Das sächsische Finanzministerium wollte sich bislang nicht zu den Forderungen der Stuttgarter äußern. Ein Sprecher bestätigte aber, dass sich die Eigentümer der SachsenLB und eine Expertengruppe der LBBW am Wochenende getroffen haben, um über die Lage der wegen der US-Hypothekenkrise angeschlagenen sächsischen Bank zu sprechen. "Es gab eine grundsätzliche Annäherung. Wir sind zuversichtlich, dass wir zu einer Lösung kommen", sagte er. In den nächsten Tagen werde es weitere Verhandlungen geben. Auch die Finanzaufsicht BaFin sei mit am Tisch.

Die LBBW ist nicht bereit, größere Risiken der Sachsen LB zu übernehmen. "Wir werden nichts tun, was unsere Bilanz nachhaltig belastet", sagte ein Banksprecher. Weiter wollte er sich nicht äußern. Aus Kreisen der sächsischen Landesregierung war zu hören, eine Einigung sei in Sicht. Die Gespräche zwischen der SachsenLB, dem Land Sachsen und der LBBW würden voraussichtlich am kommenden Wochenende abgeschlossen.

Bis zum 19. Dezember hat SachsenLB Zeit, eine Lösung für den 2,2 Milliarden Dollar schweren Fonds Sachsen Funding I zu finden, dem Notverkäufe drohen. Die SachsenLB hat noch weitere solcher Zweckgesellschaften. Nach dem Willen der LBBW sollen alle Risiken dieser Finanzvehikel in einer neuen Gesellschaft gebündelt werden, für die das Land Sachsen Risiken übernehmen soll.

sam/Reuters/dpa-AFX



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