Kreditkrise Zentralbanken pumpen 112 Milliarden Dollar in die Märkte

Konzertierte Aktion: Die Zentralbanken der Eurozone, der USA und der Schweiz wollen wegen der internationalen Finanzkrise erneut hohe Milliardensummen in die Geldmärkte pumpen. Die Maßnahme sowie gute Daten vom US-Arbeitsmarkt sorgten an der Frankfurter Börse für Erleichterung.


Frankfurt am Main - Die Summe klingt gigantisch: Insgesamt 112 Milliarden Dollar wollen die Zentralbanken den Finanzmärkten zur Verfügung stellen. So soll die Liquidität der Märkte sichergestellt werden, wie die Europäische Zentralbank (EZB) am Freitag in Frankfurt am Main mitteilte. Ähnliche Erklärungen gab es von der US-Notenbank Fed und der Schweizer Nationalbank (SNB).

EZB (in Frankfurt am Main): Die Aktion ist abgestimmt mit der Fed und der Schweizer Nationalbank
DDP

EZB (in Frankfurt am Main): Die Aktion ist abgestimmt mit der Fed und der Schweizer Nationalbank

Die EZB erhöht ihr Kreditvolumen nach eigenen Angaben auf 16 Milliarden Euro. Die Fed kündigte an, ihr Kreditvolumen für die Finanzmärkte von bisher 50 Millionen Dollar auf insgesamt 75 Milliarden Dollar auszudehnen. Die SNB wolle ihr Kreditvolumen von sechs auf zwölf Milliarden Dollar verdoppeln, teilte das Institut in Zürich mit. Zudem gleiche es den Rhythmus für die Kreditauktionen an die 14-tägigen Vergabeverfahren der EZB und der Fed an.

Finanzinstitute können sich bei Zentralbanken wie der EZB, der Fed oder der SNB Kredite besorgen, um ihre Geschäfte zu finanzieren. Dazu müssen die Geldhäuser an Auktionen teilnehmen, bei denen sie den Zentralbanken bestimmte Zinssätze für die Kredite bieten. Die EZB, die Fed und jetzt auch die SNB veranstalten solche Bieterverfahren alle 14 Tage. Die Kredite haben meist eine Laufzeit von 28 Tagen.

Damit reagieren die Notenbanken erneut auf Engpässe an den Geldmärkten, die seit Sommer 2007 wiederholt aufgetreten waren. Die Probleme gingen von der US-Hypothekenkrise und der anschließenden Bankenkrise aus. Dies hatte dazu geführt, dass die Geschäftsbanken sich untereinander kaum noch Geld leihen. Die Notenbanken versuchen durch das Bereitstellen zusätzlicher Gelder dem Austrocknen der Märkte entgegenzuwirken.

Die Bank of England (BoE) erklärte, sie habe sich an den Maßnahmen zur Erhöhung der Dollar-Liquidität nicht beteiligt. In Großbritannien habe man keinen Mangel an Dollar-Liquidität ausmachen können, sagte ein Sprecher am Freitag. Die BoE unterstütze aber die Maßnahmen der anderen Zentralbanken.

Nach der Ankündigung der Notenbanken und überraschend guten US-Arbeitsmarktdaten stieg der Dollar im Vergleich zum Euro um mehr als ein halbes Prozent. Der Euro kostete erstmals seit mehreren Wochen wieder weniger als 1,54 Dollar. Der Dax machte einen Sprung nach oben. Er notierte zeitweise mehr als zwei Prozent im Plus bei über 7090 Punkten und schloss mit 7043 erstmels seit Ende Februar wieder über der 7000-Punkte-Marke.

ase/AFP/dpa



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