Bankenumfrage Kreditnehmer müssen sich auf schärfere Bedingungen einstellen

Unternehmen mussten schon in letzter Zeit immer mehr Sicherheiten aufbringen, um an Kredite zu kommen. Jetzt wollen die Banken ihre Richtlinien noch einmal beträchtlich verschärfen.
Bankenviertel in Frankfurt am Main: Standards werden weiter gestrafft

Bankenviertel in Frankfurt am Main: Standards werden weiter gestrafft

Foto: Jochen Tack / IMAGO

Banken im Euroraum rechnen für das laufende dritte Quartal mit einer moderat nachlassenden Nachfrage nach Firmenkrediten. Das geht aus einer Umfrage der Europäischen Zentralbank (EZB) unter 153 Banken hervor. Die Finanzinstitute haben ihre internen Richtlinien für die Kreditvergabe an Unternehmen bereits beträchtlich verschärft.

Für das aktuelle Sommerquartal dürften die Banken demnach die Standards weiter straffen – auch wegen erhöhter Risiken infolge des Ukrainekriegs und der anstehenden Zinswende der EZB.

Die Umfragedaten wurden vom 10. bis 28. Juni erhoben. Die Ergebnisse dieses in der Fachwelt als »Bank Lending Survey« bekannten Berichts sind für die Währungshüter eine Orientierungshilfe bei der Geldpolitik. Die nächste Zinssitzung steht am Donnerstag an.

Der EZB-Rat dürfte dabei angesichts der sehr hohen Inflation im Euroraum erstmals seit 2011 die Zinsen erhöhen. Wie die Nachrichtenagentur Reuters von mit der Sache vertrauten Personen erfuhr, wird auf der Sitzung auch eine mögliche Anhebung um einem halben Punkt zur Sprache kommen. EZB-Präsidentin Christine Lagarde hatten einen solchen Schritt erst für September in Aussicht gestellt. Die EZB wollte sich auf Anfrage nicht zu den Informationen äußern. Der Euro stieg nach den Signalen für eine womöglich kräftigere Zinserhöhung auf 1,0230 Dollar – der höchste Stand seit fast zwei Wochen.

Unter den führenden Notenbanken ist die EZB in puncto Zinswende ein Nachzügler. In den USA hat die Federal Reserve schon viel früher auf den anhaltenden Inflationsschub reagiert. Die Fed hob im Juni ihre Leitzinsen sogar um 0,75 Prozent an, was der größte Zinsschritt seit 1994 war. Die EZB hält dagegen ihren Schlüsselsatz noch auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent, auf dem er bereits seit März 2016 liegt. Seit 2014 liegt zudem der Einlagensatz im Minusbereich, was für Banken Strafzinsen bedeutet, wenn sie bei der Notenbank überschüssige Liquidität parken. Seit Herbst 2019 steht der Satz bei minus 0,5 Prozent.

mik/Reuters
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