Kreditzusage Versandhändler Quelle ist wieder flüssig

Der schwer angeschlagene Versandhändler Quelle ist vorerst gerettet: Nach harten Verhandlungen genehmigten die Banken den dringend benötigten Kredit über 50 Millionen Euro. Jetzt kann der Quelle-Katalog an die Kunden verschickt werden.


Fürth - Aufatmen bei Quelle: Der Versandhändler erhält den dringend benötigten Massekredit über 50 Millionen Euro. Darauf einigten sich die Banken am Freitag. Die Verträge seien unterzeichnet und hätten die letzten formalen und juristischen Hürden genommen, teilte Quelle mit. Dies sichere dem Unternehmen eine Grundfinanzierung des Geschäftsbetriebs. "Quelle verfügt jetzt über die notwendige Liquidität, um die Geschäfte zu stabilisieren und fortzuführen", hieß es.

Versandhändler Quelle: "Das erste Geld ist angekommen"
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Versandhändler Quelle: "Das erste Geld ist angekommen"

Auch das sogenannte Factoring-Programm lief am Freitag wieder an - dabei tritt Quelle seine Kundenforderungen gegen einen Abschlag an die Bank ab und wird im Gegenzug von dieser mit Geld versorgt. "Die Summe liegt unter hundert Millionen Euro, aber es ist ein ernstzunehmender Betrag", sagte Quelle-Geschäftsführer Konrad Hilbers. Quelle habe bereits die ersten Zahlungsanweisungen an die Druckereien und für die Auslieferung des Hauptkatalogs gegeben. Dieser soll nun sofort in den Versand gehen.

Das Factoring hatte seit dem Insolvenzantrag am 9. Juni auf Eis gelegen. Deshalb konnte Quelle den längst überfälligen Druck des Herbst-/Winterkatalogs nicht bezahlen - für das Unternehmen ein Debakel, gehört der Katalog doch zu den wichtigsten Umsatztreibern auf der Kundenseite.

Nun gehe es darum, einen überzeugenden Sanierungsplan zu erarbeiten, der die profitablen Bereiche aufzeige, sagte Hilbers. "Das wird nicht ohne Einschnitte gehen." Erste Gedanken dazu gebe es; es sei aber zu früh, um Einzelheiten zu nennen.

Der Bund sowie die Länder Bayern und Sachsen hatten der Tochter des ebenfalls insolventen Handelsunternehmens Arcandor Chart zeigen den Massekredit über 50 Millionen Euro vor knapp zwei Wochen zugesagt. Doch die Verhandlungen zwischen den Banken über die Einzelheiten des 700-seitigen Vertragswerks zogen sich hin. Bis zum Freitagnachmittag seien die Verträge nun von allen beteiligten Parteien unterzeichnet worden, berichtete Quelle. Auch das Amtsgericht Essen habe den Insolvenzverwalter ermächtigt, die Unterschrift unter den Massekredit-Vertrag zu leisten.

Der Kredit dient als Sicherheit für die Essener Valovis Bank. Diese hatte das Versandunternehmen nach der Insolvenzanmeldung von sämtlichen Geldströmen abgeschnitten. Quelle konnte seit Wochen seine Lieferanten nicht mehr bezahlen. Auch die Druckereien, die den Katalog herstellen, warteten auf ihr Geld. Wegen der anhaltenden Unsicherheit über die Zukunft verzeichnete Quelle zuletzt einen Umsatzeinbruch um bis zu 50 Prozent.

cha/dpa/AP



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