Kriegsfolgen EZB erwartet deutlich höhere Inflation und schwächeres Wachstum

Energie, Lebensmittel, Hausbau: Durch den Krieg in der Ukraine könnte alles noch teurer werden. Die EZB hat ihre Inflationsprognose deutlich angehoben.
Christine Lagarde: »Der Ukrainekrieg wird beträchtliche Auswirkungen haben«

Christine Lagarde: »Der Ukrainekrieg wird beträchtliche Auswirkungen haben«

Foto: ANDREW CABALLERO-REYNOLDS / AFP

Der Krieg in der Ukraine dämpft nach Einschätzung der Europäischen Zentralbank (EZB) die Konjunkturaussichten für den Euroraum und heizt durch höhere Energiepreise die Inflation an. Nach der am Donnerstag vorgelegten Prognose wird die Teuerungsrate in diesem Jahr bei 5,1 Prozent liegen und damit deutlich höher als zuletzt angenommen. Im Dezember war die Notenbank noch von 3,2 Prozent ausgegangen.

»Der Ukrainekrieg wird durch höhere Energie- und Rohstoffpreise, die Unterbrechung des internationalen Handels und ein schwächeres Vertrauen beträchtliche Auswirkungen auf die Wirtschaftstätigkeit und die Inflation haben«, sagte EZB-Präsidentin Christine Lagarde auf der Pressekonferenz nach der Zinssitzung. Die EZB hatte zuvor entschieden, ihren Leitzins auf historisch niedrigem Niveau zu belassen und ihre Anleihekäufe schneller zurückzufahren.

Im kommenden Jahr rechnen die Währungshüter im Jahresschnitt mit einer Preissteigerung von 2,1 Prozent. Für 2024 sagt die EZB eine Inflationsrate von 1,9 Prozent im gemeinsamen Währungsraum voraus.

Die Notenbank strebt für den Währungsraum der 19 Euro-Länder eine jährliche Teuerungsrate von zwei Prozent an und ist zumindest zeitweise bereit, ein moderates Über- oder Unterschreiten dieser Marke zu akzeptieren.

US-Inflation so hoch wie seit 40 Jahren nicht mehr

Die Wirtschaft im Euroraum wird nach der neuesten EZB-Vorhersage in diesem Jahr um 3,7 Prozent zulegen. Im Jahr 2023 soll das Bruttoinlandsprodukt um 2,8 Prozent wachsen und ein Jahr später um 1,6 Prozent.

Unterdessen sind die Verbraucherpreise in den USA im Februar so kräftig gestiegen wie seit 40 Jahren nicht mehr. Waren und Dienstleistungen kosteten im Schnitt 7,9 Prozent mehr als im Vorjahresmonat, teilte das Arbeitsministerium mit. Das ist der höchste Wert seit Januar 1982. Wegen des starken Preisauftriebs und des zugleich brummenden Arbeitsmarkts steuert die US-Notenbank Fed auf eine Zinswende zu. Dies hat Notenbankchef Jerome Powell wiederholt signalisiert. An den Finanzmärkten wird für Mitte März mit einem ersten Schritt nach oben gerechnet, weitere Anhebungen dürften folgen.

hej/dpa-AFX/Reuters