"Krieg und Terror"-Risiko Deutsche Flugzeuge nicht mehr versichert?

Die Versicherungswirtschaft hat den deutschen Fluggesellschaften die Verträge für das Risiko "Krieg und Terroranschläge" gekündigt. Viele Maschinen könnten nun am Boden bleiben.


Eine Terrormaschine von New York: Schaden aus "Krieg und Terror" in Deutschland bald nicht mehr versichert?
AP

Eine Terrormaschine von New York: Schaden aus "Krieg und Terror" in Deutschland bald nicht mehr versichert?

Bonn - "Die Folge ist, dass ab Montag, spätestens am nächsten Donnerstag, wenn die letzten Verträge auslaufen, Luftfahrtunternehmen wegen des Risikos einer unzulänglichen Deckung den Betrieb einstellen müssten", sagte Detlef Winter, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft deutscher Luftfahrtunternehmen (ADL), am Donnerstagabend in Bonn. Ein Sprecher der Lufthansa in Frankfurt bestätigte die Kündigung der Versicherungsverträge.

Winter sagte, neue Verträge würden statt einer bisherigen Deckungssumme von einer Milliarde US-Dollar (2,11 Milliarden Mark/1,1 Milliarden Euro) nur noch mit 50 Millionen US-Dollar je Flugzeug abgeschlossen. Selbst bei einer Bereitschaft, die Prämienzahlungen deutlich anzuheben, seien die Versicherungen nicht bereit, die Deckungssumme zu erhöhen.

Die Versicherer hätten den Fluggesellschaften mitgeteilt, dass ein höheres Risiko als die angebotenen 50 Millionen US-Dollar derzeit nicht versicherbar sei, sagte Winter. Dafür gebe es derzeit keine Rückversicherer. "Das Zusatzrisiko einer so stark herabgesetzten Deckungssumme kann von den Fluggesellschaften nicht übernommen werden."

Eine kurzfristige privatwirtschaftliche Lösung sei derzeit nicht absehbar. "Als einziger Ausweg bleibt, dass der Staat für das Risiko Krieg und Terror die Staatshaftung erklärt." Komme es nicht rechtzeitig zu eine Lösung, dass die Flugzeuge nach einem formellen Beschluss der Bundesregierung in Staatspatronage übernommen werden, werde es von nächster Woche an große Probleme im Luftverkehr geben.

Ein Sprecher der Lufthansa sagte, sein Unternehmen reagiere "äußerst befremdet über das Verhalten der Versicherungen". Sie wollten Profit aus der derzeitigen Situation schlagen. Die Lufthansa habe das Problem aber im Griff und gehe davon aus, dass die Maschinen starten könnten. Details wollte er nicht nennen. Er bestätigte, dass es unterschiedliche Möglichkeiten gebe, über die die Lufthansa auch im direkten Gespräch mit der Bundesregierung sei. Die Gespräche würden aber nicht öffentlich geführt.



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