Kriegsgefahr Ölpreis rauf, Börsenkurse runter

Die drohende Kriegsgefahr im Irak macht auch den Weltbörsen mehr und mehr zu schaffen. Nur wenige Investoren versprechen sich von einer Invasion gute Geschäfte.


Könnte durch den Feldzuf der USA zum Erliegen kommen: Öl-Förderung im Irak
AFP

Könnte durch den Feldzuf der USA zum Erliegen kommen: Öl-Förderung im Irak

Washington/New York/Moskau - Durch schwächere Futures an der Wall Street belastet, hat der Dax gegen Mittag weiter verloren. Der Index fiel bis 12.20 Uhr um 2,4 Prozent auf 2843 Punkte. Am Neuen Markt fiel der Nemax 50 um rund sieben Prozent auf 337 Punkte. "Der Markt kann durchaus bis in den Bereich von rund 2700 Punkte fallen, besonders wenn die Wall Street weiter nachgibt", sagte Aktienhändler Chim Pries von der DZ Bank.

Zunehmend belastend für die Kurse wirkt sich der steigende Ölpreis aus. In New York erreichte der Preis für einen Barrel der Marke Brent mit 30,71 Dollar am Montag den höchsten Stand seit mehr als eineinhalb Jahren - allein seit vergangenem Freitag ist der Preis um 87 Cent gestiegen.

Die Märkte reagieren damit auf die Weigerung Iraks, eine verschärfte Resolution des UN-Sicherheitsrates zur Entwaffnung zuzulassen, sagte Lawrence Eagles vom Handelshaus GNI. Die USA und Großbritannien hätten aber klargestellt, dass Bedingungen aus Bagdad für die geplanten UN-Waffeninspektionen nicht hinnehmbar seien. Damit ergebe sich für Washington und London "ein Vorwand für eine Militäraktion".

Morgan Stanleys Stratege Robert Pelosky rechnet im Fall eines lang anhaltenden Konflikts damit, dass der Ölpreis noch stärker ansteigt. In der Folge werde die Konjunktur leiden, die Aktien fallen und die Preise für Anleihen steigen. Nur im Falle einer schnellen militärischen Lösung sieht Pelosky prophezeit der Experte ein positives Szenario: Der Ölpreis werde sinken, das Konsumentenvertrauen steigen. Am Aktienmarkt sei in diesem Szenario eine Rallye zu erwarten.

Hohe Kosten des Krieges

Hinzu komme der offene Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern, sagte Eagles. Die Angriffe auf das Hauptquartier von Palästinenserpräsident Jassir Arafat könnten die anti-westliche Stimmung unter der arabischen Bevölkerung verstärken.

Eine Studie des US-Kongresses trägt in diesem Zusammenhang nicht eben zur Verbesserung der Stimmung bei. In dieser Studie kommen Experten zu dem Ergebnis, dass ein US-Militäreinsatz zum Sturz des irakischen Staatschefs Saddam Hussein den US-Haushalt mit bis zu 200 Milliarden Dollar belasten könnte, falls die Verbündeten den geplanten Angriff auf Irak nicht unterstützen würden. Ein Irak-Feldzug käme die Amerikaner damit viel teurer zu stehen als der Golfkrieg, teilte der Leiter der Studie, demokratische Abgeordnete John Spratt am Montag (Ortszeit) in Washington mit.

Der US-Haushaltsausschuss hatte für die Untersuchung die gleichen Vorbedingungen des Golfkriegs 1991 zu Grunde gelegt. Damals konnten die US-Streitkräfte Militärbasen im Nahen Osten und der Türkei nutzen und Irak verzichtete auf den Einsatz von Massenvernichtungswaffen. Der damalige Krieg zur Befreiung Kuwaits kostete die USA 79,9 Milliarden Dollar.

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