Krise im US-Automarkt Gigantischer Verlust bei General Motors, Gewinnwarnung bei BMW

Dramatische Rückschläge für Autohersteller in den USA: General Motors hat im zweiten Quartal 15,5 Milliarden Dollar Verlust eingefahren - schlimmer als erwartet. Auch BMW und Nissan erlitten schwere Einbußen, der Aktienkurs des bayerischen Konzerns stürzt ab.


Detroit - Die Autoindustrie steckt weltweit in der Krise. Gleich drei der großen Autobauer meldeten heute dramatisch schlechte Quartalszahlen. US-Marktführer General Motors etwa: Im Vorjahr hatte der Konzern noch einen Gewinn von 891 Millionen Dollar erzielt - jetzt machte er in drei Monaten einen Verlust von 15,5 Milliarden Dollar. Das ist der drittgrößte Quartalsverlust in der Geschichte von GM.

Unverkaufter General-Motors-Wagen: Massiver Arbeitsplatzabbau
AP

Unverkaufter General-Motors-Wagen: Massiver Arbeitsplatzabbau

Der Umsatz brach um 18 Prozent auf 38,2 Milliarden Dollar ein. Die Hauptgründe: Das schleppende Nordamerikageschäft sowie die Kosten für den Abbau von Arbeitsplätzen.

Der Konzern baut derzeit wie seine US-Wettbewerber Ford und Chrysler massiv Stellen ab. Die Produktion wird von schweren Geländewagen auf sparsamere kleinere Autos umgestellt. So will der Konzern aus der Dauerkrise kommen: US-Bürger legen wegen der gestiegenen Spritpreise inzwischen deutlich weniger Meilen mit dem Auto zurück

In den vergangenen drei Jahren hatte er besonders wegen des schwachen US-Marktes insgesamt bereits Verluste von über 50 Milliarden Dollar eingefahren. Im ersten Quartal dieses Jahres kamen weitere 3,3 Milliarden hinzu. Die deutsche Tochter Opel hatte es 2007 zum zweiten Mal in Folge in die schwarzen Zahlen geschafft.

BMW-Aktienkurs stürzt ab

Die Probleme auf dem US-Markt sind auch ein Hauptgrund für die massiven Probleme von BMW. Der Münchner Autobauer hatte heute ebenfalls mit dramatisch schlechten Quartalszahlen aufgewartet - und die Anleger zusätzlich noch mit einer Gewinnwarnung geschockt.

Insgesamt schrumpfte der Vorsteuergewinn des Unternehmens im Vergleich zum Vorjahreszeitraum im abgelaufenen Quartal um 44 Prozent auf 602 Millionen Euro. Der Umsatz sank um 0,9 Prozent auf 14,6 Milliarden Euro. Die Ergebnisprognose von 3,78 Milliarden Euro nahm der Autobauer deshalb zurück. Man rechne jetzt nur noch mit einer Umsatzrendite vor Steuern von vier Prozent, teilte das Unternehmen mit. Experten berechneten aus der Vorgabe ein neues Gesamtziel von 2,3 Milliarden Euro. Der Aktienkurs rauschte daraufhin nach unten - zwischenzeitlich um über zehn Prozent.

BMW habe in den USA Probleme, für zurückkommende Leasing-Wagen die ursprünglich eingeplanten Preise zu erzielen, erklärte der Autobauer die Gewinnwarnung unter anderem. Alleine die erhöhte Risikovorsorge für Kreditausfälle und sinkende Autopreise am US-Markt hätten im zweiten Quartal mit 459 Millionen Euro zu Buche geschlagen. Auch die steigenden Öl- und Rohstoffpreise machen dem Konzern zu schaffen.

Nissan-Gewinn bricht um über 40 Prozent ein

Krisenkandidat Nummer drei am Freitag: Nissan. Der Betriebsgewinn des japanischen Autobauers ist im ersten Geschäftsquartal um 46 Prozent eingebrochen. Und auch Nissan leidet vor allem an den Absatzproblemen in den USA, dem größten Markt des von Renault Chart zeigen kontrollierten Unternehmens.

Von April bis Juni erwirtschaftete Japans drittgrößter Autobauer operativ 79,95 Milliarden Yen (474 Millionen Euro), während Analysten im Schnitt 101,9 Milliarden Yen geschätzt hatten. Der Nettogewinn fiel um 43 Prozent auf 52,8 Milliarden Yen, der Umsatz um 4,1 Prozent auf 2,347 Billionen Yen.

Konzernchef Carlos Ghosn hatte vergangene Woche einen Absatz von knapp 14,3 Millionen Fahrzeugen für das laufende Jahr vorausgesagt. Dies wäre die geringste Zahl seit mehr als einem Jahrzehnt. Im ersten Quartal verkaufte Nissan indes 6,9 Prozent mehr Fahrzeuge. Insgesamt kämpft das Unternehmen aber ebenso wie viele Konkurrenten mit der sinkenden Nachfrage nach Spritfressern.

Im Gegensatz zu BMW allerdings bestätigte der Konzern am Freitag seinen Jahresausblick, der allerdings ohnehin vom niedrigsten Betriebsergebnis seit sieben Jahren ausgeht. Für das bis Ende März laufende Geschäftsjahr 2009 bestätigte der Autobauer seine Prognose von 550 Milliarden Yen Betriebsgewinn und 340 Milliarden Nettoergebnis - beides Rückgänge um 30 Prozent zum Vorjahr. Seit Jahresbeginn hat die Aktie des Unternehmens 32 Prozent abgegeben. Am Freitag verlor sie 1,4 Prozent.

ase/kaz/AP/dpa/Reuters



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