Kriselnder Autobauer Betriebsräte arbeiten an eigenem Notfall-Rettungsplan für Opel

Die Bundesregierung will binnen einer Woche die Opel-Rettungskonzepte von Fiat, Magna und einem US-Finanzinvestor prüfen - die Betriebsräte machen schon mal Druck. Sie kündigen an, notfalls mit den Händlern der Marke selbst ein Übernahmeangebot vorzulegen, "wenn alle Stricke reißen".

Berlin - Jetzt liegen die Karten auf dem Tisch: Der italienische Autobauer Fiat  , der kanadisch-österreichische Zulieferer Magna   sowie der US-Finanzinvestor Ripplewood über seine Europatochter RHJ International bieten für Opel. Bis Ende kommender Woche will die Bundesregierung die Angebote prüfen und Klarheit schaffen - doch der Betriebsrat bringt nun noch eine ganz andere Notlösung ins Gespräch, falls die Offerten als untauglich verworfen werden sollten.

Opel-Betriebsratschef Franz (im März): Eigener 1,5-Milliarden-Euro-Plan

Opel-Betriebsratschef Franz (im März): Eigener 1,5-Milliarden-Euro-Plan

Foto: DDP

"Wenn alle Stricke reißen, würden die Arbeitnehmer und die Händler von Opel eine gemeinsame Offerte vorlegen", sagte Opel-Betriebsratschef Klaus Franz der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Eine Milliarde Euro für ein solches Angebot könne durch einen Lohnverzicht der Beschäftigten aufgebracht werden und weitere 500 Millionen Euro durch den Rettungsfonds, den die rund 4000 Opel-Händler schon beschlossen haben.

Franz habe den Plan schon mit Rechtsanwälten und Wirtschaftsprüfern vorbereitet, schreibt die Zeitung unter Berufung auf den Betriebsratsschef. Mit den insgesamt 1,5 Milliarden Euro sei aber keine Mehrheitsübernahme durch die Arbeitnehmer geplant. Vielmehr solle in diesem Notfallplan die Mehrheit des jetzigen Mutterkonzerns GM auch im Aufsichtsrat erhalten bleiben.

Der Notfallplan verstärkt den Druck auf Fiat, Magna und RHJ, ihre Übernahmekonzepte mit den Betriebsräten zu erörtern. "Wir haben die Investoren für Anfang kommender Woche nach Rüsselsheim eingeladen, damit sie uns ihre Konzepte im Detail erläutern können", sagte Franz der Zeitung. Magna habe dies bereits zugesagt, von Fiat gebe es noch keine Antwort.

Die Bundesregierung ihrerseits will die Konzepte der drei potentiellen Investoren jetzt rasch überprüfen. Regierungsvertreter sagten am Mittwochabend, die Opel-Task-Force sitze schon zusammen. Auch an Christi Himmelfahrt werde mit Hochdruck weitergearbeitet. "Diese und die nächste Woche werden entscheidend sein", sagte ein Insider.

Einen Favoriten habe die Bundesregierung nicht, sagte der Sprecher von Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU). Die Grundsatzentscheidung werde aber ohnehin allein vom Mutterkonzern GM getroffen. Die Bundesregierung sei nur insofern gefragt, als es um staatliche Hilfen für Opel unter neuer Regie gehe. Gebe es allerdings keinen Investor mit tragfähigem Konzept, drohe Opel die Insolvenz.

Vizekanzler Frank-Walter Steinmeier formulierte dagegen deutlich Kriterien für den Investor, der den Zuschlag bekommen soll. Der Erhalt der vier deutschen Opel-Standorte und möglichst vieler Stellen sei ein entscheidendes Kriterium: "Unsere Sympathie hat der, der die vier Opel-Standorte und die größtmögliche Zahl von Arbeitsplätzen glaubwürdig garantiert", sagte der Außenminister und SPD-Spitzenkandidat dem "General-Anzeiger". Es sei darum gegangen, strategische Investoren zu interessieren. Das sei gelungen, "jetzt können wir in die Bewertung eintreten", sagte Steinmeier. Es gebe "ganz klar" eine Chance für den Erhalt der deutschen Standorte Rüsselsheim, Bochum, Kaiserslautern und Eisenach.

Regierungssprecher Ulrich Wilhelm sagte, die Runde der zuständigen Minister werde sich in dieser Woche erneut treffen, um die Konzepte zu erörtern. Eine Verhandlungsdelegation stehe weiterhin bereit, kurzfristig nach Washington zu reisen, um eine Herauslösung von Opel auszuloten. In einem ersten wichtigen Schritt hätten sich Bund, Länder mit Opel-Standorten und staatliche Banken am Dienstagabend auf eine Brückenfinanzierung verständigt, die Opel in der derzeitigen unübersichtlichen Lage Zeit für weitere Verhandlungen mit Investoren verschaffen solle.

Als erster Interessent hatte Fiat sein Übernahmekonzept eingereicht. Der italienische Hersteller habe eine Offerte für die europäischen General-Motors-Töchter Opel und Vauxhall abgegeben, sagte ein Fiat-Sprecher am Mittwochabend. Sollte die Übernahme zustande kommen, würde ein neuer Konzern gebildet, der die Fiat-Aktivitäten einschließlich ihrer Beteiligung am US-Hersteller Chrysler sowie Opel umfassen würde, berichtet die Zeitung "La Repubblica". Demnach will Fiat "neue Motoren, gemeinsame Plattformen, Technologie und sein Händlernetz in Lateinamerika und Asien, wo Opel nicht präsent sei, einbringen.

Auch der österreichisch-kanadische Zulieferer Magna hat ein Konzept eingereicht. Wie die "Rheinische Post" unter Berufung auf Unternehmenskreise berichtet, hat der Zuliefererkonzern zusammen mit dem russischen Autobauer Gaz ein Übernahmekonzept vorgelegt. Magna will mit Gaz und finanzieller Unterstützung der russischen Bank Sberbank die Mehrheit an Opel übernehmen. Magna gab dazu zunächst keinen Kommentar ab.

Über das Konzept des US-Finanzinvestors Ripplewood wurde zunächst nichts bekannt. Die Bundesregierung bevorzugt jedoch einen Investor, der möglichst selbst in der Automobilbranche tätig ist. Deshalb werden Ripplewood und seiner europäischen Tochter RHJ International wenig Chancen eingeräumt.

suc/plö/dpa/AP/Reuters/AFP