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26. Juli 2008, 17:54 Uhr

Kriselnder Billigflieger

Air Berlin erhöht die Preise

Durch den hohen Ölpreis sieht sich Air Berlin zum Sparen gezwungen - und zu teureren Tickets: Um nicht in die Verlustzone zu rutschen, will die Linie die Preise erhöhen und notfalls Jobs streichen.

Frankfurt am Main - Kerosin wird immer teurer, Fliegen auch - sogar im Billigsegment: Um 2008 nicht in die Verlustzone zu rutschen, will Air Berlin die Preise anheben. Vor allem Geschäftsreisende müssten sich darauf einstellen, für Flüge künftig mehr zu zahlen, sagte Vorstandschef Joachim Hunold der "Wirtschaftswoche" in einem Interview.

Air-Berlin-Flugzeuge in München: Preissteigerungen und notfalls Stellenstreichungen
DDP

Air-Berlin-Flugzeuge in München: Preissteigerungen und notfalls Stellenstreichungen

Im Geschäft mit Reiseveranstaltern habe die Fluggesellschaft Preissteigerungen von elf Prozent durchgesetzt und vereinbart, höhere Ölpreise an Neukunden weiterreichen zu können. "Wenn der Kerosinpreis weiter steigen sollte, werden sich Preissteigerungen nicht vermeiden lassen", sagte Finanzchef Ulf Hüttmeyer dem "Tagespiegel am Sonntag".

Durch die Verdoppelung des Ölpreises innerhalb eines Jahres stößt die Billigfliegerbranche an ihre Grenzen. Bei Anbietern wie Air Berlin machen Kerosinkosten teils 50 Prozent des Flugpreises aus.

Erst vor kurzem hatte Air Berlin beschlossen, 14 ältere Lang- und Mittelstreckenflugzeuge aus dem Verkehr zu ziehen und die Kapazitäten zu reduzieren, um dem Ölpreisanstieg zu begegnen. Hunold bezifferte das "Verbesserungspotential" durch das bestehende Effizienzprogramm auf mehr als 150 Millionen Euro im Jahr. "Fast 35 Millionen Euro realisieren wir schon in diesem Jahr", sagte er.

Weitere Sparmaßnahmen würden folgen: "Die 14 Jets sind unter Umständen nur ein Anfang", sagte Hunold. Auch ein Abbau von Arbeitsplätzen sei denkbar. "In der heutigen Zeit ist das nie ausgeschlossen", sagte der Air-Berlin-Chef.

Mit Hilfe der Einsparungen will Air Berlin rote Zahlen aus dem laufenden Geschäft vermeiden. "Mit dem Effizienzprogramm und bei der Nachfrage auf dem jetzigen Niveau sehen wir nach wie vor ein positives operatives Ergebnis am Ende des Jahres", sagte Hunold. "Die Buchungsvorläufe und zusätzlichen Preissteigerungen unterstützen absolut unsere Prognose." Air Berlin hatte die Gewinnprognosen mehrfach gesenkt und sich zuletzt nur noch auf operativ schwarze Zahlen festgelegt.

Nach dem Scheitern einer Übernahme von Condor loten Hunold und Condor-Eigentümer Thomas Cook andere Möglichkeiten einer Zusammenarbeit aus. "Wir sind ja ohnehin schon natürliche Partner, weil wir im Chartergeschäft für Thomas Cook fliegen. Wir stehen da aber erst am Anfang der Gespräche."

Zudem suche sein Unternehmen Kooperationspartner in Osteuropa. Verhandelt werde bereits über die gemeinsame Nutzung von Flugnummern (Code Sharing). Eine Übernahme von Air Berlin ist für Hunold nicht in Sicht. "In unserem Fall gibt es derzeit keinerlei Anzeichen." Ein mögliches Interesse von Emirates oder Singapore Airlines hatte zeitweise die Fantasie der Air-Berlin-Anleger beflügelt.

ssu/Reuters

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