Kriselnder Chiphersteller Sachsen erwägt Qimonda-Rettung

Der angeschlagene Chiphersteller Qimonda kann auf eine halbe Milliarde Euro Staatsgarantien hoffen. Der sächsische Wirtschaftsminister hat bereits seine Unterstützung signalisiert. Die Infineon-Tochter teilte mit, Fortschritte bei Gesprächen mit Investoren zu machen.


Düsseldorf - Es wäre eine Rettung kurz vor dem Aus: Der Freistaat Sachsen könnte dem schwer angeschlagenen Speicherchiphersteller Qimonda bald beispringen. Für den Wirtschaftsminister des Landes, Thomas Jurk (SPD), gibt es nach Angaben des "Handelsblatts" keine Alternative zu staatlicher Hilfe. Schließlich sei Dresden "der letzte europäische Standort für Mikroelektronik", sagte Jurk.

Protestierende Qimonda-Mitarbeiter: Stellenabbau nach Riesenverlusten
AP

Protestierende Qimonda-Mitarbeiter: Stellenabbau nach Riesenverlusten

Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa wünscht Qimonda eine Bürgschaft von Bund und Land in Höhe von 500 Millionen Euro. Entsprechende Verhandlungen mit den Regierungen laufen. Am Montag teilte das Unternehmen zudem mit, Fortschritte bei Gesprächen mit Investoren zu machen. Der Vorstand gehe davon aus, dass sich die Verhandlungen konkretisieren und in den kommenden Wochen Ergebnisse veröffentlicht werden.

Die auf dem Frankfurter Parkett gehandelten Qimonda-Aktien schossen in der Folge zeitweise 27 Prozent in die Höhe, kosten aber immer noch nur 20 Cent. Auch Infineon-Papiere stiegen leicht.

Aufgrund der laufenden Verhandlungen verschob Qimonda die Veröffentlichung seiner Geschäftszahlen, die ursprünglich für den späten Montagabend geplant war. Eine "sich abzeichnende Transaktion" hätte Rückwirkungen auf die finanzielle Lage des Unternehmens, hieß es zur Begründung.

Der Umsatz habe im vergangenen Geschäftsquartal nach bisherigen Berechnungen mit 476 Millionen Euro ein Viertel über dem Wert des Vorquartals gelegen, hieß es. Der Verlust werde allerdings den Fehlbetrag von 401 Millionen Euro des vorangegangenen Vierteljahres übersteigen. Grund sind hohe Abschreibungen infolge des Verkaufs des Anteils am Auftragsfertiger Inotera und die laufende Sanierung.

Qimonda droht nach eigenen Angaben die Insolvenz. Die Preise für Speicherchips sind wegen eines Überangebots drastisch gesunken. Qimonda schreibt seit mehreren Quartalen rote Zahlen und will zahlreiche Stellen abbauen.

Sollte kein neuer Investor gefunden werden und sich das Umfeld in der Branche weiter verschlechtern, könne es Anfang nächsten Jahres zu "Liquiditätsengpässen" kommen, teilte der Chiphersteller am Montag in München mit. Diese könnten sich "auf die Fähigkeit des Unternehmens auswirken, sein Geschäft weiterzubetreiben".

Mutterkonzern Infineon will sich angesichts der dramatischen Lage schon lange von der Tochter trennen, hat bisher aber keinen Käufer gefunden. Notfalls soll der 77,5-Prozent-Anteil bis zum Frühjahr durch Verschenken an die Aktionäre auf unter 50 Prozent gesenkt werden. Dann müsste Infineon den Speicherchiphersteller nicht mehr in seiner Bilanz konsolidieren.

Sollte Qimonda einen Retter finden, müssen dessen Hilfen noch von der EU-Kommission darauf geprüft werden, ob sie eventuell den europäischen Wettbewerb verzerren. Jurk hofft, dass "die EU aufgeschlossen ist". Für eine schnelle und positive Prüfung sieht er aber gute Chancen: "Es gibt keine Wettbewerber in Europa, die dadurch geschädigt werden könnten." Schließlich gehe es um die "Grundfrage, ob Europa bei der Mikroelektronik mit dabei sein will oder die Branche abgeschrieben wird."

ssu/AFP/dpa-AFX/Reuters



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