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17. April 2009, 08:58 Uhr

Krisenbank

BaFin genehmigt HRE-Übernahme

Jetzt müssen die Anteilseigner der angeschlagenen Hypo Real Estate entscheiden: Die Finanzmarktaufsicht hat die Übernahme des angeschlagenen Immobilienfinanzierers durch den Bund abgenickt. Die Offerte läuft nun bis Anfang Mai.

Berlin - Die Bundesregierung macht Druck in Sachen Hypo Real Estate (HRE) : Der Staat hat allen Aktionären des angeschlagenen Immobilienfinanzierers ein Übernahmeangebot zum Preis von 1,39 Euro pro Aktie unterbreitet. Das teilte der Finanzmarktstabilisierungsfonds Soffin am Freitag mit.

HRE-Logo: Angebotsfrist bis Anfang Mai
DPA

HRE-Logo: Angebotsfrist bis Anfang Mai

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) habe die Angebotsunterlagen für das freiwillige öffentliche Übernahmeangebot der Bundesrepublik Deutschland an alle Aktionäre der Hypo Real Estate Holding AG am Vortag genehmigt, hieß es in der Mitteilung.

Die Offerte beinhalte eine Prämie von rund zehn Prozent auf den gesetzlichen Mindestpreis von 1,26 Euro. Die Annahmefrist beginnt am Freitag und endet am 4. Mai 2009. Angestrebt wird der Erwerb von 100 Prozent der Anteile, eine Mindestannahmeschwelle existiert nicht.

Hintergrund des Übernahmeangebots ist der drohende Zusammenbruch der Bank. "Eine Insolvenz der HRE hätte substantielle, kaum abschätzbare Auswirkungen auf die nationalen und internationalen Finanzmärkte", hatte der Soffin den Einstieg bei der HRE begründet. Ein weiteres Ziel ist die Sicherung der schon gewährten staatlichen und privaten Hilfen von 102 Milliarden Euro. Ohne diese Garantien wäre die HRE längst zusammengebrochen.

Die verkürzte Frist bis Anfang Mai wird durch eine Sonderregelung des Bankenübernahmegesetzes ermöglicht, auf dessen Grundlage der Staat die HRE übernehmen will. Sollten die Aktionäre in den kommenden zwei Wochen nun nicht auf das Angebot eingehen, behält sich Regierung in einem weiteren Schritt eine Enteignung vor. Fraglich ist insbesondere, ob der US-Finanzinvestor J.C. Flowers, der 21,7 Prozent an der Bank kontrolliert, sich auf einen Verkauf einlässt.

Im Zusammenhang mit der angestrebten Verstaatlichung hat die Bundesregierung bereits für insgesamt 60 Millionen Euro neue HRE-Aktien erworben und hält derzeit 8,65 Prozent des Kapitals der Bank. Der Sprecher des Soffin-Lenkungsausschusses, Hannes Rehm, bezeichnete das Angebot vor dem Hintergrund der Lage der Bank als "attraktiv". Nur mit der vollständigen Kontrolle der HRE könnten die "für die Stabilität des Finanzmarktes erforderlichen Maßnahmen rechtssicher, nachhaltig, kosteneffizient und zeitnah umgesetzt werden".

suc/dpa

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