Krisenbank Bund sichert sich rund 45 Prozent der HRE

Die Übernahme der angeschlagenen Hypo Real Estate durch den Staat rückt näher: Nach aktuellem Stand hält der Bund 45 Prozent an dem angeschlagenen Finanzkonzern. Damit könnte eine Enteignung der Aktionäre entfallen.


Berlin - Der Bund hat sich mit seinem Übernahmeangebot für die Hypo Real Estate (HRE) Chart zeigen bislang rund 45 Prozent an dem angeschlagenen Immobilienfinanzierer gesichert. Eine mit der Auswertung der Ergebnisse vertraute Person sagte der Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch, der Anteil werde wohl am Ende noch höher liegen. Mit einem endgültigen Ergebnis sei am Abend zu rechnen.

HRE-Logo: Bund hält 45 Prozent
DPA

HRE-Logo: Bund hält 45 Prozent

Damit kommt die Regierung ihrem Ziel einer vollständigen Übernahme des Finanzkonzerns ein deutliches Stück näher. Der Bund hatte sich mit dem Kaufangebot an die HRE-Aktionäre zwar einen Anteil von mindestens 50 Prozent erhofft, um problemlos auf einer Hauptversammlung Anfang Juni eine milliardenschwere Kapitalerhöhung durchsetzen. Auf diese Weise sollen die restlichen Aktionäre dann per Zwangsabfindung herausgedrängt werden.

Aber auch mit einem HRE-Anteil von weniger als 50 Prozent kann der sogenannte Squeeze-out gelingen: Für Kapitalmaßnahmen reicht bei dem Aktionärstreffen die Mehrheit des anwesenden Kapitals aus. Dies gilt als wahrscheinlich, da die Präsenz auf Hauptversammlungen eher niedrig ist und selten alle Aktionäre erscheinen. Auch der staatliche Bankenrettungsfonds Soffin hatte sich zuletzt zuversichtlich gezeigt, dass eine Enteignung nicht nötig wird.

Die umstrittene Enteignung der Anteilseigner könnte somit vermieden werden. Eine andere Person, die mit dem Thema vertraut ist, ergänzte: "Wir gehen damit davon aus, dass wir nicht mehr über den Weg einer Enteignung gehen müssen." Auch der Soffin hatte sich zuletzt zuversichtlich gezeigt, dass Zwangsmaßnahmen gegen die Aktionäre nicht nötig werden.

Die Frist für das staatliche Übernahmeangebot von 1,39 Euro je Aktie war am vergangenen Montag um Mitternacht ausgelaufen. Die endgültige Quote will der Soffin an diesem Donnerstag bekanntgeben.

Nach der Meldung über den Bundesanteil haben die Aktien der Hypo Real Estate am Mittwochmittag zeitweise über 50 Prozent auf 2,12 Euro zugelegt. Börsianer konnten sich diese Kursreaktion nicht erklären. "Worauf spekulieren die Leute eigentlich", fragte einer von ihnen. "Auf ein höheres Angebot etwa? Das wird nicht kommen. Schließlich hat der Bund eigens ein Gesetz verabschiedet, um die Bank notfalls enteignen zu können."

ore/dpa/Reuters



insgesamt 598 Beiträge
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Seite 1
sponcat 17.02.2009
1.
Ich bin mal morgen auf die Börse gespannt. Wahrscheinlich werden sich die Aktionäre selbst "enteignen", indem sie diese Schrottpapiere verkaufen...
forumgehts? 17.02.2009
2.
Zitat von sysopDie Regierung hat sich auf ein Gesetz geeinigt, mit dem als letztes Mittel die Aktionäre angeschlagener Banken enteignet werden dürfen. Was denken Sie - sind solche Eingriffe des Staates in Notsituationen zulässig?
In diesem speziellen Fall wollen wir doch erst mal abwarten, wer am längeren Hebel sitzt - die Aktionäre oder der Staat. Es wäre auch denkbar, dass man auf die Formulierung "Enteignung" nur verfallen ist, um dem gemeinen Volk zu verbergen, dass man ihm eine gewaltige Schweinerei unterjubelt.
Cisco, 17.02.2009
3.
Zitat von sysopDie Regierung hat sich auf ein Gesetz geeinigt, mit dem als letztes Mittel die Aktionäre angeschlagener Banken enteignet werden dürfen. Was denken Sie - sind solche Eingriffe des Staates in Notsituationen zulässig?
Ja, wenn der Staat schon Steuermilliarden hinein pumpt, dann soll der Staat und damit der Steuerzahler auch etwas davon haben. Zumindest verhindert eine Enteignung, dass das Ding (ich schreibe bewusst nicht Bank) völlig den Bach runtergeht und die schönen Steuermilliarden mit.
newright 17.02.2009
4. Die Frage ist
Die Frage ist was tun. Der Staat hat sich bei der HRE dermaßen tief in die Bredouille gebracht, dass es evtl. keine adäquate andere Lösung gibt. Bisher hat der Staat "nur" Garantien gebracht in Höhe von: "Die Krisenbank wird mit Bürgschaften über 102 Milliarden künstlich am Leben gehalten, davon kommen 87 Milliarden Euro aus Steuergeldern." D.H der Staat müsste auf einen Schlag 87 Milliarden Euro an neuen Staatsanleihen herausgeben um diese Last zu schultern. Woher könnte der Staat plötzlich 87 Milliarden kriegen? Wie es aussieht wird der Staat also weiterhin seine Garantien erhöhen um die Garantien nicht bedienen zu müssen. Wenn er die Garantien doch irgendwann bedienen muss wird es knapper als es jetzt schon ist. Das Signal an die Aktionäre und an andere Länder die als Aktionäre auftreten ist glasklar. Deutschland hat immense Refinanzierungsprobleme und schreckt nicht davor zurück Menschen zu enteignen. Gibt es noch eine Wahl? Warum die HRE besser funktionieren sollte wenn sie verstaatlicht wird ist mir allerdings schleierhaft.
shivamoon 17.02.2009
5.
Zitat von sysopDie Regierung hat sich auf ein Gesetz geeinigt, mit dem als letztes Mittel die Aktionäre angeschlagener Banken enteignet werden dürfen. Was denken Sie - sind solche Eingriffe des Staates in Notsituationen zulässig?
Diese Maßnahme wird veheerende Wirkung auf die Investitionsbereitschaft in Deutschland haben.
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