Krisenbank HRE-Investor Flowers nennt Preis für seine Aktien

In die Übernahme der Krisenbank Hypo Real Estate durch den Staat kommt Bewegung. Großaktionär Christopher Flowers würde seine Anteile an die Bundesregierung abgeben - zum doppelten Börsenpreis.


Berlin/Frankfurt am Main - US-Finanzinvestor Christopher Flowers bietet dem Bund seine Aktien an der angeschlagenen Hypo Real Estate (HRE) an, allerdings nur gegen eine Entschädigung. Diese solle sich nach dem Kurs richten, der in den zwei Wochen vor dem Aufkommen der Verstaatlichungsgerüchte am 8. Januar galt, sagte Flowers der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" ("FAZ"). Man spreche über knapp drei Euro pro Aktie.

HRE-Aktionär Flowers: Man spreche über knapp drei Euro pro Aktie
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HRE-Aktionär Flowers: Man spreche über knapp drei Euro pro Aktie

Am Donnerstagabend notierten Papiere des Immobilienfinanzierers bei gut 1,60 Euro. Flowers zahlte bei seinem Einstieg 22,50 Euro für die HRE-Aktien und hält heute 24 Prozent der Anteile. Der Investor will die Beteiligung aber nicht um jeden Preis verkaufen. "Unsere Präferenz ist, unser Engagement bei der Hypo Real Estate weiterzuführen", sagte er der "FAZ". Beim Bundesfinanzministerium war am Donnerstagabend keine Stellungnahme zu bekommen.

Zuvor hatte Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) erklärt, dass die Bundesregierung nicht bereit sei, Flowers bei einem möglichen Ausstieg finanziell entgegenzukommen. Flowers "wird Preisvorstellungen haben, die weit über das hinausgehen, was in einem Enteignungsverfahren zu zahlen wäre, gemessen an dem aktuellen Kurs", sagte Steinbrück im WDR.

Im Falle einer Enteignung der HRE-Altaktionäre würde die Entschädigung unter Zugrundelegung des durchschnittlichen Börsenkurses der vergangenen 14 Tage auf eine Summe von "rund 270 Millionen Euro" hinauslaufen, sagte Steinbrück.

Der Großaktionär und die Bundesregierung ringen seit Wochen um eine Einigung. Weil der Bund immer neue Milliardengarantien für die Bank geben muss, will die Regierung die volle Kontrolle. Ohne die Staatshilfen wäre die Hypo Real Estate längst zusammengebrochen.

Auch um Interessen der Steuerzahler zu wahren, dringt der Bund auf eine Kontrollmehrheit von 75 Prozent und einer Aktie, beziehungsweise 95 Prozent. Im April dürfte die HRE dem Staat gehören. Am Mittwoch hatte die Regierung das umstrittene Rettungsübernahmegesetz auf den Weg gebracht, mit dem erstmals in der bundesdeutschen Geschichte Banken notfalls verstaatlicht und deren Eigentümer enteignet werden können.

Spekulation über weitere Finanzhilfen

Laut Steinbrück ist der Kapitalbedarf der HRE "exorbitant hoch". Der Immobilien- und Staatsfinanzierer läuft Gefahr, dass die Kernkapitalquote nur noch etwa vier Prozent beträgt. Dann müsste die Finanzaufsicht BaFin nach Ansicht von Finanzpolitikern in Berlin die Bank schließen. Dies will der Bund verhindern. Von den Instituten werden in der Krise höhere Kernkapitalquoten von etwa zehn oder mehr Prozent angestrebt.

Bereits seit längerem wird über weitere Finanzspritze für den taumelnden Geldkonzern spekuliert. Nach Angaben der "FAZ" könnte eine Aufstockung der staatlichen Garantiesumme um bis zu 20 Milliarden Euro nötig sein. Die HRE hat schon 102 Milliarden Euro an Garantien und Kapital erhalten. Ein HRE-Sprecher sagte, man wolle Marktspekulationen nicht kommentieren. Ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums erklärte auf Anfrage: "Es ist nicht an uns, so etwas zu beziffern."

Die Turbulenzen um die HRE könnten jetzt auch ein politisches Nachspiel haben. Die Linkspartei strebt zur Klärung angeblicher Ungereimtheiten bei der Übernahme von Bundesbürgschaften einen Untersuchungsausschuss im Bundestag an.

Linke fordert Untersuchungsausschuss

Fraktions- und Parteichef Oskar Lafontaine äußerte am Donnerstag den Verdacht, dass der Bund eine Frist für Haftungsansprüche gegen die Alteigentümer der HRE zum Nachteil des Steuerzahlers versäumt habe. Damit sei die private HypoVereinsbank, die zum UniCredit-Konzern zählt, geschont worden. Lafontaine forderte FDP und Grüne auf, die Initiative seiner Fraktion zu unterstützten.

Die FDP sieht dazu derzeit allerdings keinen Anlass. Finanzpolitiker Volker Wissing verwies auf eine parlamentarische Anfrage, die er auf den Weg gebracht habe. Er bemängelte aber: "Es sind noch Fragen über Fragen offen." Finanzminister Steinbrück warf er vor, Sachverhalte zu vertuschen und zu verschweigen.

Auch die Grünen reagierten zurückhaltend auf den Linken-Vorstoß. "Der Untersuchungsausschuss ist das schärfste parlamentarische Schwert, das zückt man erst, wenn andere Abhilfe nicht mehr möglich ist", sagte ein Fraktionssprecher. Das ändere nichts daran, dass die Vorgänge um die HRE lückenlos aufgeklärt werden müssten. Das Finanzministerium hat die Vorwürfe bereits vor Wochen als abwegig zurückgewiesen.

suc/dpa/AP/Reuters/ddp



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