Krisenbank Hypo Real Estate fleht um Staatsbeteiligung

Dringender Appell vom Chef der Hypo Real Estate: Axel Wieandt sieht für die sieche Immobilienbank keine Überlebenschance - und drängt nun auf eine schnelle Staatsbeteiligung. Ohne diese drohe ein ähnliches Bankenbeben wie nach des Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers.


München - Axel Wieandt bittet offen um Hilfe: Der Chef der Hypo Real Estate (HRE) fordert in der "Süddeutschen Zeitung" einen schnellen Staatseinstieg bei dem angeschlagenen Immobilienfinanzierer.

HRE-Chef Wieandt: "Hohe Risiken für das Finanzsystem"
Hypo Real Estate

HRE-Chef Wieandt: "Hohe Risiken für das Finanzsystem"

"Die Hypo Real Estate hat nur mit Unterstützung des Bundes eine positive Zukunft", sagte Wieandt. "Wir haben immer gesagt, dass Eigenkapitalhilfen nötig sind, um die Fortführung der Bank zu ermöglichen."

Wieandt warnte zugleich davor, die Hypo Real Estate fallenzulassen: "Ein Zusammenbruch unserer Bank birgt hohe Risiken für andere Elemente des Finanzsystems. Die Eskalation der Finanzkrise nach dem Fall von Lehman hat gezeigt, welche Auswirkungen Kettenreaktionen an den Märkten haben können." Die Insolvenz der US-Investmentbank wird von vielen Experten als Grund dafür gesehen, dass die Finanzkrise Mitte September 2008 mit voller Wucht ausbrach.

Wieandt verwies auch darauf, dass die Bilanzsumme der Hypo Real Estate mit 400 Milliarden Euro ähnlich hoch sei wie die der amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers. Für die Hypo Real Estate sei es derzeit nur schwer möglich, neue Kredite von privaten Kapitalgebern zu bekommen: "Für uns ist es im Moment sehr schwierig, uns an den Finanzmärkten zu refinanzieren", sagte der HRE-Chef. "Wenn der Bund einsteigt, wäre dies das Vertrauenssignal, auf das die Märkte warten. Dann sind wieder ganz andere Kredite an uns möglich."

Im Falle eines Einstiegs des Bundes sei der Vorstand der HRE zur Absenkung des Gehalts auf 500.000 Euro bereit: "Der Vorstand würde das natürlich akzeptieren und die Gehälter, wo erforderlich, auf das notwendige Niveau senken."

Bonuszahlungen an Mitarbeiter schließt Wieandt auch nach einem größeren Engagement des Bundes nicht aus. "Die Vergütung der Mitarbeiter hat sich auch an der wirtschaftlichen Lage der Bank zu orientieren. Allerdings müssen wir in einigen Bereichen beste Spezialisten beschäftigen - und da müssen wir im Interesse der Bank flexibel sein", sagte er der Online-Ausgabe der "Bild"-Zeitung.

Die Bank erwäge zudem, sich umzubenennen, sagte Wieandt der "SZ". "Wir prüfen diese Frage, und es gibt erste Überlegungen in diese Richtung. Aber im Vordergrund steht jetzt nicht die Verpackung. Wir arbeiten mit Vorrang am Inhalt."

Die Bundesregierung ringt seit Wochen um einen Einstieg bei der HRE, die mit Finanzhilfen von insgesamt 92 Milliarden Euro gestützt wird. Die HRE hatte die auf die Staatsfinanzierung fokussierte Depfa vor gut einem Jahr für mehr als fünf Milliarden Euro übernommen. Das Institut mit Sitz in Irland verspekulierte sich aber und geriet in der Finanzkrise in einen massiven Liquiditätsengpass (siehe Infobox unten).

Jetzt sucht der Bund nach einer Lösung für das Finanzunternehmen. Das Finanzmarktstabilisierungsgesetz begrenzt allerdings eine direkte Staatsbeteiligung ohne Zustimmung der Altaktionäre bisher auf 33 Prozent. Eine ordentliche Hauptversammlung einzuberufen gilt als zu kompliziert und langwierig. Größter Einzelaktionär der HRE ist der US-Finanzinvestor J.C. Flowers mit knapp 25 Prozent. Der Rest der Anteilsscheine ist in Streubesitz.

In Koalitionskreisen hieß es, das Finanzministerium arbeite an einem Enteignungsgesetz, das eine vollständige Übernahme der Bank durch den Staat ermöglichen würde. Zurzeit werde ein erster Entwurf überarbeitet.

Nach Artikel 14 des Grundgesetzes ist eine Enteignung "nur zum Wohle der Allgemeinheit zulässig". Dazu ist ein Gesetz nötig, das auch Art und Ausmaß der Entschädigung regeln muss. Nach Angaben aus der Koalition ist eine politische Entscheidung, eine Art "Lex Hypo Real Estate" aufzulegen, noch nicht gefallen. Vor allem die Union hat Bauchschmerzen, in Eigentumsrechte einzugreifen. Theoretisch könnte das Gesetz bis Ende März in Kraft treten.

Am 27. März will die Hypo Real Estate nach bisherigen Planungen ihre Geschäftszahlen für 2008 vorlegen. Es wird erwartet, dass diese tiefrot ausfallen. Auch 2009 rechnet der Vorstand nicht mit Gewinnen, zumal die Staatshilfe sehr teuer ist.

Die Hypo Real Estate ist eigenen Angaben zufolge weiter in Verhandlungen mit dem Hilfsfonds der Bundesregierung für die Finanzbranche (Soffin) über eine langfristige Lösung. Finanz- und Parlamentskreisen zufolge gilt es als sicher, dass der Staat mindestens zehn Milliarden Euro Kapital zuschießen wird. Zudem werden langfristige Bürgschaften für die Refinanzierung am Kapitalmarkt benötigt. Die bisherigen Garantien laufen in wenigen Monaten aus.

ssu/AP/dpa/Reuters



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