Krisenbank US-Regierung stützt Citigroup mit 300-Milliarden-Dollar-Garantie

Es ist eine eilige, immens teure Notoperation: Amerikas Regierung will den Finanzgiganten Citigroup mit einem üppigen Staatshilfepaket retten. Sie gewährt dem siechen Institut 20 Milliarden Dollar direkt, weitere 300 Milliarden als Risikoschirm. Unklar ist, ob das den Kursverfall der Aktie stoppt.


Washington - Die schlimmste anzunehmende Bankenpleite ist wohl erst einmal abgewendet. Über Nacht hat die US-Regierung ein mehrteiliges Rettungspaket für das einst größte Finanzinstitut der Welt zusammengezimmert, dessen Aktienkurs an der Wall Street in der vergangenen Woche immer tiefer und tiefer gefallen war.

Wichtigster Punkt: Die US-Regierung übernimmt für 20 Milliarden Dollar selbst einen Anteil an der Citigroup Chart zeigen. Zudem gibt sie Garantien für bis zu 306 Milliarden Dollar für riskante Kredite und Aktien. An der Einigung wirkten das Finanzministerium, die Notenbank und die staatliche Einlagensicherung mit. Sie standen unter immensem Zeitdruck: Ohne eine rasche Lösung hätte der US-Börse am Montag ein drastischer Kursverfall gedroht, der wohl auch andere Finanzwerte erfasst hätte.

Citibank-Filiale in New York: Kann der Plan den Kursverfall an der Wall Street bremsen?
DPA

Citibank-Filiale in New York: Kann der Plan den Kursverfall an der Wall Street bremsen?

"Die US-Regierung unternimmt die nötigen Schritte, um das Finanzsystem, die Steuerzahler und die Volkswirtschaft zu stärken", heißt es in einer Erklärung der drei beteiligten Stellen vom Montagmorgen.

Investoren waren bisher sehr besorgt, dass die vielen unsicheren Kredite bei der Citigroup zu einer Verlustlawine anwachsen könnten. Die Aktien der zweitgrößten Bank der Welt rutschten am Freitag unter vier Dollar. Innerhalb einer Woche hatte die Aktie 60 Prozent ihres Werts verloren.

Am vergangenen Montag hatte das Unternehmen den Abbau von 53.000 Arbeitsplätzen bekanntgegeben. Insgesamt werden damit rund 75.000 der vor gut einem Jahr weltweit noch 375.000 Jobs gestrichen. Die Bank hatte im dritten Quartal dieses Jahres einen Verlust von 2,8 Milliarden Dollar angegeben und damit das vierte Quartal in Folge rote Zahlen geschrieben. In Deutschland gab die Citigroup bereits vor einigen Monaten ihr Filialgeschäft ab.

Es ist bereits das zweite Hilfspaket für die Krisenbank. Die Citigroup gehörte zu den ersten neun Banken, bei denen die Regierung im Rahmen eines Hilfsprogramms im vergangenen Monat einstieg. Die Bank erhielt damals 25 Milliarden Dollar, mehr als ihr derzeitiger Börsenwert.

ler/itz/AP/Reuters/AFP/dpa



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