Krisenkonzern GM macht neun Autowerke dicht

Der noch immer größte Autohersteller der Welt, General Motors, verschärft seine ohnehin drastischen Sparpläne und will nun 30.000 Stellen streichen. In Nordamerika werden neun Werke geschlossen - sechs mehr als zuletzt befürchtet.


Detroit - Außer den Werken will GM in den kommenden Jahren drei weitere Service- und Teileanlagen schließen. So sollen bis zum Jahr 2008 30.000 Jobs in der Produktion wegfallen, teilte General Motors heute in Detroit mit.

Parkende Pkw vor GM-Werk in Michigan: Eine Million Wagen weniger pro Jahr
AP

Parkende Pkw vor GM-Werk in Michigan: Eine Million Wagen weniger pro Jahr

In den ersten neun Monaten hatte der Opel-Mutterkonzern einen Verlust von nahezu vier Milliarden Dollar eingefahren. Sinkende Absatzzahlen, ein verlustreicher Preiskrieg mit der Konkurrenz, hohe Produktionskosten und ein horrender Schuldenberg sind die Hauptursachen für die Krise.

Konzernchef Rick Wagoner hatte bereits angekündigt, mit einem Sanierungsplan auf schwindende Nachfrage zu reagieren. Mitte des Jahres hatte der Konzern den Abbau von mindestens 25.000 Stellen in Nordamerika bis 2008 und die Schließung mehrerer Werke angekündigt - die Details waren damals aber noch offen geblieben. Noch heute war über die Schließung von nur drei Werken spekuliert worden.

Der Stellenabbau soll laut Wagoner über natürliche Fluktuation und vorzeitigen Ruhestand ermöglicht werden. Zudem sollen Produktionskapazitäten in großem Stil zurückgefahren werden. So sollen die Stückzahlen bis Ende 2008 um rund eine Million Autos verringert werden. Damit sollen bis Ende 2006 sieben Milliarden Dollar eingespart werden.

GM will künftig Teile der Produktion aus Nordamerika ins günstigere Ausland verlegen. In den USA wiederum soll die Effizienz in den GM-Werken steigen. Die Produktionsanlagen sollen flexibler ausgelegt werden, so dass künftig verschiedene Modelle und nicht mehr nur ein einziger Modelltyp von den Bändern rollen.

Auch Ford streicht Tausende Jobs

Laut "Wall Street Journal" sollen die auf der Streichliste stehenden Werke jedoch nicht vor dem Jahr 2007 komplett geschlossen werden. GM hatte sich in einem Abkommen mit der mächtigen Gewerkschaft UAW (United Auto Workers) verpflichtet, bis dahin kein gesamtes Werk zu dicht zu machen. Zwar sei es dem Konzern laut Vertrag erlaubt, Produktion stillzulegen, den betroffenen Mitarbeitern müsste jedoch ein fast komplettes Gehalt weitergezahlt werden, schrieb das "Journal".

Der GM-Konkurrent Ford will der Zeitung zufolge in Nordamerika etwa 4000 Arbeitsplätze außerhalb der Produktion abbauen. Dies seien etwa zehn Prozent der Angestellten, schreibt das "Wall Street Journal" unter Berufung auf eine firmeninterne E-Mail von Nordamerika-Chef Mark Fields an die Mitarbeiter. Ford will die Arbeitsplätze bereits im ersten Quartal 2006 streichen. Es sollen sowohl offene Stellen nicht mehr besetzt als auch Mitarbeiter entlassen werden.

Bei dem jetzt angekündigten Jobabbau handele es sich um den ersten Schritt eines seit längerem geplanten Umbaus, schreibt die Zeitung weiter. Fields habe in seiner Mail angekündigt, weitere Details zu den Plänen des Konzerns im Januar mitteilen zu wollen.



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