Krisenkonzern Scholz fordert Staatsbeteiligung bei Opel

Dem angeschlagenen Autobauer Opel läuft die Zeit davon, Politiker und Management suchen nach einer Lösung. Jetzt schaltet sich auch Bundesarbeitsminister Olaf Scholz in die Debatte ein: Der SPD-Politiker fordert wenn nötig eine Staatsbeteiligung bei dem Hersteller.


Berlin/Hamburg - Arbeitsminister Olaf Scholz sieht den Staat bei Opel in der Pflicht: Den von der Pleite bedrohten Autobauer sterben zu lassen, "wäre mehr als ein Fehler, es wäre ein unentschuldbares Regierungsversagen", sagt der SPD-Politiker der "Bild am Sonntag" laut Vorabbericht.

Opel-Produktion in Rüsselsheim: "Unentschuldbares Regierungsversagen"
AP

Opel-Produktion in Rüsselsheim: "Unentschuldbares Regierungsversagen"

Das Unternehmen habe eine gute Perspektive und die Regierung dürfe auch vor einer Staatsbeteiligung an Opel nicht zurückschrecken, sagte Scholz weiter. "Ich fürchte mich nicht davor, dass der Staat bei Opel einsteigt", sagte er. Allerdings dürfe eine Beteiligung keine Dauerperspektive sein.

Scholz warnte vor einer Pleite von Opel. Eine Insolvenz würde wahrscheinlich teurer als alles, was an öffentlichen Mitteln für eine Rettung des Unternehmens aufgewendet werden müsse, sagte der Minister. So müsse für die betriebliche Altersversorgung der Opel-Mitarbeiter dann der Pensionssicherungsverein einspringen, in den alle Firmen mit betrieblicher Altersvorsorge einzahlen. Dessen Beiträge würden dann steigen.

Merkel in Rüsselsheim

Opel droht angesichts der prekären Finanzlage bei der US-Mutter General Motors (GM) Chart zeigen die Insolvenz. Der Konzern hat europaweit staatliche Bürgschaften über 3,3 Milliarden Euro beantragt, den Großteil davon bei der Bundesregierung. Eine Entscheidung dazu steht noch aus, zumal der vom Management vorgelegte Rettungsplan aus Sicht der Großen Koalition noch viele Fragen offen lässt. Außerdem will GM sich von Opel-Anteilen trennen und auf die Position des Juniorpartners zurückziehen. Ein Investor steht bislang nicht bereit.

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Am 31. März will Bundeskanzlerin Angela Merke den Opel-Stammsitz besuchen, um sich dort mit Werksleitung und Betriebsrat zu treffen und sich die Fertigung anzusehen. Das Schicksal von Opel wird auch beim Deutschland-Besuch von US-Präsident Barack Obama für Diskussionsstoff sorgen. Regierungssprecher Thomas Steg sagte am Freitag, das Treffen am 3. April biete die Möglichkeit, sich "unmittelbar, auch im direkten Gespräch" über Opel zu verständigen.

Opel-Chef Hans Demant kündigte weitere Einschnitte bei dem Unternehmen an. Der Hersteller prüft demnach auch Werksschließungen. "Wenn Sie nur betriebswirtschaftlich denken, dann wäre das sicher sinnvoll", sagte Demant dem Magazin "Wirtschaftswoche" laut Vorabbericht. Erwogen würden zudem Personalabbau und eine Auflösung von Organisationen. Die deutschen Standorte könnten wegen der hohen Kosten dort nicht verschont bleiben.

Die Opel-Belegschaft stemmt sich ihrerseits gegen den Zusammenbruch des Konzerns. "Auf die Mitarbeiter kommen harte Zeiten zu", warnte Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz im Interview mit SPIEGEL ONLINE. Opel müsse in Europa eine Milliarde Euro im Jahr einsparen, fügte er hinzu. Deshalb sei eine Vier-Tage-Woche denkbar, auch über die Streichung von Zusatzleistungen wie Weihnachtsgeld werde zu reden sein.

Um Opel zu retten, plädiert Franz für den Einstieg von Mitarbeitern und Händlern. "Meiner Meinung nach können wir mit den Händlern sogar eine Sperrminorität von 25 Prozent erreichen", sagte der Arbeitnehmervertreter.

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Die Wurzeln
Das 146 Jahre alte Traditionsunternehmen Opel produzierte ursprünglich Nähmaschinen und Fahrräder. Erst später entwickelte es sich zum größten deutschen, europaweit tätigen Autohersteller. 1929 übernahm der US-Konzern General Motors die Adam Opel AG - für den seinerzeit enormen Betrag von 33,4 Millionen Dollar.

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Die Krisenzeiten
In den neunziger Jahren geriet der Autobauer erstmals in heftige Turbulenzen: 1997 fuhr die Adam Opel AG mit 228 Millionen Mark erstmals in die Verlustzone. Es folgten Sparprogramme unter dem später in die Führung von GM-Europe aufgerückten Manager Carl-Peter Forster. Zurzeit leidet Opel vor allem unter den Problemen des Mutterkonzerns: General Motors droht angesichts eines massiven Absatzeinbruchs das Aus.

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Das Werk in Rüsselsheim
Rüsselsheim in Hessen ist der Stammsitz des 146 Jahre alten Unternehmens. Hier arbeiten 18.300 Mitarbeiter. Neben der Zentrale ist hier das Internationale Technische Entwicklungszentrum und ein neu errichtetes Werk angesiedelt (Jahreskapazität: 270.000 Einheiten). Dazu kommt noch das Testcenter im nahen Dudenhofen.

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...Bochum
Seit 1962 ist Opel am Standort Bochum in Nordrhein-Westfalen tätig. Mittlerweile werden drei Werke auf einem ehemaligen Zechengelände betrieben. Die 5300 Mitarbeiter stellen vor allem den Astra, Zafira, Achsen und Getriebe her. 2007 wurden rund 240.000 Fahrzeuge gebaut.

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...Kaiserslautern
In Kaiserslautern in Rheinland-Pfalz stellen rund 1200 Mitarbeiter Vierzylinder-Leichtmetall-Ottomotoren und Vierzylinder-Turbodieselmotoren mit Commonrail-Kraftstoffeinspritzung her. Im Komponentenwerk sind weitere 2300 Mitarbeiter tätig. Opel ist seit 1966 in Kaiserslautern.

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...Eisenach
Bei der Opel Eisenach GmbH in Thüringen produzieren 1900 Mitarbeiter den neuen Corsa. Das Werk machte 1992 kurz nach der Wende auf.

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suc/ddp/Reuters/AFP



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