Krisenmanagement US-Notenbank senkt überraschend Diskontsatz um 0,5 Prozentpunkte

Die US-Notenbank Federal Reserve hat völlig überraschend einen Leitzins gesenkt. Der Diskontsatz werde um einen halben Prozentpunkt auf 5,75 Prozent herabgesetzt, teilte die Fed in Washington mit. Begründung: Die Lage an den Finanzmärkten habe sich verschlechtert.


Washington - Während die Federal Reserve den wichtigen Diskontsatz senkte, beließ sie den zentralen Zielsatz für Tagesgeld unverändert bei 5,25 Prozent; dieser Satz ist seit mehr als einem Jahr unverändert. Der Diskontsatz, zu dem sich Banken bei der Fed Liquidität verschaffen können, wurde von 6,25 Prozent auf 5,75 Prozent verringert, wie die US-Notenbank heute mitteilte. Der Schritt soll den Banken helfen, sich zu refinanzieren.

Börse in New York: Schneller Schritt wegen der Wachstumsrisiken durch die Hypothekenkrise
DPA

Börse in New York: Schneller Schritt wegen der Wachstumsrisiken durch die Hypothekenkrise

Die Fed begründete diesen Schritt damit, dass sich die Situation an den Finanzmärkten verschlechtert habe. Die Risiken für das Wirtschaftswachstum hätten sich merklich erhöht.

Die Senkung des Diskontsatzes bezeichnete die Fed als vorübergehende Maßnahme. Einer Fed-Mitteilung zufolge bleibt der niedrigere Satz in Kraft, bis sich die Situation an den Finanzmärkten wieder deutlich verbessert hat.

Nach der Entscheidung aus den USA drehte der deutsche Leitindex Dax Chart zeigen ins Plus. Zwischenzeitlich kletterte er um 2,7 Prozent auf 7465 Punkte. Auch die Indizes an den Börsen in London und Frankreich legten kräftig zu.

Analysten bezeichneten den Schritt der Fed als Signal, dass sie die derzeitigen Finanzmarktturbulenzen ernst nehme. Da der Diskontsatz den Banken aber lediglich zum Spitzenausgleich von Liquiditätsengpässen diene, dürfe die Maßnahme nicht überbewertet werden, sagte Deka-Bank-Ökonom Karsten Junius.

Vor der Zinssenkung hatten Ökonomen von der Fed exakt diesen Schritt gefordert. Sie solle auf diese Weise das Geld billiger machen und damit den nervösen Finanzmärkten ein klares Signal der Beruhigung senden. Bis heute hatte sich Fed-Präsident Ben Bernanke mit Blick auf die Inflationsentwicklung gesträubt, die Zinszügel wieder zu lockern. Die jüngsten Teuerungsdaten deuteten aber darauf hin, dass die Preise - Energie ausgenommen - nicht so stark steigen und die Fed somit Spielraum für eine Zinssenkung hätte.

kaz/dpa/Reuters/AP

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