Krisenticker Neuer AIG-Chef rechnet mit Teilverkauf

Außerdem: Die US-Großbank Citigroup ist offenbar doch an der maroden US-Sparkasse Washington Mutual interessiert. Die angeschlagene US-Assekuranz AIG bekommt einen neuen Chef. Das und mehr im aktuellen Krisenticker bei SPIEGEL ONLINE.

+ + + Neuer AIG-Chef rechnet mit Töchter-Verkäufen + + +

Der neue AIG-Chef Edward Liddy will möglichst viele große Versicherungssparten des krisengeschüttelten US-Konzerns erhalten. So sei das nationale und internationale Schaden- und Unfall-Geschäft des Versicherers ein "Anker", erklärte Liddy in einem Interview des "Wall Street Journal". Insgesamt werde der US-Versicherer durch den Verkauf von Vermögenswerten zur Rückzahlung eines milliardenschweren staatlichen Kredits jedoch kleiner und wendiger werden.

+ + + Barclays erwägt Übernahme von französischen Lehman-Firmen + + +

Nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers denkt die britische Barclays Bank auch über den Aufkauf von deren Frankreich-Geschäften nach. Barclays sei "in Gesprächen" über eine mögliche Übernahme der drei Lehman-Firmen in Frankreich, erfuhr die Nachrichtenagentur AFP am Freitag aus Verhandlungskreisen. Die Briten hatten am Mittwoch mitgeteilt, dass sie das Wertpapier- und Kapitalmarktgeschäft, den prestigeträchtigen Sitz des US-Wettbewerbers in Manhattan sowie zwei Rechenzentren von Lehman Brothers übernehmen wollen. Die Investmentbank hatte am Montag Insolvenz angemeldet und damit schwere Turbulenzen an den internationalen Finanzmärkten ausgelöst.

+ + + NRW-Bank erwartet Belastung + + +

Die Insolvenz der US-Bank Lehman Brothers hat Folgen für ein weiteres staatliches Geldhaus in Deutschland. Die landeseigene Förderbank NRW.Bank teilte am Freitag mit, sie habe "in einem für eine Bank ihrer Größe normalen Rahmen auch in Produkte der US-Investmentbank Lehman Brothers investiert". Vor dem Hintergrund der aktuellen Turbulenzen auf den internationalen Kapitalmärkten könne dies zu einer "Belastung" führen. "Die mögliche Gesamtbelastung liegt in einem unproblematischen Rahmen." Ein Sprecher sagte, bei den Lehman-Produkten handele es sich in erster Linie um Anleihen. Zur Höhe eines möglichen Schadens wollte er sich nicht äußern. Das Fördergeschäft sei aber nicht tangiert, betonte das Institut.

+ + + Börsengang der Bahn trotz Finanzkrise im Plan + + +

Die jüngste Eskalation der Finanzkrise hat nach Informationen aus Finanzkreisen keine Auswirkungen auf den geplanten Börsengang der Deutschen Bahn. Trotz der Marktschwäche in den vergangenen Tagen gebe es keine Verzögerung, sagten mehrere mit der Angelegenheit vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. "Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren und die Erstnotiz kommt wie geplant am 27. Oktober", sagte einer der Insider. Die Nachfrage aus Asien und dem arabischen Raum nach Aktien der Bahn sei groß. Auch von politischem Gegenwind sei nichts zu spüren. Bei der Bahn war bislang keine Stellungnahme zu erhalten.

Insgesamt sollen 25 Prozent der Verkehrssparte des letzten großen deutschen Staatskonzerns verkauft werden, was Schätzungen zufolge fünf bis sechs Milliarden Euro bringen könnte. Sollte die Tendenz an den Märkten aber weiter nach unten zeigen, drohen geringere Einnahmen. "Natürlich kann es grundsätzlich Folgen für die Bewertung geben, aber noch gibt es keine genauen Preisvorstellungen", sagte einer der Eingeweihten.

+ + + NRW-Bank prüft Folgen von Lehman-Pleite + + +

Die Insolvenz der US-Bank Lehman Brothers könnte Folgen für ein weiteres staatliches Geldhaus in Deutschland haben. Die landeseigene Förderbank NRW-Bank prüfe derzeit ihre Geschäftsbeziehungen zu Lehman, sagte eine Sprecherin des nordrhein-westfälischen Finanzministeriums. Wenn die Prüfung abgeschlossen sei, werde die Öffentlichkeit über die Folgen des Engagements informiert.

+++ Morgan Stanley bietet Staatsfonds höheren Anteil +++

Nach Informationen aus Kreisen führt die Morgan Stanley   derzeit Fusionsgespräche mit dem chinesischen Staatsfonds CIC über eine größere Beteiligung. CIC hatte sich schon im Dezember mit fünf Milliarden Dollar eine 9,9-prozentige Beteiligung an Morgan Stanley gesichert. Laut "Financial Times" ist von einer Aufstockung der Beteiligung auf 49 Prozent die Rede.

Die Verhandlungen seien "fortgeschritten, ein Abschluss sei aber noch nicht erzielt, zitierte das Blatt aus Verhandlungskreisen. CIC-Chef Gao Xiqing werde Verantwortliche von Morgan Stanley in San Francisco treffen. Ein Sprecher der Bank wollte den Bericht zunächst nicht kommentieren.

Die Bank führt Kreisen zufolge auch Gespräche über eine Fusion mit der US-Regionalbank Wachovia. Die Führung der Investmentbank zieht laut "FT" aber eine Beteiligung des chinesischen Fonds einer Fusion vor. Sie würde so ihre Eigenständigkeit behalten.

Morgan-Stanley-Chef John Mack macht sich Kreisen zufolge keine Sorgen um die Zukunft der zweitgrößten US-Investmentbank. Man sei solide finanziert und könne alleine weiterbestehen, sagte er nach Angaben von Augenzeugen in einer Videobotschaft an Mitarbeiter weltweit am Donnerstag. Aus einer Position der Stärke heraus prüfe man nun eine Reihe von Maßnahmen, um die Finanzkrise zu überstehen.

+++ Citigroup prüft die Bücher von Washington Mutual +++

Die US-Großbank Citigroup   ist nach einem Bericht des "Walll Street Journals" am Kauf der größten US-Sparkasse Washington Mutual interessiert. Es würden weiterhin die Bücher der Gesellschaft geprüft, berichtete das Blatt am Freitag ohne Nennung einer Quelle. Am Tag zuvor hatte die Zeitung noch berichtet, dass die Citigroup ihr Interesse an Washington Mutual verloren habe.

+++ HSBC kauft südkoreanische KEB doch nicht +++

Die britische Bank HSBC Holdings   ist vom Kauf der Korea Exchange Bank zurückgetreten. HSBC wollte für 6,3 Milliarden Dollar einen 51-prozentigen Anteil an der südkoreanischen Bank von der amerikanischen Beteiligungsgesellschaft Lone Star erwerben. Angesichts der Lage an den internationalen Finanzmärkten habe HSBC beschlossen, mit sofortiger Wirkung vom Kaufvertrag zurückzutreten, teile das Kreditinstitut am Freitag mit.

+++ Aktien von Macquarie-Investmentbank erholen sich +++

Der stark gefallene Aktienkurs der australischen Investmentbank Macquarie Bank   hat sich am Freitag wieder erholt. Nach dem Einbruch um 32 Prozent auf ein Fünfjahrestief am Donnerstag legten die Papiere im frühen Handel um 50 Prozent zu. Nach Informationen der Zeitung "Age" könnte Macquarie sich um eine Allianz oder Beteiligung durch die Commonwealth Bank of Australia oder die National Australia Bank bemühen.

+++ Edward Liddy wird neuer AIG-Chef +++

Der krisengeschüttelte US-Versicherer AIG   bekommt mit Edward Liddy den dritten Chef innerhalb von drei Monaten. Er löst nach Konzernangaben vom Donnerstag den derzeitigen Vorstandschef Robert Willumstad ab. Er wolle den Konzern nicht abwickeln und halte das Versicherungsgeschäft für ausreichend finanziert, sagte Liddy laut einer anwesenden Person anlässlich seines Amtsantritts am Donnerstag. In der Vergangenheit hatte er den US-Häuser- und Autoversicherer Allstate geführt.

+++ Santander soll Interesse an Bank of Ireland haben +++

Aktien der Bank of Ireland sind am Freitag nach Übernahmegerüchten um 52,12 Prozent auf 5,75 Euro nach oben geschossen. Händlern zufolge gibt es Spekulationen um ein Interesse der spanischen Bank Santander  . Deren Aktien gewannen im Zuge der allgemeinen Markterholung 7,74 Prozent auf 10,72 Euro. Santander lehnt einen Kommentar zu den Gerüchten ab.

cvk/ssu/dpa/ddp/Reuters

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