Kritik an Berliner Flughafen Wowereit besänftigt Easyjet

Gut eine Woche vor Baubeginn des Berliner Hauptstadtflughafens hat die britische Fluggesellschaft Easyjet ihre Kritik erneuert: zu groß, zu teuer, zu wenig geeignet für Billig-Flieger. Berlins Regierender Bürgermeister Wowereit signalisierte der Airline Entgegenkommen.


Berlin - "Wir werden selbstverständlich mit jeder Fluggesellschaft individuell sprechen und die Flughafenpläne anpassen", sagte Klaus Wowereit (SPD) heute. Schließlich könne man einen Flughafen "nicht nur nach den Interessen einer Gesellschaft bauen". Andere Airlines hätten auch einen Anspruch darauf, einen Flughafen zu bekommen, der für ihre Belange richtig sei. Gleichzeitig bekräftigte er aber, am Bau des Flughafens Berlin Brandenburg (BBI) festzuhalten. Man könne "nicht vor dem Spatenstich alles über einen Haufen werfen".

Easyjet-Flugzeuge: "Milliardenschwerer, aber leerer Glaspalast"
DPA

Easyjet-Flugzeuge: "Milliardenschwerer, aber leerer Glaspalast"

Wie der SPIEGEL bereits am Samstag berichtete, hatte Easyjet Chart zeigen angedroht, den Flugverkehr von und nach Berlin erheblich einzuschränken oder ganz einzustellen, wenn der Flughafen nach der jetzigen Planung gebaut würde. Der Flughafen sei "viel zu groß dimensioniert, was zwangsläufig zu einer Kostenexplosion, auch bei den Landegebühren führt", sagte der Deutschland-Chef der Airline, John Kohlsaat. Außerdem nehme die Ausstattung des Flughafens nur bedingt Rücksicht auf die Belange der Billigflieger. So reichten die vorgesehenen zehn Standplätze für Billigflieger auf absehbare Zeit nicht aus. Dabei sei Easyjet daran interessiert, den Standort Berlin zu behalten.

"In Schönefeld wird nach jahrelanger Planung ein milliardenschwerer, aber leerer Glaspalast gebaut", sagte Kohlsaat heute. Besonders kritisierte er die bis zu vier Mal längeren Wege der Passagiere durch das neue Terminal. "Längere Wege kosten Zeit, und Zeit ist Geld", sagte er. Am bisherigen Standort Schönefeld verweile eine Easyjet-Maschine 30 Minuten am Boden, am BBI werde sich die Zeit voraussichtlich auf 50 Minuten erhöhen.

Easyjet-Konkurrent Air Berlin Chart zeigen hatte sich indes ausdrücklich hinter die Neubaupläne für den Flughafen gestellt. Die Pläne seien den Fluggesellschaften vorgestellt worden, "und da sind weder Marmor noch goldene Türklinken drin", hatte Unternehmenssprecher Peter Hauptvogel dem "Tagesspiegel" gesagt. Hauptvogel warf Easyjet Scheinheiligkeit vor. "Easyjet geht es doch nur darum, auch in Zukunft geringere Landegebühren als die Konkurrenz zu bezahlen." Die Gesellschaft versuche, ihre derzeitigen Subventionen zu verteidigen.

Die Flughafengesellschaft erklärte heute, sie halte die Kritik von Easyjet für "völlig unverständlich". Auch die Billig-Flieger seien in die Planung einbezogen worden, es gebe genügend Standplätze und der Flughafen biete für die Low-Cost-Carrier kurze Wege.

kaz/dpa/dpa-AFX/AP



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