Kritik an Gesundheitsreform VdK spricht von Abzocke

Kurz nach der Einigung der Parteispitzen von SPD und CDU auf die Gesundheitsreform haben sich die Kritiker zu Wort gemeldet. Neben dem Rentner-Verband VdK und den Apothekern sind auch führende SPD-Politiker unter den Bedenkenträgern - an der Spitze: Finanzminister Eichel.




Apotheken: Verbandspräsident rechnet mit mehr Pleiten
DDP

Apotheken: Verbandspräsident rechnet mit mehr Pleiten

Berlin - Unter Berufung auf SPD-Kreise berichtete die "Berliner Zeitung", Bundesfinanzminister Hans Eichel habe bei einer Sitzung des SPD-Präsidiums starke Zweifel an der geplanten Reform des Gesundheitswesens geäußert. Die Strukturmaßnahmen zur Verstärkung des Wettbewerbs im Gesundheitswesen gehen seiner Ansicht nach nicht weit genug. Eichel sei über das Ergebnis der Konsensgespräche "höchst verärgert", soll es der Zeitung zufolge in SPD-Kreisen geheißen haben.

Der Sozialpolitiker Ottmar Schreiner ließ sich von dem Blatt mit den Worten zitieren: "Aus meiner Sicht sind diese Pläne nicht akzeptabel. Er halte schon die Privatisierung des Krankengeldes für einen ökonomischen Fehler, weil dadurch der Wirtschaft Kaufkraft entzogen werde. Müssten die Arbeitnehmer nun auch alle Kosten für die Versicherung des Zahnersatzes tragen, potenziere sich der Schaden.

Als "pure Abzockerei" kritisierte der Sozialverband VdK die Reformpläne. "Die Gesundheitsreform geht klar zu Lasten der Krankenversicherten und ihrer Familien", sagte VdK-Präsident Walter Hirrlinger der "Berliner Zeitung". Patienten zahlten drauf, Arbeitgeber würden entlastet, und Ärzte, Krankenhäuser und Pharmaindustrie kämen ungeschoren davon. "Wir werden der Politik eine unsoziale Reform nicht durchgehen lassen", sagte der Verbandspräsident. Der VdK prüfe den Start einer Unterschriftenaktion. Der Präsident der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände, Hans-Günter Friese, sagte gegenüber "tagesschau.de", eine höhere Zahl von Apotheken-Pleiten sei "nicht auszuschließen und bedeutet im Ergebnis ein niedrigeres Niveau bezüglich der gewünschten wohnortnahen, flächendeckenden Arzneimittelversorgung".

Die Ärzteschaft erwartet keine deutlichen Senkungen der Kassenbeiträge. Er habe Zweifel, "ob die Absenkung auf 13 Prozent tatsächlich zu erreichen ist", sagte der Präsident der Bundesärztekammer, Jörg-Dietrich Hoppe, der "Berliner Zeitung". Entlastungen würden die Krankenkassen zunächst dazu nutzen, ihren Schuldenberg zu verringern. Erst dann könnten sie an eine Absenkung der Beitragssätze denken.



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