Kritik an Steinbrück Luxemburg wirft Deutschland Arroganz vor

Der Rüffel von Deutschland an Steueroasen stößt auf Kritik bei den Kritisierten: Der Schweizer Boulevard schreibt mit Blick auf Finanzminister Steinbrück vom "hässlichen Deutschen", jetzt ärgert sich auch Luxemburgs Regierungschef öffentlich: Nachbarländer so zu demütigen, sei inakzeptabel.


Brüssel - Erst die Schweiz, nun Luxemburg: Der Ministerpräsident des Landes, Jean-Claude Juncker, warf Deutschland und Frankreich wegen ihrer Angriffe auf das Bankgeheimnis in seinem Land "Arroganz und verstörende Herablassung" vor. "Nachbarländer so zu demütigen, ist inakzeptabel", sagte Juncker der Schweizer Zeitung "Le Temps". Es sei falsch, Luxemburg und die Schweiz wegen ihres strengen Bankgeheimnisses mit Steueroasen auf eine Stufe zu stellen.

Ministerpräsident Juncker: "Arroganz und verstörende Herablassung"
DDP

Ministerpräsident Juncker: "Arroganz und verstörende Herablassung"

Deutschland und Frankreich drohen Ländern, die nicht beim Kampf gegen Steuerbetrüger kooperieren wollen, mit einer Schwarzen Liste der Steueroasen. Um nicht auf diese Liste gestellt zu werden, hatten mehrere Staaten, darunter auch die Schweiz, Österreich, Luxemburg, Liechtenstein und Andorra, Zugeständnisse beim Bankgeheimnis gemacht.

In der Schweiz wurde Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) am Mittwoch in mehreren Boulevardzeitungen wegen seiner Kritik an der Steuerpolitik des Landes scharf kritisiert. Vom "hässlichen Deutschen" war unter anderem die Rede. Steinbrück hatte in der Kontroverse über das Bankgeheimnis in mehreren Ländern Worte gewählt, die nicht gerade auf Begeisterung stießen.

Am Rande des Treffens der G-20-Finanzminister in London hatte er am Samstag die Drohung mit der Schwarzen Liste mit der "siebten Kavallerie vor Yuma" verglichen, die man auch ausreiten lassen könne. "Aber die muss nicht unbedingt ausreiten. Die Indianer müssen nur wissen, dass es sie gibt", hatte Steinbrück dem Schweizer Fernsehen gesagt.

Steinbrücks Sprecher Torsten Albig reagierte prompt: "Der Minister hat zu keiner Zeit und auch mit keiner Silbe Schweizer in irgendeiner Art und Weise zu anderen Bürgern des Kontinents in irgendeine Beziehung gesetzt. Und er würde auch nicht auf die Idee kommen, dies zu tun", erklärte er. Mit "großer Verwunderung" stelle er fest, welche Wirkung ein plastisches Bild habe.

kaz/AP



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Gebetsmühle 13.03.2009
1.
Zitat von sysopLiechtenstein und Andorra gaben als erste auf, nun folgen die Schweiz, Luxemburg und Österreich: Die Regierungen von Steueroasen in ganz Europa beugen sich dem internationalen Druck - das Ende des Bankgeheimnisses?
das wurde auch zeit. entweder überall ein bankgeheimnis oder nirgendwo. damit hört dann hoffenltich endlich diese ärgerliche steuerhinterziehung auf.
Hartmut Dresia, 13.03.2009
2.
Zitat von sysopLiechtenstein und Andorra gaben als erste auf, nun folgen die Schweiz, Luxemburg und Österreich: Die Regierungen von Steueroasen in ganz Europa beugen sich dem internationalen Druck - das Ende des Bankgeheimnisses?
Das Ende des Bankgeheimnisses sollte eher darin bestehen, dass die Verluste von Pleitebanken offengelegt werden und dem Bürger dargelegt wird, wer die Begünstigten all der Rettungsmilliarden sind, die in den Bankensektor gepumpt werden. Schulden verstaatlichen und Gewinne privatisieren (http://www.plantor.de/2009/hre-schulden-verstaatlichen-und-gewinne-privatisieren/), das darf nicht die Politik sein, hier gilt es an erster Stelle Transparenz zu schaffen.
Zero2024 13.03.2009
3.
Es wird andere Wege und Orte geben. Dieses Geld wird wohl dann in andere Länder verschifft. Man wird es nie vermeiden können, dass Menschen versuchen Ihre Steuern zu hinterziehen.
Reziprozität 13.03.2009
4.
Zitat von sysopLiechtenstein und Andorra gaben als erste auf, nun folgen die Schweiz, Luxemburg und Österreich: Die Regierungen von Steueroasen in ganz Europa beugen sich dem internationalen Druck - das Ende des Bankgeheimnisses?
"Nachdem Merz diese Änderungen präsentiert hatte, stellte er andererseits ausdrücklich fest: «Das Bankgeheimnis bleibt bestehen». Deshalb brauche es auch keine Gesetzesänderungen. Der Finanzminister betonte insbesonders, _dass sich für in der Schweiz ansässige Steuerpflichtige gar nichts ändere._" Prima, ich bin zufrieden mit dieser Lösung.
Reziprozität 13.03.2009
5.
Zitat von Reziprozität"Nachdem Merz diese Änderungen präsentiert hatte, stellte er andererseits ausdrücklich fest: «Das Bankgeheimnis bleibt bestehen». Deshalb brauche es auch keine Gesetzesänderungen. Der Finanzminister betonte insbesonders, _dass sich für in der Schweiz ansässige Steuerpflichtige gar nichts ändere._" Prima, ich bin zufrieden mit dieser Lösung.
Quelle (http://www.nzz.ch/nachrichten/schweiz/schweiz_bankgeheimnis_konzessionen_oecd_standard_1.2193064.html)
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