Kritik vom neuen IKB-Eigner Lone Star keilt gegen Finanzminister Steinbrück

Markige Worte gegen Peer Steinbrück: Der neue IKB-Eigner Lone Star geißelt den Finanzminister dafür, dass er vor dem Verkauf der gebeutelten IK-Bank einen konkreten Preis genannt hat. Dass der Staat die Krisenbank mit fast acht Milliarden Euro päppelte, nennt er einen Sündenfall.


Frankfurt am Main - Erst vor wenigen Tagen ist der Finanzinvestor Lone Star bei der gebeutelten IKB eingestiegen - doch das hält seinen Deutschlandchef nicht davon ab, deren bisherigen Schirmherrn kräftig an die Kandare zu fahren.

Lone-Star-Deutschlandchef von Köller: "Sündenfall für die Steuerzahler"
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Lone-Star-Deutschlandchef von Köller: "Sündenfall für die Steuerzahler"

Finanzminister Peer Steinbrück habe Fehler gemacht, sagte Karsten von Köller der "Zeit". Nie hätte der SPD-Politiker zu Beginn des Bieterverfahrens einen Preis von 800 Millionen Euro in Aussicht stellen dürfen. Das sei schon damals nicht realistisch gewesen. Offenbar habe der Politiker einfach eine Zahl in den Raum gestellt, sich vorher aber "nicht intensiv mit der finanziellen Situation der Bank beschäftigt". Schon im Frühjahr sei es unmöglich gewesen, die Risiken der IKB zu bewerten. Er hätte schon "damals keine konkrete Zahl genannt", sagte von Köller.

Berichten zufolge zahlt Lone Star für die IKB nur knapp über 100 Millionen Euro. Allerdings übernimmt der Investor dafür einen großen Teil der Risiken der Bank.

Die Differenz zu dem ursprünglich angepeilten Verkaufspreis muss die bisherige Eigentümerin, die Kreditgesellschaft für Wiederaufbau (KfW), tragen. Die staatseigene Förderbank hält fast 90 Prozent an der IKB. Die Fast-Pleite kostete die KfW fast acht Milliarden Euro. Der Bund und andere Banken mussten weitere zwei Milliarden Euro zur Verfügung stellen.

Von Köller nannte daher den IKB-Einstieg der Staatsbank im Jahr 2001 einen Sündenfall. Die Regierung habe die Steuerzahler damit in eine "Garantieposition für die IKB" manövriert. Natürlich konnte damals niemand ahnen, in welche Schieflage die Bank kommen würde". Private Banken hätten aber von der Politik bei der Rettung der IKB viel stärker in die Pflicht genommen werden müssen.

Einen Untersuchungsausschuss zum Fall IKB, der von den Oppositionsparteien FDP und den Grünen gefordert wird, hält Köller für keine Option. "Mich bewegt vor allem das Schicksal der IKB. Da soll endlich Ruhe einkehren", sagte er. Der Investor zeigte sich zuversichtlich, die IKB erfolgreich zu sanieren.

ssu/AP/Reuters



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