Kritisiertes Atomkraftwerk RWE fährt Biblis A wieder hoch

Der älteste Reaktorblock Deutschlands ist wieder am Netz: Der Energiekonzern RWE hat den Block A des Kernkraftwerks Biblis nach einer Zwangspause erneut in Betrieb genommen. Die Verluste von mehr als einer Milliarde Euro will das Unternehmen nun durch längere Laufzeiten ausgleichen.


Düsseldorf/Wiesbaden - Der Energiekonzern RWE Chart zeigen hat den Block A des Atomkraftwerks Biblis nach eineinhalb Jahren Stillstand wieder in Betrieb genommen. "Der Block wird sukzessive hochgefahren, das dauert mehrere Tage", sagte ein Unternehmenssprecher. Das hessische Umweltministerium habe dafür am Freitagabend die Genehmigung erteilt. Bis die Anlage wieder volle Leistung bringt, werden aber noch einige Tage verstreichen.

Luftaufnahme des Kernkraftwerks Biblis: Stillstand hat laut RWE-Angaben mehr als 1,1 Milliarden Euro gekostet
DDP

Luftaufnahme des Kernkraftwerks Biblis: Stillstand hat laut RWE-Angaben mehr als 1,1 Milliarden Euro gekostet

Die Blöcke A und B des Kernkraftwerkes Biblis in Südhessen waren im Herbst 2006 vom Netz genommen worden. Grund waren falsch montierte Spezialdübel in der Anlage - ein Missstand, der erst bei einer Revision entdeckt worden war. In den vergangenen eineinhalb Jahren wurden insgesamt 15.000 Dübel saniert. Biblis B ging bereits Anfang Dezember 2007 wieder in Betrieb. Nun produziert das gesamte Atomkraftwerk wieder Strom.

Der monatelange Stillstand der beiden Blöcke hat RWE nach eigenen Angaben 1,1 Milliarden Euro gekostet. Der Konzern erwartet aber, dass die Reaktoren das Gros der aufgelaufenen Strombeschaffungskosten nun wieder einspielen können, da sich die Laufzeit der beiden Atommeiler um den Stillstandszeitraum verlängert.

Der 1974 gebaute Block A ist der älteste noch laufende Atommeiler Deutschlands und sollte nach dem Atomausstiegsgesetz ursprünglich 2008 stillgelegt werden. Die Produktionspause wegen der Dübel wird aber auf die Restlaufzeit angerechnet.

RWE will den Reaktor zudem länger als bisher genehmigt Strom produzieren lassen und hat dazu die Übertragung von Laufzeiten anderer Atomkraftwerke beantragt. Eine letzte Entscheidung des Bundesumweltministeriums darüber steht noch aus. Block B sollte ursprünglich 2009 abgeschaltet werden. Er soll nach dem Willen von RWE ebenfalls mit Hilfe einer Strommengenübertragung länger laufen.

Atomkraftgegner kritisieren seit langem, dass Biblis gravierende Sicherheitsmängel aufweise. Dies gelte vor allem für Block A. Tatsächlich gerieten die beiden Kraftwerksblöcke durch Pannen und Mängel immer wieder in die Schlagzeilen. Wegen Reparaturen stand Block A schon in früheren Jahren längere Zeit still, so von 2003 bis 2004. Grund war ein zufällig entdeckter Mangel: Wichtige Teile des Notkühlsystems - die sogenannten Sumpfsiebe - waren zu klein. Seit 1974 hatte dies niemand bemerkt.

RWE hält das Kraftwerk hingegen für sicher. Auch eine Sprecherin des hessischen Umweltministeriums sagte am Freitagabend nach Erteilen der Betriebsgenehmigung für Biblis A: "Sicherheitstechnisch haben wir alles überprüft."

tno/AFP/ddp/AP/dpa



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