Künast-Vorschlag Wirtschaft attackiert Aufruf zum Kauf deutscher Produkte

Für ihre Aufforderung an die Deutschen, mehr Produkte made in Germany zu kaufen, erntet Verbraucherministerin Renate Künast harsche Kritik. Wirtschaftsverbände bezeichneten die Idee als "Bauernfängerei" und "völlig unsinnig".


Grünen-Politikerin Künast: "Babypuppen aus China, Strampler aus der Türkei, Turnschuhe aus Vietnam"
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Grünen-Politikerin Künast: "Babypuppen aus China, Strampler aus der Türkei, Turnschuhe aus Vietnam"

Berlin/Hamburg - Der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) wertete den Vorstoß als billige Bauernfängerei. "Ein Boykott ausländischer Waren hier bei uns wäre da sehr schädlich", sagte Verbandssprecher Hubertus Pellengahr der "Bild"-Zeitung unter Verweis auf Deutschlands Rolle als Exportweltmeister.

Künast hatte in der "Bild am Sonntag" gesagt, jeder könne etwas für mehr Beschäftigung in Deutschland tun, indem er sich überlege, "wo die Produkte hergestellt worden sind, die er kauft". Babypuppen kämen aus China, Strampler aus der Türkei, Turnschuhe aus Vietnam. "Das gibt es alles auch von deutschen Herstellern", hatte die Grünen-Politikerin erklärt.

Künast wies den Vorwurf der "Bauernfängerei" heute energisch zurück. Ihr Sprecher Andreas Schulze betonte, die Ministerin habe ausdrücklich nicht von einem Boykott gesprochen, sondern auf den Zusammenhang zwischen Kaufentscheidungen und Arbeitsplätzen hingewiesen.

Mit der Kaufentscheidung entscheide der Käufer auch, unter welchen Bedingungen und zu welchen Sozial- und Umweltstandards etwas hergestellt werde. An der Reaktion des Einzelhandels werde allerdings klar, dass "bestimmte Verbandsvertreter nicht für Arbeitsplätze in Deutschland kämpfen" wollten.

BDI sieht "unselige Diskussion"

Allerdings stand der HDE mit seiner Kritik nicht allein. BDI-Hauptgeschäftsführer Ludolf von Wartenberg forderte Künast auf, ihren Aufruf noch einmal zu überdenken. Die Ministerin trete eine "unselige Diskussion" los, sagte er. "Denn was wäre die Konsequenz, wenn die Japaner und Amerikaner keine deutschen Autos mehr kauften und wenn andere Länder keine deutschen Maschinen mehr bestellten?"

Der Ruf nach national orientiertem Kaufverhalten werde "völlig unsinnig", wenn man bedenke, wie viele ausländische Vorprodukte in sogenannten deutschen Waren enthalten seien. Die deutsche Industrie warne davor, mit einer "solchen populistischen Effekthascherei unüberlegt die Voraussetzungen für unsere Exporterfolge zu untergraben", erklärte Wartenberg.



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Zwischenrufer, 08.08.2005
1. Wofür stehen die Verbandsbosse?
---Zitat von sysop--- Ist der Vorschlag von Ministerin Renate Künast, mehr in Deutschland produzierte Waren zu konsumieren, vernünftig oder kontraproduktiv? ---Zitatende--- Ob der Vorschlag vernünftig ist, darüber kann man natürlich streiten. Was aber so überaus irritierend ist, ist die wütende Reaktion der Verbandsbosse darauf (Nachrichtenlage). Sie zeigen damit, wofür Sie stehen: für Gewinnmaximierung durch beschleunigte Globalisierung, d.h. dafür, die ablaufenden Prozesse der Arbeitsplatzvernichtung in diesem Land zugunsten ihrer eigenen Extra-Profite noch mehr zu verschärfen. Natürlich kann die Ministerin einen solchen Aufruf starten und auf jeden Fall ist er es wert, daß man über ihn nachdenkt. Eine ganz andere Sache ist, ob man sich das unter Beachtung der "Ökonomisch-ökologischen Korrektheit" hergestellte Produkt im Einzelfall leisten kann. Verteufeln sollte man das Ansinnen nicht.
JuergenDose, 08.08.2005
2. Schwierige Sache
Ist ja eine nette Idee, aber hat schon mal jemand versucht deutsche Joggingschuhe zu kaufen? Adidas, Puma? Vergiss es. Deutscher Name – Produktionsstätten aus Fernost dahinter. Klar könnte man für 150 € auch einen Sportschuh in Deutschland fertigen, aber wo blieben da die schönen Gewinnspannen... Ach doch, eine Marke gibt's noch: "Brütting" stellt einen Laufschuh her. Handgefertigt in Deutschland für 138 Euro bei "Manufaktum" zu haben. So was!
Rainer Daeschler, 08.08.2005
3.
---Zitat von sysop--- Ist der Vorschlag von Ministerin Renate Künast, mehr in Deutschland produzierte Waren zu konsumieren, vernünftig oder kontraproduktiv? ---Zitatende--- Das könnte von einigen Herstellern als Wettbewerbsbefreiung missverstanden werden. Der Kunde kauft es ja doch. Hauptsache es ist "deutsch". Langfristig nutzt es der Wettbewerbsfähigkeit nicht. Warum verbessern, wenn es sich trotzdem verkauft? Dabei ist es gar nicht immer so leicht wirkliche deutsche Produkte auf Anhieb zu identifizieren. Ein bekannter deutscher Markenname garantiert noch nicht eine lokale Herkunft.
C_Kulmann, 08.08.2005
4.
---Zitat von sysop--- Ist der Vorschlag von Ministerin Renate Künast, mehr in Deutschland produzierte Waren zu konsumieren, vernünftig oder kontraproduktiv? ---Zitatende--- Es ist zumindest nicht ungewöhnlich, und im Lebensmittelbereich macht es sicher auch Sinn. Bei allem anderen muss man sehen, ob die Preise und die Qualität in Ordnung sind - wenn's passt, warum nicht? Es macht aber sicher keinen Sinn, dass zwanghaft zu forcieren. Und man muss dabei auch bedenken, dass viele deutsche Unternehmer HÄNDLER sind und am grenzübergreifenden Handel verdienen. Diese Medaille hat eben zwei Seiten....
Volker B., 08.08.2005
5. vernünftiger geht´s nicht
---Zitat von sysop--- Ist der Vorschlag von Ministerin Renate Künast, mehr in Deutschland produzierte Waren zu konsumieren, vernünftig oder kontraproduktiv? ---Zitatende--- Finde ich ziemlich vernünftig. Wenn wir nur auf die Preise gucken und im Ausland produzierte Ware erwerben, vernichten wir letzendlich unsere eigenen Arbeitsplätze selbst. Kann allerdings nur erfolgreich sein, wenn das zu einer Massenbewegung würde und entsprechende Informationen (welche "deutsche" Firma produziert im Ausland) leicht zugänglich wären. Problem: Es fehlt die Kohle. Aber: Der Verbraucher ist stärker als er denkt, wenn er zusammenhält. In unserer Siedlung halten wir den Tante-Emma-Laden auch nur, weil alle sich abgesprochen haben dort zumindest einen Teil ihrer Lebensmittel einzukaufen. Es funktioniert !!
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