Kunstmarkt Greenspan macht Künstlerin reich

Mit einer Kollektion von Porträts des US-Notenbank-Chefs Alan Greenspan hat eine junge Künstlerin einen Coup gelandet. Greenspan-Fans rissen sich geradezu um die Gemälde. Ihr Wert stieg um ein Vielfaches.


"Greenspan"-Galerie in der "Washington Post": Bilder vom Meister des Geldes

"Greenspan"-Galerie in der "Washington Post": Bilder vom Meister des Geldes

New York - Über das Ausmaß des Echos war die 24-jährige Erin Crowe selbst überrascht. Vor ihrem Englandaufenthalt habe die Absolventin der University of Virginia ein wenig Geld hinzu verdienen wollen, berichtet die "Washington Post". Dazu habe sie in der Galerie eines Freundes eine Reihe eigener Gemälde aufgestellt - Porträts der US-Notenbanklegende Allen Greenspan.

In Nebraska oder Oklahoma hätten die Bilder wahrscheinlich nicht viel Aufsehen erregt. Anders jedoch in Sag Harbor auf Long Island. Dort nämlich machen viele Wall Street Banker Urlaub, und die meisten von ihnen verehren Greenspan. Entsprechend schnell sprach sich die Nachricht herum, dass in der kleinen Galerie Bilder des Meisters zu besichtigen seien.

In den folgenden Tagen fanden sich mehr Kunden als üblich in der Galerie ein. Einige hätten nur schauen wollen, berichtet die Zeitung, einige hätten Geschichten über ihre ganz persönlichen Erlebnisse im Zusammenhang mit Greenspan erzählt und wie sie dank seiner Politik viel Geld verdient hätten.

Logisch, dass sich nicht wenige auch ein Porträt ihres Idols ins Büro hängen wollten. In wenigen Tagen verkaufte Crowe 18 Gemälde zu Preisen zwischen 1000 und 4000 Dollar. Lediglich zwei - noch unfertige Bilder - blieben übrig.

Ansturm nach Medienberichten

Der große Ansturm setzte allerdings erst ein, als der Nachrichtensender CNBC einen kurzen Bericht über die Bilder sendete. Aus allen Teilen des Landes riefen daraufhin Interessenten an, boten große Summen und gaben Bestellungen auf. Eine Hedgefonds-Managerin erzählte der Zeitung, sie habe das Fünffache des Kaufpreises des von ihr erworbenen Bildes geboten bekommen. Ein Käufer habe ein Porträt im XXXL-Format geordert.

Doch auch wenn Crowe von dem Ausmaß der Nachfrage überrascht ist, dass die Bilder Aufmerksamkeit wecken würden, dessen war sie sich gewiss. Bereits zwei Jahre zuvor hatte sie einige Portraits des Notenbankchefs für ein Kunstfestival in Charlottesville gemalt und dort die Reaktionen des Publikums beobachtet. "Die Leute liebten es, sich vor dem Greenspan-Gemälde fotografieren zu lassen", sagte Crowe der "Washington Post".

Die intensive Beschäftigung habe überdies ihr Interesse an Greenspan geweckt, mit dem sie zu Anfang nicht so viel habe anfangen können, sagte sie der Zeitung weiter. "Doch dann entdeckte ich viele interessante Details in seinem Gesicht."

Die intensive Beschäftigung mit dem Bankchef war es auch, die Crowe schließlich auf den Gedanken brachte, die Bilder zum Verkauf anzubieten. "Ich dachte mir, ich mache es jetzt nach Greenspan-Art", zitiert das Blatt Crowe. "Nur - dass so viele Menschen unbedingt ein Bild kaufen wollten, damit hätte ich nie gerechnet."



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