Kunstsammler Thomson Reichster Mann Kanadas gestorben

Der neuntreichste Mann der Welt, Ken Thomson, ist im Alter von 82 Jahren verstorben. Der Kanadier hatte ein Zeitungsimperium von seinem Vater geerbt und umgebaut. Mehr Aufsehen erregte der Multi-Milliardär aber mit seinen teuren Gemälde-Käufen.


Toronto - Der kanadische Medienunternehmer Kenneth ("Ken") Thomson ist am Montag im Alter von 82 Jahren gestorben. Der dem US-Magazin "Forbes" zufolge neuntreichste Mann der Welt hatte die in vielen Geschäftsfeldern tätige Gruppe, die Thomson Corporation Chart zeigen, seines Vaters stark umgebaut.

Kenneth Thomson (2004): Zurückhaltender Privatier
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Kenneth Thomson (2004): Zurückhaltender Privatier

Einst breit diversifiziert, konzentriert sich heute die Gruppe auf das Geschäft mit elektronischen Informationen und erwirtschaft damit derzeit einen Umsatz von rund 8,4 Milliarden Euro. Kenneth Thomsons Vermögen wird auf 19,6 Milliarden Euro geschätzt.

Der im Gegensatz zu seinem Vater Roy und anderen schillernden Verlegern sehr zurückhaltende Ken Thomson übernahm 1976 nach dem Tod seines Vaters das Ruder bei Thomson Corp und wachte bis 2002 über die Firmengeschicke.

Roy Thomson hatte seit den 30er Jahren ein Zeitungsimperium aufgebaut und in den 60er Jahren zahlreiche britische Zeitungen gekauft - unter anderem die "Times". Kenneth Thomson verkaufte die "Times" fünf Jahre nach seinem Amtsantritt an Rupert Murdoch. Zwischenzeitlich gehörten zum Firmenkonglomerat auch ein Reiseunternehmen mit Hotels, eine Fluggesellschaft, Versicherungen, Lkw-Flotten, Kabelfernsehgesellschaften und eine Reihe weiterer Firmen.

45 Millionen Pfund für ein Gemälde

Der weitere schrittweise Abschied des Verlags aus dem Zeitungsgeschäft war vorgezeichnet. 1999 kündigte Thomson Corp an, es werde alle Zeitungen mit Ausnahme der kanadischen "Globe and Mail" - die Ken Thomson "Juwel der Firmenkrone" nannte - verkaufen und sich auf elektronische Medien konzentrieren.

Doch erst 2004 verkaufte Thomson schließlich 54 Zeitschriften und Zeitungen für 350 Millionen US-Dollar an die Bahrain's Investcorp. Heute betreibt Thomson Corp vor allem wichtige juristische Datenbanken und Nachschlagewerke, 40.500 Mitarbeiter sind beschäftigt. Zuletzt gehörten dem Milliardär 68,5 Prozent an der Verlagsgruppe.

Kenneth Thomson galt als sparsamer Mensch, als gewandter Geschäftsmann, aber auch als zurückhaltender Privatier. International hat der dreifache Vater Aufsehen mit seiner Leidenschaft, Kunst zu sammeln, erregt. Vor allem in den letzten Jahren seines Lebens erwarb er mehr als 3000 Exponate. In 2002 beispielsweise kaufte er Peter Paul Rubens' "Bethlehemitischen Kindermord" für nicht weniger als 45 Millionen Pfund. Das war der vierthöchste Preis, der bislang für ein Bild auf einer Auktion gezahlt wurde.

Nach dem Tod von Kenneth Thomson kontrolliert sein ältester Sohn David Thomson als Chairman die Geschicke des Konzerns. CEO des Konzerns ist seit 1997 der familienfremde Manager Richard Harrington.

itz/mm.de/Reuters



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