Kuriose Kursstürze Rezession macht billige Aktien teuer

Von und Kai Lange

2. Teil: Investoren brauchen starke Nerven


Die Optimisten gehen noch immer davon aus, dass in der zweiten Jahreshälfte die zahlreichen Konjunkturprogramme greifen und die Konjunkturdaten wieder nach oben weisen werden. Eine deutliche Erholung ab Sommer werde dafür sorgen, dass die Unternehmensgewinne im Jahr 2009 um mehr als 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr steigen werden, lautet das Credo. Hürkamp teilt diesen Optimismus nicht. Er geht davon aus, dass die Mehrzahl der Dax-Unternehmen Ende 2009 einen Gewinnrückgang, bestenfalls eine Stagnation verzeichnen. Dies werde das KGV weiter nach oben treiben - auf 15 bis 16 Prozent zum Jahresende.

Tendenz abwärts: Die Gewinnerwartungen im Dax fallen allerdings noch schneller
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Tendenz abwärts: Die Gewinnerwartungen im Dax fallen allerdings noch schneller

Damit wäre der Dax Chart zeigen auch im historischen Vergleich vergleichsweise ambitioniert bewertet: Ein Dax bei rund 4500 Punkten ist auf dieser Basis nicht historisch günstig, sondern teuer. Auch dann, wenn er seit dem Hoch im Sommer 2007 mehr als 40 Prozent an Wert verloren hat.

Doch warum steigen Investoren bei einer Aktie wie BMW Chart zeigen wieder ein, obwohl das Unternehmen laut der aktuellen Konsensschätzungen in diesem Jahr nur noch einen Gewinn von 50 Cent pro Aktie ausweisen wird? Das KGV erreicht auf dieser Basis einen irrwitzig hohen Wert von 47 - die Aktie wäre demnach heillos überteuert.

"In Rezessionszeiten wie diesen, in denen die Gewinne stark einbrechen, gewinnen andere Bewertungsmaßstäbe an Bedeutung", erklärt Hürkamp. Das Preis-Buchwert-Verhältnis zum Beispiel setzt die Marktkapitalisierung einer Aktie mit dem in der Bilanz ausgewiesenen Eigenkapital in Relation: Es ist damit ein Gradmesser dafür, was der Markt für die Substanz eines Unternehmens bezahlt. Besonders für zyklische Werte wie die der Chemie- oder Automobilindustrie, die stark von der Konjunkturentwicklung abhängig sind, sei das Preis-Buchwert-Verhältnis in Rezessionszeiten eine sinnvolle Bewertungsgröße - sie greife auch dann, wenn Unternehmen kurzfristig in die Verlustzone fallen.

Viele zyklische Aktien notieren derzeit in der Nähe oder sogar unter ihrem Buchwert. Normal sei aber ein anderthalbfacher bis zweifacher Buchwert. Bei BASF Chart zeigen liege der Buchwert bei rund 20 Euro je Aktie, bei Siemens Chart zeigen bei rund 40 Euro je Aktie. Beide Titel haben sich in den vergangenen Monaten immer dann wieder stabilisiert, wenn der Kurs in die Richtung des Buchwerts gefallen war: Offenbar greifen bei dieser Marke verstärkt Investoren zu, die davon ausgehen, dass die betroffenen Unternehmen die Rezession überstehen und in Zukunft wieder deutlich höhere Gewinne schreiben.

Die Aktie von BMW Chart zeigen sei derzeit am Aktienmarkt sogar nur mit dem 0,7-Fachen des Buchwerts bewertet, sagt Hürkamp. "Eine solche Bewertung hat man nur in wirklich tiefen Rezessionsphasen." Aus diesem Grund kauften langfristig orientierte Investoren Aktien von BMW, obwohl das KGV derzeit sehr hoch ist und die Gewinnerwartungen kurzfristig auch nicht rosig sind.

Viele Investoren, die derzeit in den Markt einsteigen, setzen zudem darauf, dass die milliardenschweren Programme von Politik und Notenbank vielleicht doch noch bereits in diesem Jahr greifen werden. Eine Überzeugung, zu der aktuell wohl auch Mut gehört, wie ein anderer Marktteilnehmer verdeutlicht: "Das ist eine echte Wette der Märkte gegen die realen Wirtschaftsdaten, die immer noch negativ sind."



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