Kursminus Air Berlin verpatzt den Börsengang

Die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft Air Berlin hatte heute ihr Börsendebüt - und patzte. Obwohl der Emissionspreis von zwölf Euro je Aktie von Analysten als niedrig eingeschätzt wurde, sank der Kurs. Das Papier schloss im Tagestief.


Frankfurt am Main - Der erste Kurs der Air-Berlin-Aktie lag mit 12,65 Euro zwar um 5,4 Prozent über dem Ausgabekurs von zwölf Euro. Im Verlauf des Tages allerdings wurden diese Gewinne jedoch wieder geschmälert - der Aktienkurs rutschte unter den Ausgabepreis. Das Papier beendete den Handel mit 11,25 Euro - ein Minus von mehr als sechs Prozent und zugleich Tagestief.

Air-Berlin-Chef Hunold mit Flugbegleiterinnen: Zufrieden trotz Minus am ersten Börsentag
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Air-Berlin-Chef Hunold mit Flugbegleiterinnen: Zufrieden trotz Minus am ersten Börsentag

Dennoch zeigte sich Air-Berlin-Chef Joachim Hunold erleichtert darüber, dass der Sprung aufs Börsenparkett im zweiten Anlauf gelungen sei. "Ich bin sehr zufrieden. Jetzt können wir in die Zukunft gucken und wachsen", sagte er. Trotz der geringeren Einnahmen aus dem Börsengang sei er zuversichtlich, die gesteckten Ziele zu erreichen.

Viele Finanzmarktexperten trauen dem Air-Berlin-Papier vorerst keine Höhenflüge zu. "Viel Luft ist in der Aktie nicht drin", sagte Analyst Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler. HVB-Kollege Uwe Weinreich sieht die Aktien allerdings als günstig an. "Das Umfeld der europäischen Airlines hilft Air Berlin derzeit nicht, da in der aktuellen Quartalsberichtssaison wegen hoher Treibstoffkosten mit Ergebnisrückgängen bei den Airlines gerechnet werden muss", sagte er.

Beim Börsenstart wurden vor allem große Aktienpakete von professionellen Investoren gezeichnet. Die Air-Berlin-Geschäftsführung sieht damit eine stabile Aktionärsstruktur garantiert. Zu den Investoren gehören die Fondsgesellschaften DWS, Union Investment, Cominvest, Fidelity und J.P. Morgan. Sie halten jeweils Pakete zwischen 3,5 Prozent und vier Prozent. Insgesamt vereinen institutionelle Anleger nun rund 90 Prozent der ausgegebenen Aktien auf sich. Der Rest liegt in privater Hand. Der Streubesitz beläuft sich auf 71 Prozent.

Einige hundert Millionen Euro weniger Einnahmen

Im Vorfeld des Börsenganges hatte Air Berlin den Investoren umfangreiche Zugeständnisse eingeräumt. Zum einen wurde der Preis der Aktien um 20 Prozent reduziert: Air Berlin wollte ihre Aktien zunächst in einer Spanne zwischen 15 und 17,50 Euro verkaufen, bot sie aber wegen eines zu geringen Interessen im zweiten Anlauf zu 11,50 bis 14,50 Euro an. Erst dann gab es eine zweifache Überzeichnung. Damit beträgt das Emissionsvolumen 510 Millionen Euro. Zugeteilt wurden 36.956.521 Aktien zuzüglich 5.543.479 Aktien im Rahmen der Mehrzuteilungsoption.

Zum anderen wurde die Zahl der angebotenen Anteilsscheine um 15 Prozent zurückgenommen. Begründet wurde diese Entwicklung mit einem angespannten Marktumfeld. Dieses sei von den hohen Ölpreisen hervorgerufen worden. Eigentlich war der Börsengang bereits für vergangenen Freitag vorgesehen, wurde dann aber auf heute verschoben.

Der Luftfahrtgesellschaft fließen aus der im Rahmen des Börsengangs beschlossenen Kapitalerhöhung brutto rund 234,8 Millionen Euro zu. Der Nettoemissionserlös wurde mit 194,8 Millionen Euro beziffert. Air-Berlin-Chef Hunold hatte ursprünglich mit 400 Millionen Euro gerechnet.

Nun will er die Wachstumsstrategie "ohne Abstriche" umsetzen. Dazu gehören der Aufbau neuer Strecken und die Finanzierung von Flugzeugen. Hunold bleibt mit 3,4 Prozent beteiligt und hat eine Haltefrist von 18 Monaten zugesagt. Die anderen Altaktionäre wollen zumindest sechs Monate an Bord bleiben.

kaz/Dow Jones/Reuters



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