Kursplus US-Notenbank verschafft den Börsen eine Atempause

Der US-Kreditkrise zum Trotz: Die Börsen haben die Talfahrt der vergangenen Tage gestoppt, nachdem die Federal Reserve überraschend einen Leitzinssatz gesenkt hat. An der Wall Street zeigte die Kurve nach oben - auch die deutschen Aktienindizes schlossen im Plus.


Hamburg - Versöhnliches Ende einer hektischen Börsenwoche: Mit einem kollektiven Seufzer der Erleichterung und starken Kursgewinnen haben die Aktienmärkte in Europa und New York auf die überraschende Senkung des US-Diskontsatzes reagiert. Der Dax Chart zeigen, der am Morgen noch unter die Marke von 7200 Punkte gerutscht war, kletterte nach der US-Zinsentscheidung binnen weniger Minuten steil nach oben und lag zeitweise bei 7498 Punkten mit rund 2,4 Prozent im Plus. Er schloss bei 1,49 Prozent mit 7378 Zählern.

Schnäppchenjäger deckten sich auf dem deutschen Aktienmarkt vor allem mit den zuletzt arg gebeutelten Finanzwerten ein, wo es ein wahres Kursfeuerwerk gab und die Kurse teils um fünf Prozent und mehr stiegen. Zum Schluss lag das Plus nach Gewinnmitnahmen nicht mehr ganz so hoch. An der Spitze der Liste der Gewinner standen Commerzbank Chart zeigen (plus 4,4 Prozent), Postbank Chart zeigen (4,0 Prozent) und Hypo Real Estate Chart zeigen (3,9 Prozent). Die Aktie der Deutschen Börse Chart zeigen legte 2,4 Prozent zu. Hier dürfte zudem das Übernahmeangebot der Börse Dubai für die skandinavische Börsenbetreiberin OMX neue Fusionsfantasien für die Branche geweckt haben. Die Aktie lag zwischenzeitlich knapp 5 Prozent im Plus.

Der MDax Chart zeigen notierte praktisch unverändert (minus 0,01 Prozent) bei 9507 Punkten. Der TecDax Chart zeigen kam 1,3 Prozent auf 844 Punkte voran. Kurssprünge verzeichneten ebenfalls die Börsen in London und Paris.

Risiko für das US-amerikanische Wachstum

Die Wall Street reagierte zum Handelsbeginn mit einem Sprung nach oben: Der Dow-Jones-Index Chart zeigen der 30 führenden Industriewerte schnellte in den ersten zehn Handelsminuten über 300 Punkte nach oben und überwand die psychologisch wichtige Marke von 13.000 Punkten. Später gab der Index wieder einen Teil seiner Gewinne ab und notierte am Vormittag (Ortszeit) mit 1,2 Prozent im Plus bei 12.994 Zählern.

Die US-Notenbank hatte mit Hinweis auf die jüngsten Turbulenzen an den Finanzmärkten und ein "deutlich gewachsenes Risiko für das Wachstum" der amerikanischen Wirtschaft den Diskontsatz, zu dem sich die Geschäftsbanken Geld bei der Zentralbank leihen können, um einen halben Prozentpunkt auf 5,75 Prozent gesenkt. Es war das bislang deutlichste Signal, das die Fed zur Beruhigung der von der US-Hypothekenkrise aufgewühlten Finanzmärkte ausgesandt hat.

Aktienhändler in Frankfurt: Ruhiges Ende einer turbulenten Börsenwoche
REUTERS

Aktienhändler in Frankfurt: Ruhiges Ende einer turbulenten Börsenwoche

Die wichtigere Fed Funds Rate, der Tageszinssatz für Leihgeschäfte der amerikanischen Finanzinstitute untereinander, bleibt aber weiter bei 5,25 Prozent. Beobachter halten es für möglich, dass die Notenbank im September diesen entscheidenden Leitzins senkt, sollte die Negativentwicklung an den Finanzmärkten anhalten.

Der Euro Chart zeigen legte gegenüber dem Dollar etwas zu. Der Referenzkurs wurde bei 1,3454 nach 1,3405 Dollar am Vortag festgesetzt.

In Tokio standen die Zeichen dagegen auf Sturm. Der Nikkei-Index Chart zeigen stürzte um mehr als fünf Prozent ab. Belastet wurde der japanische Aktienmarkt zudem dadurch, dass der Dollar gegenüber dem Yen auf den tiefsten Stand seit Juni 2006 gefallen ist. Ein hoher Yen-Kurs verteuert die japanischen Ausfuhrartikel, weshalb besonders die exportorientierten Werte Abschläge hinnehmen mussten.

Der Nikkei-Index schloss, bevor die US-Notenbank ihre Zinsentscheidung bekannt gab, bei 15.274 Punkten. Das war der niedrigste Schlusskurs seit dem 7. August 2006.

kaz/AP/dpa

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