Kursrallye Anleger im Kaufrausch

Euphorie im Technologiesektor und gute US-Konjunkturdaten haben für eine fulminante Kursrallye gesorgt. Dax und Nemax verbuchten satte Gewinne. Infineon, Epcos und Siemens legten zweistellig zu. Die US-Börsen klettern weiter.


Zufriedene Mine: Händler an der Frankfurter Börse
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Zufriedene Mine: Händler an der Frankfurter Börse

Frankfurt am Main - Nach den optimistischen Äußerungen von Schwergewichten wie Cisco, Intel und Oracle steigerte sich die gute Stimmung im Hightechsektor am Mittwoch zur Euphorie: Die vorsichtige Preiserholung im Chipsektor ließ besonders die Hersteller von Speicherchips zu Höhenflügen ansetzen.

Als am Nachmittag auch noch der Nationale Index der Einkaufsmanager (NAPM-Index) im nicht verarbeitenden Gewerbe der USA deutlich stärker als erwartet ausfiel, sprang der Funke auch auf die anderen Branchen über: Ein Indexstand von 51,3 spreche "klar gegen eine Rezession", sagten Händler. Der Dow Jones hatte die Marke von 10.000 Punkten bereits kurz nach Handelseröffnung durchbrochen und notierte um 20 Uhr MEZ mit 161 Punkten (1,6 Prozent) im Plus bei 10.055 Zählern. Die Technologiebörse Nasdaq durchbrach zum ersten Mal seit fünf Monaten die Marke von 2000 Zählern und verzeichnete gegen 20 Uhr ein Plus von 3,3 Prozent.

Dax und Nemax mit satten Gewinnen

Bei deutlich gestiegenen Umsätzen erreichte der Dax bis Handelsschluss ein Plus von 248 Punkten (5 Prozent) auf 5262 Zähler und schloss nur knapp unter Tageshoch. Der Nemax 50 legte um satte 6,9 Prozent auf 1327 Punkte zu. Anleger verabschiedeten sich aus Anleihen und schichteten auch von defensiven Werten aus der zweiten Reihe in Hightechwerte um. Der Nebenwerte-Index M-Dax gab deshalb leicht nach.

Siemens-Familie im Formations-Höhenflug

Größte Gewinner im Dax waren Infineon (plus 17,4 Prozent auf 28,24 Euro), Epcos (plus 12,5 Prozent auf 58,30 Euro) und Siemens (plus 9,9 Prozent auf 73,65 Euro). Bereits am Vormittag hatte Infineon von der Nachricht profitiert, dass er gemeinsam mit dem japanischen Elektronikkonzern Toshiba Produkte für den mobilen Datenübertragungs-Standard Bluetooth entwickeln will. Hinzu kamen die steigenden Preise für Speicherchips und am Nachmittag die Nachricht, dass Konzernmutter Siemens seinen Anteil an der Chiptochter unter 50 Prozent drückt und damit schrittweise in die Selbständigkeit entläßt. Siemens stellt morgen detailliert seine Jahresbilanz vor.

T-Aktie über 20 Euro

Auch das Kursplus bei SAP konnte sich mit 8,6 Prozent auf 156,11 Euro sehen lassen. Die Aktie der Deutschen Telekom (plus 6 Prozent) ist wieder mehr als 20 Euro wert. Auch die Aktie von BMW zeigte sich einen Tag nach dem Abschied von Unternehmenslenker Joachim Milberg sehr fest. Die Aktie legte ebenso wie die Papiere von Volkswagen mehr als 6 Prozent zu.

Streit hält an: Hat die Erholung Substanz?

Die Hoffnung auf eine US-Konjunkturbelebung und eine Verbesserung der Unternehmensgewinne im kommenden Jahr, aber vor allem die Geldschwemme der amerikanischen Notenbank mit extrem niedrigen US-Zinsen hätten die Kurse in die Höhe getrieben, erklärten Händler. Die Wall Street erhoffe auch baldige neue fiskalpolitische Anreize Washingtons.

Baisse-Vertreter verweisen hingegen auf einen "übertriebenen Kursanstieg während der letzten Wochen". Sie führen rasant steigenden Arbeitslosenzahlen, die derzeit schwache US-Unternehmensgewinne, einen möglichen stärkeren konjunkturellen Rückschlag und das derzeit hohe Kursgewinn-Verhältnis amerikanischer Aktien als Argumente an.

Neuer Markt: Und läuft und läuft ...

Der Nemax 50 baute mit Hilfe der starken Nasdaq am Nachmittag sein Plus immer weiter aus und schloss 6,7 Prozent fester. Mit einem Wertzuwachs von jeweils rund 20 Prozent gehörten die Akien des US-Softwareunternehmens Broadvision , der Chip-Broker ce Consumer sowie sein Konkurrent ACG zu den Spitzenwerten. CE Consumer hat seine reduzierte Jahresumsatzprognose von 700 Millionen Mark bereits nach elf Monaten erreicht. Doch auch hier spielte die Preiserholung bei Chips die entscheidende Rolle.

Euro schwächer

Deutlich unter Druck stand der Rentenmarkt. Der Bund-Future verlor bis zum Abend 1,5 Prozent. Für den Euro ging es nach den starken US-Konjunkturdaten weiter abwärts: Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs für den Euro bei 0,8919 (Dienstag: 0,8902) US-Dollar fest. Am Abend notierte die Gemeinschaftswährung nur noch bei 0,8861 Dollar.



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