Kursrutsch Angst an den Aktienmärkten

Der Dax kann am Nachmittag nach neuen US-Konjunkturdaten seine Verluste etwas reduzieren, steht aber noch im tiefroten Bereich. Regelrechte Ausverkaufsstimmung herrscht im MDax und TecDax. Anleger stoßen vor allem Solarwerte ab.


Frankfurt am Main - Sollten noch irgendwo Gewinne in den Büchern stehen, dann streichen Anleger sie spätestens heute ein. Der Dax Chart zeigen kann zwar nach US-Konjunkturdaten seine Verluste verringern, steht aber am Nachmittag noch mit 1,9 Prozent auf 5292 Zähler im tiefroten Bereich. Gegen Mittag betrugen die Verluste noch 2,4 Prozent auf 5267 Punkte.

Auch der MDax Chart zeigen kann sein Minus leicht verringern und verbucht zuletzt noch einen Abschlag von 3,6 Prozent auf 7279 Zähler. Der TecDax Chart zeigen steht am Nachmittag mit rund 4 Prozent im roten Bereich.

"Angst vor steigenden Zinsen"

"Der Markt hat Angst vor weiter steigenden Zinsen. Dazu kommt die Angst, dass dies die Konjunktur abschwächen könnte", sagt Marktstratege Markus Reinwand von Helaba Trust. Mit einer Korrektur habe der Markt nach den deutlichen Kursgewinnen der vergangenen Monate zwar gerechnet. "Beeindruckend ist aber das Tempo und das Ausmaß. Wir denken schon, dass das eine Trendwende ist." Kai Stefani von der Fondsgesellschaft Dit erklärt den anhaltenden Kursrutsch als Reaktion auf den langen Höhenflug. "Fundamental spricht alles für Aktien. Aber so eine Korrektur trübt die Stimmung schon."

Die Produzentenpreise gewerblicher Produkte in den USA sind im Mai wegen höherer Energiekosten gestiegen. Die Erzeugerpreise seien um 0,2 Prozent zum Vormonat geklettert, teilt das US-Arbeitsministerium am Dienstag in Washington mit. Im Vormonat hatte der Preisanstieg noch 0,9 Prozent betragen. "Damit werden die Sorgen vor einer weiter steigenden Inflation und folgenden Zinserhöhungen etwas gedämpft", sagt ein Marktteilnehmer.

Nur Schering-Aktien können punkten

Einziger Gewinner im Dax sind heute die Papiere von Schering Chart zeigen, die um 0,80 Prozent steigen. Merck Chart zeigen hält inzwischen mehr als 20 Prozent an dem Berliner Pharmakonzern. Damit fehlen dem Darmstädter Konkurrenten etwas mehr als 4 Prozent, um Bayer Chart zeigen bei der Schering-Übernahme einen Strich durch die Rechnung zu machen. Bayer erwägt eigenen Angaben zufolge, Schering-Aktien auch über dem Angebotspreis von 86 Euro zu kaufen.

Die Titel von Bayer rutschen um rund 4 Prozent ab. Aktien von Merck geben im Nebenwerteindex MDax Chart zeigen ebenfalls 4 Prozent ab und fallen damit deutlich unter die Marke von 70 Euro.

Papiere der Deutschen Börse Chart zeigen verbilligen sich zuletzt um mehr als 4 Prozent auf rund 95 Euro verbilligen. Der Frankfurter Börsenbetreiber erwägt nach Aussagen einer mit den Gesprächen vertrauten Person keine Aufstockung des Übernahmeangebots für die Euronext Chart zeigen. "Entweder wird die Übernahme sehr teuer oder sie bekommen Euronext gar nicht", sagte ein Händler. "Das ist kein gutes Umfeld für die Aktie."

Finanzwerte auf den Verkaufslisten

Unter Druck stehen auch Finanzwerte. Deutsche Bank Chart zeigen verlieren bis zu 4 Prozent, Commerzbank Chart zeigen bis zu fast fünf Prozent und der Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate Chart zeigen bis zu 4,5 Prozent. "Die Anleger fürchten, dass die Banken den Zenit ihrer Gewinnentwicklung in diesem Jahr überschritten haben", sagte ein Händler. "Ich denke, das zweite Quartal wird schlecht ausgefallen sein, denn auf der Handelsseite werden viele bei dieser Kursentwicklung Federn gelassen haben." Hypo Real Estate leide unter der Erwartung steigender Zinsen, was das Hypothekengeschäft dämpfen könnte.

Im TecDax Chart zeigen präsentierten sich insbesondere Solarwerte schwach. So rutschten Conergy Chart zeigen nach dem Aktiensplit vom Vortag um rund 10 Prozent auf 37,75 Euro ab. Solon Chart zeigen verbilligen sich um mehr als 7 Prozent auf 33,57 Euro. Solarworld Chart zeigen verlieren knapp 8 Prozent auf 44 Euro. Ersol Chart zeigen und Q-Cells verlieren jeweils rund 4 Prozent. Neue Nachrichten gibt es für den Sektor laut Marktteilnehmern jedoch nicht.

Anleger flüchten in festverzinsliche Papiere

Während die Aktienkurse in den Keller gehen, flüchten Anleger in die als sicher geltenden festverzinslichen Papiere und treiben somit die Kurse der europäischen Staatsanleihen am Dienstag kräftig nach oben. Zusätzliche Unterstützung erhalten die Renten von einer Eintrübung der Konjunkturerwartungen für Deutschland. "Die hohe Nervosität am Aktienmarkt spiegelt sich in den Renten wieder", sagt ein Händler. "Man fragt sich jetzt halt, ob in den Aktien nicht zu viel Konjunkturoptimismus eingepreist war."

Der für die europäischen Rentenmärkte richtungweisende Bund-Future klettert gegen Mittag in der Spitze um 57 Ticks auf 117,26 Zähler. Die dem Bund-Future zugrunde liegende zehnjährige Bundesanleihe klettert 45 Ticks auf 101,24 Stellen und rentierte mit 3,859 Prozent so niedrig wie seit Anfang April nicht mehr.

itz/mm.de



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