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27. Februar 2007, 15:51 Uhr

Kurssturz in Shanghai

Crash in China lässt die Weltbörsen wackeln

Schwarzer Dienstag an der Börse in Shanghai: Fast neun Prozent stürzten die Aktienkurse in die Tiefe. Weltweit bröckelten anschließend die Kurse. Investoren befürchten, dass in China eine gewaltige Spekulations-Blase platzen könnte.

Hamburg - Ein Kurseinbruch an der chinesischen Börse und Warnungen des früheren US-Notenbankchefs Alan Greenspan vor einer Rezession in den USA haben heute die Anleger weltweit verunsichert. Nach den kräftigen Kursgewinnen der vergangenen Monate machten viele Investoren daher mit Aktien Kasse. Als sicheren Anlagehafen steuerten sie die als weniger riskant geltenden Staatsanleihen an. Am Devisenmarkt geriet der Dollar unter Druck. "Die Investoren sind verunsichert und fürchten, in China könnte eine Blase platzen", sagte ein Händler in Frankfurt.

Kurstafel an Shanghaier Börse: Größter Einbruch seit zehn Jahren an einem Tag
REUTERS

Kurstafel an Shanghaier Börse: Größter Einbruch seit zehn Jahren an einem Tag

In China brachen die Kurse an der wichtigsten Börse in Shanghai um fast neun Prozent ein. Das war in Prozent gerechnet der größte Kurseinbruch seit Februar 1997. Viele Anleger seien vor der Sitzung des Volkskongresses in der nächsten Woche nervös, sagten Börsianer, die für den starken Kursrutsch keine konkrete Erklärung hatten. Es wird erwartet, dass Chinas Parlament einige marktfreundliche Gesetze verabschiedet, was in den Kursen aber schon weitgehend berücksichtigt war. Viele fürchteten nun, dass das Potential nach oben ausgeschöpft ist. Auch in Hongkong gaben die Kurse deutlich nach. In Tokio an der asiatischen Leitbörse verlor der Nikkei -Index relativ moderate 0,5 Prozent.

In Europa setzte sich die Talfahrt an den großen Börsen nahtlos fort. Die pan-europäischen Stoxx -Indizes verloren mehr als ein Prozent. In Frankfurt fielen der Dax und der MDax unter die erst vor wenigen Tagen geknackten Höchststände von 7000 beziehungsweise 10.000 Punkten, es kam zu Gewinnmitnahmen. Der Dax schloss knapp drei Prozent im Minus bei 6819,65 Punkten, der MDax gab 4,7 Prozent auf 9784,67 Punkte nach. Der TecDax brach um 6,23 Prozent auf 817 Punkte ein.

Verkauft wurden im Dax vor allem die Aktien des Stahlproduzenten ThyssenKrupp , die fünf Prozent an Wert verloren. "Wenn sich die chinesische Wirtschaft abkühlen sollte, dann drückt das natürlich auf den Stahlpreise", sagte ein Händler.

Die Londoner Börse wurde vor allem vom der Einbruch der Bergbauwerte belastet. Einige Minengesellschaften seien angesichts der Rohstoff-Hausse der vergangenen Jahre besonders stark von der Entwicklung in China abhängig. Die Aktien des weltgrößten Bergbaukonzerns BHP Billiton verloren rund fünf Prozent an Wert. "Eine Abkühlung der chinesischen Wirtschaft könnte eine geringere Nachfrage nach Basismetallen bedeuten", sagte Rohstoffexperte Peter Fertig von Dresdner Kleinwort.

Unsicherheit über die weitere Konjunkturentwicklung in den USA - der weltgrößten Volkswirtschaft - belastete vor allem auch den Dollar-Kurs. Der frühere US-Notenbankchef Greenspan, der vor einem Jahr nach fast zwei Jahrzehnten an der Spitze der US-Notenbank Fed von Ben Bernanke abgelöst worden war, hatte am Vortag einem Agenturbericht zufolge erklärt, es sei möglich, dass die US-Wirtschaft gegen Ende des Jahres in die Rezession rutsche. Der Euro stieg um einen halben US-Cent auf ein Zwei-Monatshoch von 1,3230 Dollar.

kaz/Reuters

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