Kurssturz Ölpreisrekord und Kreditkrise drücken Börsenkurse

Öl ist so teuer wie nie, die US-Kreditkrise kommt zurück: Die deutschen Aktienmärkte sacken ab. Der Dax erreichte zeitweise ein neues Jahrestief - und Analysten erwarten keine schnelle Erholung.

Frankfurt am Main - Der Dax   verlor am Mittag 2,6 Prozent und stand bei nur noch 6139 Punkten. Damit erreichte der deutsche Leitindex vorübergehend ein neues Jahrestief. Gegenüber dem Jahresbestwert vom Januar hat der Dax damit satte 22 Prozent verloren. Mittlerweile hat der Leitindex sich jedoch wieder ein wenig erholt und notiert nun bei 6166 Punkten.

"Wir haben Rekordstände beim Öl und eine weiterhin sehr schwierige Lage im Finanzsektor", begründete Analyst Christian Schmidt von der Helaba den Kurssturz. Der Markt sei jetzt sehr angeschlagen, und man könne davon ausgehen, dass sich die Abwärtsbewegung fortsetzen wird.

Der Preis für ein Fass Leichtöl der US-Referenzsorte West Texas Intermediate (WTI) stieg auf ein neues Rekordhoch von 146,90 Dollar je Barrel (159 Liter). Vor allem die Aktien der Automobilhersteller gerieten deshalb unter Druck. So gaben die Papiere von Volkswagen   zeitweise um 2,42 Prozent auf 165,79 Euro nach, Daimler-Aktien   sanken um 1,63 Prozent auf 68,12 Euro. Auch Titel der Lufthansa   fielen wegen des Ölpreisanstiegs um 3,82 Prozent auf 13,59 Euro.

Der Euro wurde am Nachmittag fester zu 1,5915 Dollar gehandelt. Damit peilt die Gemeinschaftswährung ihre Rekordmarke von 1,60 Dollar an. Die Sorgen um den Immobilienmarkt und das gesamte Finanzsystem in den USA lasteten unverändert auf der US-Währung, teilten Analysten mit. In New York stürzten vorbörslich die Aktienkurse der angeschlagenen Hypothekenbanken Fannie Mae und Freddie Mac um 17 beziehungsweise 21 Prozent ab.

Beide Firmen haben Schuldverschreibungen im Volumen von insgesamt fünf Billionen Dollar in ihren Büchern, was mehr als einem Drittel des US-Bruttoinlandsprodukts entspricht. Die US-Administration will einen möglichen Kollaps der beiden Institute mit allen Mitteln verhindern und schließt offenbar auch eine Verstaatlichung nicht aus, wie die "New York Times" unter Berufung auf Regierungskreise berichtete.

"Das einzig Positive an einem derart drastischen Vorgehen ist, dass die US-Regierung alles daran setzt, dem Finanzsystem zu helfen", sagte Chefanlagestratege Albert Hung von Alleron Investment Management in Sydney. "Ein solch heftiger Schritt kann lediglich kurzfristig Erleichterung verschaffen und wird langfristig keine Heilung sein."

suc/Reuters/dpa-AFX

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