Kursverfall Käuferstreik am Neuen Markt

Immer neue Negativmeldungen und immer neue Tiefstände treiben Anleger aus den Wachstumswerten in die Old Economy. Schlechte Nachrichten wird es weiter geben; die Zeit der Rekordtiefs ist jedoch bald vorbei, schätzen Analysten.

Von Annegret Loges


Neuer Markt: Schlechte Nachrichten und kein Ende
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Neuer Markt: Schlechte Nachrichten und kein Ende

Frankfurt am Main - "Es gibt kein Interesse mehr an der Börse. Die Leute haben sich genug die Finger verbrannt", kommentierte der Aktienhändler René Parmantier von der Frankfurter Gontard und Metallbank die Verluste. Nemax 50 und Nemax All Share pendeln momentan um ihre Jahrestiefstände herum.

Auch am Donnerstag besserte sich die Stimmung nicht. "Das Gute an der aktuellen Situation ist, dass alle Beobachter sehr negativ eingestellt sind", urteilt Neuer-Markt-Analyst Stefan Schießer von der SGZ-Bank. "Das spricht für eine Bodenbildung." Im ersten Halbjahr sei trotzdem keine nachhaltige Erholung zu erwarten. Und auch in der zweiten Hälfte des Jahres sei ein Aufschwung nur möglich, wenn sich bei den IT-Unternehmen die Nachrichtenlage verbessere.

Bei vielen Stars und Sternchen ist allerdings alle Hoffnung auf bessere Kurse vergebens. "Der Zugang zu den Kapitalmärkten ist momentan verstopft", sagt Schießer. "Da wird es in diesem Jahr einige erwischen, mehr noch als im vergangenen Jahr." Firmenpleiten sieht der Neue-Markt-Experte am ehesten auf den Internet- und den Software-Sektor zukommen. Bei den Technologiewerten sollte der Anleger nur noch auf die großen Marktführer setzen.

"Auch bei den Medienwerten muss man ganz stark differenzieren", sagt SGZ-Kollege Matthias Frasch. "All die kleinen Lizenzhändler sind mit ihren Einnahmen aus dem Börsengang in Hollywood auf Einkaufstour gegangen." Dabei habe man sich blauäugig Filme überteuert andrehen lassen, die Wertschöpfungskette nicht richtig durchkalkuliert. Aufgrund der Senderkonzentration mit Bertelsmann und der KirchGruppe würden die kleinen Lizenzhändler zerquetscht. "Da sind höchstens noch Zusammenschlüsse möglich."



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