Studie Kurzarbeit sicherte 2,2 Millionen Arbeitsplätze

Im Unterschied zu anderen Industriestaaten kam die deutsche Wirtschaft in der Coronakrise bislang weitgehend ohne Kündigungen aus. Einen entscheidenden Grund dafür sehen Forscher in der Kurzarbeit.
Vorübergehend stillgelegte Flugzeuge der Lufthansa: »Super Sache«

Vorübergehend stillgelegte Flugzeuge der Lufthansa: »Super Sache«

Foto: Christophe Gateau / dpa

Die Bundesregierung hat durch Kurzarbeit auf dem Höhepunkt der Krise 2,2 Millionen Jobs gesichert. Das geht laut einem Bericht der »Süddeutschen Zeitung« aus einer Studie des Instituts für Makroökonomie (IMK) und der Universitäten Kiel und Münster hervor. Demnach sicherte das Instrument sechsmal so viele Stellen wie in der Finanzkrise 2008/2009. »Das deutsche Modell der Kurzarbeit ist eine super Sache«, sagte der Ökonom Andreas Peichl vom Ifo-Institut gegenüber der »Süddeutschen Zeitung«. Die Studie sei eine plausible Hochrechnung. »Mehrere Staaten haben es inzwischen kopiert.«

Die Forscher hatten die geretteten Jobs aus der Zahl der gekürzten Arbeitsstunden hochgerechnet. Die Zahl gesicherter Jobs habe gezeigt, wie schlimm es durch die Pandemie am Arbeitsmarkt ohne Kurzarbeit hätte kommen können. In manch früherer Krise verdoppelte sich die Arbeitslosenzahl. 2020 stieg sie dagegen nur von 2,3 auf 2,7 Millionen.

Dabei seien die Rahmenbedingungen diesmal ungünstiger gewesen als während der Finanzkrise. Damals brach die Wirtschaft durch den Lehman-Crash mitten in einer Hochkonjunktur ein. Entsprechend viele Stunden hatten die Beschäftigten in der Industrie auf Arbeitszeitkonten angesammelt. Die Unternehmen konnten einen Teil der Krise bewältigen, indem sie einfach diese Stunden abbauten und den Mitarbeitern freigaben. Zu Beginn der Coronapandemie befand sich die deutsche Industrie jedoch bereits in einer Rezession. Entsprechend leer waren die Arbeitszeitkonten. Außerdem traf der Wirtschaftseinbruch diesmal anders als in der Finanzkrise viele Dienstleister wie Restaurants und Geschäfte, bei denen Arbeitszeitkonten weniger verbreitet sind.

Die Regierung hatte die Zuschüsse für die ausgeweitete Kurzarbeit im Sommer 2020 trotz Kritik auf dieses Jahr verlängert. Die IMK-Untersuchung zeige allerdings auch, dass etliche Beschäftigte trotzdem sehr starke finanzielle Einbußen hätten hinnehmen müssen. Während in der Finanzkrise 2008/2009 vor allem durch Tarifverträge abgesicherte Industriebeschäftigte in Kurzarbeit geschickt worden seien, seien es diesmal auch schlechter bezahlte Mitarbeiter von Dienstleistern wie Restaurants oder Geschäften. Ein Singlehaushalt habe trotz Kurzarbeitergelds zum Höhepunkt der Krise im April 2020 im Schnitt auf ein Fünftel seines Einkommens verzichten müssen, doppelt so viel wie in der Finanzkrise. In den Branchen Kultur und Gastgewerbe hätten die Einbußen bei durchschnittlich 30 Prozent gelegen.

mik/Reuters
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.