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LANDESBANKEN Lästige Partner

Die Westdeutsche Landesbank will das Leasing-Geschäft ihrer Tochtergesellschaft DAL einschränken - die Risiken werden zu groß. *
aus DER SPIEGEL 39/1983

Stundenlang tagten die Aufsichtsräte der Deutschen Anlagen-Leasing (DAL) in der Landesbank Rheinland-Pfalz. Dann wollten sie sich mit dem Vorstand der DAL zusammensetzen, um beim Abendessen die künftige Geschäftspolitik zu bereden.

Doch DAL-Chef Günter Zöller und seine Vorstandskollegen lehnten ab. Aus Wut über die »brutalen Beschlüsse« ihrer Aufsichtsräte (so ein Zöller-Mitarbeiter) zogen sie sich zu einem alkoholreichen Gelage ins Mainzer Hilton-Hotel zurück.

Sie hatten erfahren, daß der Aufsichtsrat die DAL, Europas größte Leasing-Firma, auf Schrumpfkurs bringen will. Weil Verluste drohen, soll die Gesellschaft keine neuen großen Risiken eingehen - jedenfalls nicht ohne ausdrückliche Zustimmung ihrer Banken. Da waren sich Zöller und seine vier Kollegen einig: Wenn der Aufsichtsrat diese Pläne durchsetzt, tritt der Vorstand zurück.

Erst brachte Zöller noch sein jährliches Golfturnier in Bad Ems zu Ende, dann schickte er seinen Fahrer mit der Rücktrittsdrohung zur Westdeutschen Landesbank (WestLB) nach Düsseldorf. Mit einem Kapitalanteil von 30 Prozent ist die WestLB größter DAL-Gesellschafter und stellt mit Heinrich Viefers auch den Aufsichtsratschef.

Mit so hartem Widerstand gegen seine Pläne hatte Viefers nicht gerechnet. Seit Wochen schon müht er sich mit den Kollegen von der rheinland-pfälzischen Landesbank (DAL-Anteil 26,7 Prozent) sowie der Hessischen und der Bayerischen Landesbank (jeweils 16,7 Prozent) um eine Kurskorrektur bei der schlingernden Leasing-Firma.

Insbesondere die Hessische Landesbank und die Dresdner Bank, die als einziger Partner aus dem privaten Bankgewerbe mit zehn Prozent am DAL-Kapital beteiligt ist, sorgen sich um die hohen Risiken und niedrigen Reserven des Mainzer Unternehmens. Flaue Konjunktur und hohe Zinsen, so argumentierten die Teilhaber, sowie die wachsende Zahl von Firmenpleiten könnten sich sehr bald schon unangenehm für die DAL-Gesellschafter auswirken.

In der Tat entdeckten gerade finanzschwache Unternehmen in der Hochzinsphase die Vorteile des Leasing: Die Unternehmen verkaufen Grundstücke oder ganze Fabrik-Anlagen und mieten sie gleichzeitig wieder an - langfristig gebundenes Kapital wird flüssig.

Als erster hatte offenbar WestLB-Chef Friedel Neuber die Tücken des

Geschäfts erkannt. Als er vor zwei Jahren das Amt des WestLB-Chefs antrat, lehnte er es ab, gleichzeitig auch den Vorsitz im DAL-Aufsichtsrat zu übernehmen. Neuber verzichtete auf 120 000 Mark Aufsichtsratstantieme und überließ seinem Kredit-Chef Viefers den Posten bei der DAL.

Schon im Mai vergangenen Jahres bestellte der WestLB-Chef den langjährigen DAL-Boß und Firmengründer Eberhard Kühl zum Rapport nach Düsseldorf. Ihn beunruhigten vor allem die Risiken aus Millionengeschäften mit finanzschwachen Kunden wie Wienerwald und Bauknecht oder mit Pleitefirmen wie dem Ofenhersteller Haas & Sohn.

Als dann ein »Fachherrenausschuß« von Experten der vier Landesbanken die DAL-Objekte zu prüfen begann, reichte Leasing-Pionier Kühl die Kündigung ein. Nach monatelangem Zaudern bestellten die Bankiers den DAL-Vize Günter Zöller zum neuen Chef.

Zuerst spielte Zöller brav mit: Er bremste das riskante Auslandsgeschäft, fusionierte mehrere Tochtergesellschaften und baute sein Personal um 100 Mitarbeiter ab.

Doch als die Minderheitsgesellschafter - die Hessische und die Bayerische Landesbank sowie die Dresdner Bank - aus Furcht vor Ausfällen und Wertberichtigungen die WestLB auf härtere Korrekturen drängten und schließlich mit Kündigung des Gesellschaftervertrages drohten, geriet Zöller in Schwierigkeiten.

Die Bankiers zwangen ihn zu einer Neubewertung sämtlicher Risiko-Projekte. Damit jeder merkte, daß sie es ernst meinten, beauftragten sie zusätzlich die staatliche Treuarbeit mit der Prüfung des Jahresabschlusses, den bislang

allein die Wirtschaftsprüfer der Essener Gesellschaft Karoli besorgt hatten.

Das Ergebnis aller Bemühungen alarmierte die Gesellschafter. Zöller präsentierte seinen Aufsichtsräten für 1982 eine »Zweistufige Risikovorsorge« von insgesamt 140 Millionen Mark sowie, Anfang September, einen vorläufigen Betriebsverlust für 1983 von 25 Millionen Mark.

Die Minderheitseigentümer drängten auf Entscheidung. Auf einer Gesellschafter-Versammlung setzten sie vorvergangene Woche ein Vier-Punkte-Programm durch, das die Zukunft der Leasing-Firma sichern soll.

So forderten die Gesellschafter den Vorstand auf, die Auslandsaktivitäten noch stärker zu straffen. Das Leasing-Geschäft über Steuersparmodelle - oft einträglich, aber anrüchig - soll die DAL ganz einstellen.

Was Zöller an dem neuen Konzept besonders ärgert, ist die kurze Leine, an der ihn die Banken führen wollen. Die DAL soll künftig nicht mehr wie bisher selbst ins Obligo gehen, sondern alle Verträge zunächst mit einem Investitionsausschuß der Banken absprechen, so daß die kreditgebenden Banken das Finanzierungsrisiko genau einschätzen und verbürgen können.

DAL-Chef Zöller wehrt sich gegen den abrupten Kurswechsel, weil er gewinnbringende, wenn auch risikoreiche Geschäftssparten nicht aufgeben will. Allein das Fondsgeschäft steuerte in den letzten Jahren ein Drittel der DAL-Gewinne bei.

»Ich werde«, verkündete der DAL-Chef, »so lange an Bord bleiben, wie ich das verantworten kann und solange man mich läßt.«

In einem fünfseitigen Brief an WestLB-Chef Neuber forderte Zöller den Landesbankier zur »Solidarität der Gesellschafter untereinander« auf. Überdies müsse das Vertrauen zwischen Gesellschaftern und Vorstand wiederhergestellt werden.

Wie das am besten geschehen kann, weiß der DAL-Chef auch. Neuber selbst, so schrieb Zöller dem Landesbankier, sollte den Aufsichtsratsvorsitz übernehmen. Anschließend sollte die WestLB die Anteile der »lästigen Minderheitsgesellschafter« übernehmen.

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