Landesbank HSH Nordbank erstattet Anzeige gegen Ex-Vorstand

Die HSH Nordbank zieht gegen Frank Roth vor Gericht: Die angeschlagene Landesbank sieht ausreichende Hinweise dafür, dass der suspendierte Vorstand Geheimnisverrat begangen hat. Die Hamburger SPD fordert nun einen Austausch der gesamten Führungsspitze.


Hamburg - Ex-Vorstand in Bedrängnis: Die HSH Nordbank hat eine Strafanzeige gegen Frank Roth angekündigt. Sein Arbeitgeber teilte am Freitag mit, es bestehe ein hinreichender Anfangsverdacht, dass Roth "streng vertrauliche, interne Strategieunterlagen" an Dritte weitergegeben habe. Dies sei als unbefugtes Offenbaren von Geschäftsgeheimnissen nach dem Aktiengesetz strafbar.

Frank Roth: Rauswurf nach neun Monaten
HSH Nordbank

Frank Roth: Rauswurf nach neun Monaten

Die Strafanzeige werde noch am Freitag bei der Staatsanwaltschaft Kiel eingereicht. Roth war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Der Vorstand war am Donnerstag mit sofortiger Wirkung beurlaubt worden. Der Aufsichtsrat der Landesbank hatte nach einer eilig einberufenen Sitzung des Kontrollgremiums in einer knappen Mitteilung erklärt, die Zusammenarbeit mit dem 49-Jährigen sei aufgrund bestimmter Sachverhalte "unzumutbar" geworden.

Roth war im Vorstand der HSH Nordbank seit Juli 2008 für die Segmente Revision, Personal und IT sowie weitere kleinere Aufgabenfelder zuständig. Er war erst im Mai 2007 als Generalbevollmächtigter zur HSH Nordbank gekommen und am 1. Juli 2008 in den Vorstand berufen worden. Zuvor war er bei Dresdner Kleinwort in London und der HypoVereinsbank in München.

Die HSH Nordbank hatte sich mit ausländischen Wertpapieren massiv verspekuliert, 2008 fuhr das Institut einen Vorsteuerverlust von 2,8 Milliarden Euro ein. Die Haupteigner Schleswig-Holstein und Hamburg mussten der Bank mit drei Milliarden Euro unter die Arme greifen, um ihr Überleben zu sichern.

Angesichts des Rauswurfs von Roth fordert die Hamburger SPD nun eine Neubesetzung aller Spitzenpositionen in Vorstand und Aufsichtsrat. Diese sei "überfällig", sagte der SPD-Finanzpolitiker Peter Tschentscher. Die mutmaßlichen Hintergründe für Roths Beurlaubung seien ein weiterer Beleg dafür, "dass Aufsichtsrat und Anteilseigner die entscheidenden Fragen der Bank weder im Blick noch im Griff haben". Eine erfolgreiche Fortführung der HSH Nordbank brauche neues Vertrauen, ergänzte Tschentscher.

cte/Reuters/AP/dpa



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