Landesbank Stuhlmann übernimmt die Leitung der WestLB

Stühlerücken bei der WestLB: Die Landesbank trennt sich von ihrem Vorstandschef Fischer und von Risikovorstand van den Adel. Die Konzernführung übernimmt mit sofortiger Wirkung der frühere Chef der HSH Nordbank, Alexander Stuhlmann. Der 59-jährige sieht sich allerdings nur als Übergangslösung.


Düsseldorf - Aufsichtsratschef Rolf Gerlach teilte die Personalie im Anschluss an eine außerordentliche Sitzung des Kontrollgremiums mit. Die WestLB zieht damit die Konsequenzen aus dem Skandal um millionenschwere Spekulationsverluste.

Neuer West-LB-Chef Stuhlmann: Die Bank in ruhiges Fahrwasser führen
REUTERS

Neuer West-LB-Chef Stuhlmann: Die Bank in ruhiges Fahrwasser führen

Die drittgrößte deutsche Landesbank war wegen millionenschwerer Fehlspekulationen im Eigenhandel unter Druck geraten, die in der Folge zu Verlusten von bislang 243 Millionen Euro führten.

Neben Fischer wird nun auch ein weiterer Vorstand mit sofortiger Wirkung aus der Chefetage abberufen. Dabei handelt es sich um Risikomanager Matthijs van den Adel. Im Vorfeld hatte die Finanzaufsicht BaFin Fischers Rücktritt gefordert und gedroht, auf seine Abberufung hinzuwirken. Dem ist der Aufsichtsrat nun zuvorgekommen.

Die übrigen Vorstandsmitglieder bleiben allerdings im Amt. Damit kommt es nicht zu dem kompletten Kahlschlag an der Spitze der Bank, über den zuvor spekuliert worden war. Aufsichtsratschef Gerlach schloss zwar nicht aus, dass auch weitere Vorstände abberufen werden könnten. Derzeit könne man aber davon ausgehen, dass "alles Notwendige getan ist".

Der neue WestLB-Chef Stuhlmann hat früher die HSH Nordbank - die Landesbank von Hamburg und Schleswig-Holstein - geleitet. Anfang des Jahres verließ er das Institut, nachdem der private Investor Christopher Flowers eingestiegen war. Stuhlmann sagte, er sei Anfang der Woche völlig überraschend von WestLB-Aufsichtsratschef Gerlach angesprochen worden, ob er die Führung der Bank übernehmen wolle.

"Wir haben genau den richtigen Mann gefunden, um die Bank in ruhiges Fahrwasser zu führen", sagte Gerlach. Die Entscheidung für Stuhlmann sei einstimmig gefallen. Die WestLB solle unter dem neuen Vorstandsvorsitzenden eine aktive Rolle bei der Konsolidierung der Landesbanken in Deutschland spielen. Die Bank könne in diese Gespräche mit begründetem Selbstbewusstsein gehen.

Stuhlmann selbst machte allerdings deutlich, dass er nicht fünf Jahre lang an der Spitze der Bank stehen wolle. Er werde den Posten nur für einen "überschaubaren" Zeitraum übernehmen, sagte er in Düsseldorf. Er gehe davon aus, dass es binnen Jahresfrist zu Veränderungen in der Landesbankenszene kommen werde.

Manager sollen wichtige Informationen verschwiegen haben

In der Branche wird gemunkelt, dass die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) die WestLB übernehmen könnte. Möglicherweise ist Stuhlmann genau deshalb nach Düsseldorf gerufen worden. Denn mit Fusionen hat er bereits Erfahrung: Er war es, der den Zusammenschluss der Landesbanken von Hamburg und Schleswig-Holstein zur HSH Nordbank eingefädelt hat.

Zunächst muss Stuhlmann bei der WestLB aber erst einmal aufräumen. Die Affäre bei der Bank hatte sich an Geschäften von Börsenhändlern der Bank entzündet. Sie hatten jahrelang Aktienkurse manipuliert, um auf dem Papier hohe Gewinne für die Bank zu erzielen und damit ihre Bonuszahlungen zu sichern, unter anderem ging es dabei um Aktien von BMW, Volkswagen und Metro. Die Auflösung dieser gewaltigen Aktienpositionen hatte der Landesbank im ersten Halbjahr einen Verlust von 243 Millionen Euro beschert.

Die BaFin wirft dem Management vor, dem Aufsichtsrat entscheidende Informationen zu den riskanten Aktiengeschäften verschwiegen zu haben. Die Behörde stützt sich dabei auf ein von ihr in Auftrag gegebenes Gutachten der Wirtschaftsprüfer von KPMG.

wal/dpa/Reuters/ddp/AP/AFP



© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.