SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

26. März 2009, 12:45 Uhr

Landesbanken

WestLB liefert Mini-Gewinn ab

Nach dem "Annus horribilis" 2007 hat die WestLB 2008 wieder einen kleinen Gewinn erzielt. Bei Lichte besehen relativiert sich der Geschäftserfolg allerdings erheblich - das Plus wurde nur durch die milliardenschweren Garantien der WestLB-Eigentümer möglich.

Düsseldorf - Schwarze Zahlen immerhin: Die heute veröffentlichte Jahresbilanz der WestLB weist unter dem Strich einen Konzerngewinn von 18 Millionen Euro aus. Vor Steuern sei das Ergebnis auf 26 Millionen Euro gestiegen. "In dem für Banken äußerst schwierigen Jahr hat sich die WestLB vergleichsweise gut geschlagen", betonte WestLB-Chef Heinz Hilgert. "Die WestLB ist stabilisiert", fügte er hinzu. Das Geschäftsjahr 2007 hatte die Landesbank infolge von Fehlspekulationen und umfangreicher Anlagen in risikoreiche Papiere mit einem Verlust von knapp 1,6 Milliarden Euro abgeschlossen.

WestLB-Zentrale: Neuer Eigentümer gesucht
AP

WestLB-Zentrale: Neuer Eigentümer gesucht

Doch sei die Bank "noch nicht über den Berg". Für 2009 wagte er keine konkrete Prognose. Der Vorstand sei "vorsichtig". Zwar seien die ersten beiden Monate über Plan verlaufen, doch sei mit einer erhöhten Risikovorsorge und mit Belastungen bei der Marktbewertung von Staatspapieren zu rechnen.

Außerhalb der Gewinn-und-Verlust-Rechnung nahm die WestLB 2008 Wertberichtigungen in Höhe von 600 Millionen Euro vor, die als vorübergehend eingeschätzt werden.

Ohne den Verkauf von riskanten Wertpapieren an eine Zweckgesellschaft, durch den ein Übertragungsgewinn von fast einer Milliarde einfloss, wäre das Ergebnis allerdings weniger schmeichelhaft ausgefallen. Die WestLB-Eigentümer - das Land Nordrhein-Westfalen, zwei kommunale Verbände, und die Sparkassen in NRW - hatten zuvor milliardenschwere Garantien für die ausgelagerten Risiken abgegeben. Die WestLB ist damit die einzige Landesbank in Deutschland, die einen eigenen Rettungsschirm besitzt.

Unter den sieben deutschen Landesbanken hatten zuvor nur die NordLB und die Landesbank Berlin einen kleinen Gewinn für 2008 gemeldet. Die HSH Nordbank, die BayernLB und die LBBW mussten nach Milliardenverlusten von ihren Eigentümern - allen voran den Ländern und damit den Steuerzahlern - mit Kapitalspritzen gestützt werden. Allein bei der BayernLB summierte sich der Verlust auf gut fünf Milliarden Euro. Auch sie verhandelt mit der EU-Kommission und muss mit Auflagen rechnen.

Ob die jetzt veröffentlichte Jahresbilanz hilfreich ist, wenn es darum geht, die Auflagen der der EU-Wettbewerbshüter zu erfüllen, die im Gegenzug für die Genehmigung der überlebenswichtigen Beihilfen auf einen Eignerwechsel drängen, bleibt abzuwarten.

Aktuell stehen jedenfalls die Chancen für die Partnersuche bei den Landesbanken schlecht, wie Hilgert am Rande der Bilanzpressekonferenz einräumte. Deshalb werde man gemeinsam mit den Eigentümern "kurzfristig" mit der EU-Kommission Verhandlungen "auf Basis eines Konzepts für einen transparenten und diskriminierungsfreien Bieterwettbewerb aufnehmen".

Die Versteigerung schließe eine Fusion im Lager der Landesbanken nicht aus. Aber auch Private könnten zum Zuge kommen. Um das Institut attraktiver für einen Verkauf zu machen und weitere EU-Auflagen zu erfüllen, will die WestLB nicht-strategische Aktivitäten mit einem Volumen von rund 80 Milliarden Euro in eine neue Bank auslagern.

Die WestLB wird keine Resultate ihrer Partnersuche bis zum Ende des Monats nach Brüssel melden können, erklärte das Institut heute. Die EU-Wettbewerbshüter wollen bis Ende März Ergebnisse sehen.

mik/Reuters/dpa-AFX/Dow Jones

URL:


© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung