Landgericht Hamburg Ex-Börsenstar Falk zu vier Jahren Haft verurteilt

Eines der spektakulärsten Wirtschaftsverfahren ist vorläufig zu Ende: Der einstige Internet-Unternehmer Alexander Falk soll wegen versuchten Betrugs und Bilanzfälschung vier Jahre in Haft. Der Angeklagte wird gegen das Urteil Rechtsmittel einlegen.


Hamburg - Bitteres Ende für den einstigen Star des neuen Marktes: Verlagserbe Alexander Falk ist am Freitag vom Hamburger Landgericht wegen gemeinschaftlichen versuchten Betrugs zu vier Jahren Haft verurteilt worden. Die Richter sahen es als erwiesen an, dass er zur Blütezeit der New Economy durch Scheingeschäfte den Preis für seine Firma Ision Internet hochgetrieben hatte, die er dann an die britische Energis verkaufte.

Internetunternehmer Falk: Verteidigung will Rechtsmittel einlegen
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Internetunternehmer Falk: Verteidigung will Rechtsmittel einlegen

Mit seinem Urteil blieb das Gericht allerdings hinter den Forderungen der Staatsanwaltschaft zurück: Diese hatte Anfang März eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren und neun Monaten gefordert. Sie hielt Falk des vollendeten Betrugs für schuldig. Der außer Vollzug gesetzte Haftbefehl sollte bestehen bleiben. Die Verteidigung des 38-Jährigen hatte im April auf Freispruch plädiert und will nun Rechtsmittel einlegen.

Auch Falk hatte immer wieder betont, das Landgericht nur als Durchgangsstation zu sehen. Er hatte während des Verfahrens, das im Dezember 2004 begann, 22 Monate in Untersuchungshaft gesessen, bis er im April 2005 unter strengen Auflagen von der Haft verschont wurde. Die vier Mitangeklagten wurden zu Strafen zwischen zweieinhalb Jahren und acht Monaten auf Bewährung verurteilt.

Der Prozess gegen Falk gilt als einer der spektakulärsten Wirtschaftsverfahren der vergangenen Jahre und dauerte fast dreieinhalb Jahre. Falk und den vier ebenfalls verurteilten Ex-Managern wurde im Zusammenhang mit dem Verkauf des Internetunternehmens Ision Kursmanipulation, Betrug und Steuerhinterziehung vorgeworfen. Das britische Unternehmen Energis kaufte Ision Ende 2000 für 762 Millionen Euro. Die Anklage bezifferte den Mindestschaden für Energis auf rund 37 Millionen Euro.

Die Urteile wurden nach offizieller Zählung am 157. Verhandlungstag verkündet. Das Gericht hatte 75 Zeugen gehört, die Leitakte mit den wichtigsten Dokumenten umfasste zuletzt fasst 14.000 Seiten.

sam/ddp/dpa-AFX/Reuters



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