Landwirte als Blogger Bauernverband will Internet-Foren unterwandern

Der Deutsche Bauernverband greift aktiv in Internet-Foren ein. Nach SPIEGEL-Informationen fordert die Organisation Landwirte auf, sich an Diskussionen zu beteiligen - natürlich im Interesse der eigenen Lobby. Hintergrund ist offenbar ein interner Streit mit den Milchbauern.

Hamburg - Der Deutsche Bauernverband (DBV) scheint um sein Ansehen besorgt und will deshalb die Meinungsbildung im Internet steuern. Zu diesem Zweck gründete der DBV nach SPIEGEL-Informationen eine Task-Force aus Internet-affinen Landwirten, die sich regelmäßig in Diskussionsforen zu Wort melden sollen.

Bauern-Demo am Mittwoch in München: Interner Streit im Verband

Bauern-Demo am Mittwoch in München: Interner Streit im Verband

Foto: DPA

Im Fokus stehen dabei nicht nur die Foren der von den eigenen Landesverbänden beherrschten Blätter "agrarheute" und "topagrar", sondern etwa auch die der Berliner "taz" und von SPIEGEL-ONLINE. Das geht aus einem entsprechenden DBV-Schreiben hervor.

Verbandssprecher Michael Lohse tut die Aktivität als "normale Öffentlichkeitsarbeit" ab. Authentische Bauern kämen bei dieser Art Verbraucherdialog noch nicht genug zu Wort, würden aber durch Blogs "die beste Wirkung" erzielen. Weder wolle man verdeckt eine Meinung majorisieren, noch Stimmung für den Bauernverband machen.

Im internen DBV-Schreiben liest sich das jedoch ganz anders: Ziel der Task-Force sei es, "Meinungsbildung gegen den Bauernverband frühzeitig zu entdecken" und "einzugreifen". Gern auch unter Pseudonym. "Wenn Sie dort auf 'fragliche, kritische Diskussionen' stoßen", so die Task-Force-Führung, "mischen Sie sich in die Diskussion aktiv ein".

Lohse bestreitet, die Blogger anzuleiten. Im Schreiben des DBV ist jedoch von einer regelmäßigen Info-Mail die Rede, die die verbandstreuen Bauern-Blogger auf Themen stoßen soll.

Für Ulrich Jasper von der DBV-kritischen Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft zeigt die Task-Force die "steigende Nervosität" des Verbands. "Wie schwach muss dessen Position sein, wenn er sich eine passende Öffentlichkeit zurechtzimmern muss?", so Jasper. Vor allem das Thema Milch spalte den DBV nachhaltig. Wegen seines Milchindustrie-Lobbyismus werde der Bauernverband mittlerweile von der Mehrheit der Milchbauern als Gegner betrachtet. Sogar in der landwirtschaftlichen Fachpresse ist bereits von einer "Austrittswelle" die Rede.

Erst am Mittwoch demonstrierten die eigenen Milchbauern vor der Zentrale des Bayerischen Bauernverbands und forderten den Rücktritt des DBV-Präsidenten Gerd Sonnleitner.