Langstrecken-Jet Frankreich dringt auf Bau des A350

Der Airbus-Mutterkonzern will in den kommenden Tagen entscheiden, ob das Langstreckenmodell A350 gebaut wird oder nicht. Das Projekt birgt enorme finanzielle Risiken für den Flugzeugbauer. Paris bezog schon heute Position - für den Bau des Flugzeugs.


Paris - Zwei Tage vor der entscheidenden Sitzung der EADS Chart zeigen-Konzernführung über den Bau des Airbus A350 hat die französische Regierung auf den Bau des Langstreckenflugzeugs gedrungen. Frankreich wünsche, "dass dieses große Projekt beschlossen" werde, sagte Industrieminister Francois Loos heute in der Nationalversammlung. Nach dem Beschluss des EADS-Verwaltungsrates müsse man "mit den anderen Airbus-Ländern an den Förderungsmodalitäten arbeiten".

Computerbild des A350 XWB: Interesse aus Paris
DPA

Computerbild des A350 XWB: Interesse aus Paris

Die Entwicklung des Flugzeugs für 270 bis 350 Passagiere soll zehn bis zwölf Milliarden Euro kosten. Vergangene Woche war eine Sitzung des EADS-Verwaltungsrates kurzfristig abgesagt worden, weil die französische Regierung mit den privaten EADS-Aktionären Lagardère Chart zeigen und DaimlerChrysler Chart zeigen über die Frage einer nötigen Kapitalerhöhung zerstritten war. Loos wollte heute nicht sagen, wie eine Einigung aussehen könnte.

EADS will die Finanzierung teilweise über eine Milliardenanleihe sichern und zudem ein Milliardenprogramm zur Kostensenkung auflegen. Die Airbus-Staaten könnten zur Finanzierung mit der Garantie von bis zu 40 Prozent der Kredite beitragen oder die Anleihe zeichnen.

Nach Angaben von Patrick Ollier, dem Vorsitzenden des Wirtschaftsausschusses in der französischen Nationalversammlung, hat die Bundesregierung Frankreich Unterstützung bei der A350-Finanzierung zugesagt. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) habe Airbus-Chef Louis Gallois zugesichert, "dass der deutsche Staat bereit ist einzugreifen", sagte Ollier vor dem französischen Parlament.

"Wenn es besondere finanzielle Probleme bei dem Projekt gibt, wäre es wünschenswert, dass auch der französische Staat interveniert", sagte Ollier. Es sei "unabdingbar, dass wir auf dem Markt für Langstreckenflugzeuge vertreten bleiben, der 40 Prozent des Weltmarktes ausmacht". Dieses sei notwendig "für das Überleben von Airbus" im Konkurrenzkampf mit dem US-Rivalen Boeing Chart zeigen.

Gallois selbst sagte während und nach der Anhörung im französischen Parlament, Airbus wolle beim A350 die Hälfte der Außenhülle außerhalb des Unternehmens entwickeln lassen. Partner sollten damit Arbeiten im Wert von 1,8 Milliarden Euro übernehmen, sagte der Airbus-Chef. Eigenen Angaben zufolge informierte Gallois die Gewerkschaften bereits über die geplante Auslagerung wesentlicher Entwicklungsarbeiten.

kaz/dpa/AFP



© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.