Langstreckenjet Airbus lagert A350-Arbeiten im Milliardenwert aus

Airbus gibt dem Langstreckenflugzeug A350 wohl doch noch eine Chance. Derzeit debattiert der Mutterkonzern EADS, ob der Jet überhaupt gebaut werden soll - das finanzielle Risiko ist groß. Jetzt sickerte durch, dass Arbeiten an dem Flugzeug im Milliardenvolumen an Fremdfirmen vergeben werden.


Paris - Die EADS-Tochter Airbus will einem Zeitungsbericht zufolge bei ihrem geplanten A350-Projekt Arbeiten mit einem Volumen von rund 1,8 Milliarden Euro an außenstehende Firmen auslagern. Das berichtet die französische Zeitung "La Tribune" unter Berufung auf Aussagen von Airbus-Chef Louis Gallois. Das deutet darauf hin, dass Airbus nun also an dem Flugzeugmodell festhält. Das A350-Projekt hat ein Gesamtvolumen von zehn bis zwölf Milliarden Euro.

A350 im Computerbild: Projekt mit Gesamtvolumen von bis zu zwölf Milliarden Euro
DPA

A350 im Computerbild: Projekt mit Gesamtvolumen von bis zu zwölf Milliarden Euro

Nach Informationen der Nachrichtenagentur Dow Jones Newswires gibt es Differenzen zwischen den EADS Chart zeigen-Anteilseignern über die Finanzierung des geplanten neuen mittelgroßen Airbus-Typs. Die französische Regierung blockiere den Vorschlag der beiden industriellen Anteilseigner Lagardère Chart zeigen und DaimlerChrysler Chart zeigen, das Projekt über die Kapitalmärkte und neue institutionelle Investoren zu finanzieren. Paris setze vielmehr auf eine Kapitalerhöhung, mit der zugleich der Anteil Frankreichs an EADS stiege, heißt es aus EADS-Aktionärskreisen.

Der EADS-Verwaltungsrat kommt am Freitag zusammen, um über die Zukunft des A350 zu entscheiden. Die Entscheidung sollte ursprünglich bereits am vergangenen Freitag fallen, wurde dann aber kurzfristig abgesagt. Aus EADS-Kreisen hieß es, bis Ende des Monats werde entschieden, ob das Flugzeug gebaut werde oder nicht.

Mit dem A350-Langstreckenflugzeug wollen die Europäer wieder Kunden gewinnen, die sonst das Boeing Chart zeigen-Modell 787 ("Dreamliner") oder die 777 bestellen würden. Mehrere Fluggesellschaften hatten die erste von Airbus vorgestellte A350-Version als nicht konkurrenzfähig bezeichnet und angedeutet, sie würden Boeing den Vorzug geben. Airbus überarbeitete das Modell: Die neue A350 XWB ist nun deutlich größer geplant und soll durch den Einsatz von Verbundmaterialien aus Kohlenstoff anstatt von Metall auch spritsparender sein. Durch den Neuentwurf könnte sich die Markteinführung von 2010 auf 2014 verzögern.

Airbus muss nun entscheiden, ob das Unternehmen das Projekt mit Milliardenaufwand umsetzt. Die A350-Finanzierung gilt angesichts der Lieferprobleme mit dem Riesenmodell A380 als sehr risikoreich. Baut Airbus den A350 aber nicht, würden die Europäer den Markt dem US-Konkurrenten überlassen und müssten Fluggesellschaften womöglich Schadenersatz für bereits bestellte Maschinen zahlen.

An EADS ist neben dem Automobilkonzern DaimlerChrysler, der derzeit 22,5 Prozent der Anteile hält und auf 15 Prozent reduzieren will, auch die französische Gesellschaft Sogeade mit 22,5 Prozent beteiligt. Dort halten der französische Staat 15 Prozent und Lagardère künftig 7,5 Prozent. Vor rund einem Jahr hatte Frankreich über eine staatliche Bank 2,25 Prozent des Lagardère-Anteils übernommen und damit seinen Einfluss auf die Airbus-Mutter ausgeweitet.

kaz/Dow Jones/dpa



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